Zurück zur Homepage

Die Nebelsängerin

autor

Felten, Monika (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 5/5

verlag

Piper

jahr

2006

1 bewertung

isbn

3492266134

1768 x gelesen

genre

Fantasy & Science Fiction

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 14.09.2008 von Alisha Bionda

Inhalt: Ein geheimnisvolles Amulett und ein mystisches Lied aus vergangenen Zeiten führen die junge Ajana in eine fremde Welt. Ihrem Land droht große Gefahr. Seit die Magie der Nebel schwindet, die eine Elbenpriesterin gewoben hat, herrscht Krieg zwischen den Stämmen von Nymath und den Uzoma, dem finsteren Volk, das die Elben einst verbannten. Die mächtige Festung der Vereinigten Stämme droht dem Ansturm der dunklen Krieger zu erliegen.

Seit ihrem Zyklus »Die Saga von Thale« ist Monika Felten Deutschlands erfolgreichste Fantasy-Autorin. Mit »Die Nebelsängerin« führt sie in die faszinierende Welt der Elben, dem geheimnisumwittertsten Volk der Fantasy.

Meinung: Alle, die meines Blutes sind, sollen die Magie der Nebel fortan in sich tragen. Das Amulett auf die Tochter und so immerfort. Die weiblichen Erben meines Blutes werden bis in alle Ewigkeit an das Schicksal Nymaths gebunden sein.

So beginnt „Das Erbe der Runen“ und deutet mit wenigen Worten den Kernplot dieser Trilogie.

Der Opener des Bandes 1 kommt mit einem Auszug aus der „Chronik Nymaths“ daher, der den Lesern ersten Einblick in die blutige Geschichte von Sanforan gewährt. Die Handlung startet dann auch in der eindrucksvollen Hafenstadt – und dort mit dem fünfzehn Winter zählenden Keelin (schlank, schwarzhaarig, Sohn einer Hure und somit ohne „Blutabstammung“ und Aussicht auf eine gehobene Stellung in Nymath). Keelin hat sich schon immer zu den Falknern hingezogen gefühlt und wird – wie es unter den Jungfalknern Tradition ist – überraschend und durch einen Zufall von einem der schlüpfenden Jungvögel „auserwählt“. Horus, sein Falke, befreit Keelin durch seine Wahl aus seinem bisherigen eher tristen Dasein. Denn der Kodex der Falkner besagt u.a, : „Keinem Manne, dem das Blut der Raiden in den Adern fließt und dessen Geist sich aufschwingt, zu fliegen mit den Falken, ist zu wehren Wissen und Weg zu Falkners Kunst, erwählt ihn ein herrlicher Falke...“

Dabei ist keine gute Zeit über Nymath hereingebrochen, es droht Krieg mit den Uzoma, der bisher nur dadurch verhindert werden konnte, dass Nebelmagie die Feinde abgehalten hat. Nun ist der schützende Zauber der Nebel erloschen und die Nymather warten auf die Rückkehr der Nebelsängerin, die die Magie der Nebel erneuern soll. Bei einer Versammlung des Hohen Rates berichtet Gaynor, der Vorsitzende davon, dass Merdith, Anführer der Krieger, die an einem Pass, die Uzoma von Nymath fernhalten sollen, mit einer Gruppe Krieger in einen Hinterhalt gelockt und getötet wurde – somit ist der Frieden in Nymath gefährdet. Gaynor schlägt daraufhin die Räumung der Stadt und Evakuierung der Bevölkerung vor.

Inahwen, Merdiths Tochter und Gesandte der Elben, zweifelt daran, ob das der rechte Weg sei. Und auch ihr Bruder Gathorion, der auf der Versammlung erscheint (er kämpfte zwei Winter an der Seite ihres gefallenenen Vaters gegen die Uzoma), meldet Bedenken an. Er schildert, was den Truppen auf dem Pass an der mächtigen Festung der Vereinigten Stämme widerfahren ist – zum Beispiel Angriffe der Lagaren (geflügelte Riesenechsen mit giftigem Atem)Gathorion spricht sich vehement gegen die Evakuierung aus. Bayard, Kataure und Heermeister, unterstützt ihn dabei.

Auf der anderen Handlungebene agiert in der Realwelt Ajana, deren Vater adoptiert wurde und der in seinen wenigen Fotos und Unterlagen, die er von seiner irischenFamilie hat, das Bild der jungen Mabh O’Brian (von 1920) findet. Es stellt sich heraus, dass sie Ajanas Großtante war (in den 20zigern eine berühmte Sängerin in Irland), die nun verstorben ist und die Ajana beerbt.

Im dritten Handlungsstrang wird die Welt der Uzoma geschildert, in der Vhara, die Hohepriesterin des Dunklen Gottes und engste Beraterin des Whyono Orthon (Herrscher über alle Uzoma), an den Fäden zieht. Vhara, alterslos, mit langen schwarzen Haaren und Katzenaugen, ist Teil von Orthons Leben, und vor allem seiner Lust. Geschickt weiß sie ihn für ihre Zwecke zu nutzen und zu manipulieren. Denn Othon gibt sich nur nach außen hin stark, ist aber innerlich eine jämmerliche Gestalt mit mittlerweile verweichlichtem Charakter. Er ist auf Vhara angewiesen und ihr hörig. Doch sie fühlt sich angewidert von ihm, benötigt ihn aber für ihre Pläne. Sie sinnt darauf ein Ritual zu begehen, um einen vernichtenden Schlag gegen die „Erbin des Runenamuletts“ zu führen, die als Einzige noch die Fähigkeit besitzt, die Magie der Nebel, die Nymath schützen, neu zu weben.

Zwischen Keelin und seinem Falken Horus hat sich in fünf Wintern eine enge Beziehung entwickelt. Keelin steht nun als ausgebildeter Kundschafter im Dienst zum Wohle des Volkes von Nymath. Er und sein Freund Abbas (flinker, dunkelhäutiger Küchenjunge) wollen sich Gathorion anschließen und ihren Teil dazu beizutragen Nymath vor den Uzoma zu verteidigen. Gathorion und Inahwen brechen mit den Kriegern zu dem Pass auf – als letztes Aufgebot der Vereinigten Stämme. In ihrer Begleitung sind Katauren, Falkner und Fußsoldaten. Saforan blutet aus.

Bei Ajana Evans‘ Eltern taucht der Nachlassverwalter Erin O’Donnell aus Irland auf, der preisgibt, dass etliche Angehörige der Familie O’Brian keines natürlichen Todes gestorben sind und gemunkelt wurde, ein Fluch läge über der Familie. Die beiden letzten Erbberechtigten verstarben unter tragischen Umständen, bevor sie das 16. Lebensjahr vollendeten. Vor zwei Wochen war der Nachlassverwalter nun auf Ajanas Vater gestossen. Genau zu dem Zeitpunkt, als Ajana immer wieder lebensbedrohliche Zwischenfälle ereilten. Ajana erbt ein altes Runenamulett (mind. 500 Jahre alt – auf dem Cover abgebildet) und fühlt sich sofort magisch von dem Schmuckstück angezogen und sie hört eine Melodie, die sie auch schon ihren Träumen vernommen hat. Ajana legt sich das Amulett um und spielt auf dem Klavier die Melodie – und wird in eine andere Welt gezogen.

Gathorion und seine Begleiter erfahren derweil, dass das Dorf Lemrick durch einen Angriff der Uzoma und Lagaren in Schutt und Asche gelegt wurde. Als Ajana wieder zu sich kommt findet sie sich, genau dort wieder – und somit in der Gefangenschaft der Uzoma. Bayard, der mit einem kleinen Trupp losgeritten ist, um nachzusehen, ob es in Lemrick noch Lebende gibt, gelingt es mit Keelins Hilfe Ajana zu befreien. Der junge Falkner und Danae, eine Heilerin kümmern sich um Ajana.

Maylea, eine Amazone, die der Vorhut, die das Nachtlager für Gathorion und sein Gefolge errichten sollte, angehört, wird Zeugin eines Angriffs der Lagaren und kann sich zu Gathorion retten. Sie berichtet ihm, dass die Lagaren mit rauchlosem Feuer angegriffen haben – ein Zeichen, das Magie eingesetzt wurde. Kurz darauf erreichen auch Bayard, seine Begleiter und Ajana den Elbenprinzen. Als Ajana dann dessen Schwester Inahwen gegenübersteht, fühlt sie sich sofort zu der Elbin hingezogen – als würde sie ihr nach einer langen Trennung wieder begegnen.

Am folgenden Tag zieht Gathorions Heer weiter. Ajana und Maylea fahren beide im Wagen der Heilerinnen und Maylea erzählt Ajana über Nymath und den Krieg gegen die Uzoma. – bis sie die Festung erreichen. Dort erfahren sie von dem Heermeister Toralf, was sich während Gathorions Abwesenheit am Pass ereignet hat. Gathorion äußert die Vermutung, dass die Lagaren die Festung angreifen werden und fordert alle verfügbaren Männer einzusetzen, um möglichst große Pfeilkatapulte zu bauen, um die Flugechsen vom Himmel zu holen, ehe sie die Festung erreichen. Bayard glaubt nicht, dass sie den Angriffen lange standhalten können. Wieder bringt Gathorion das Gespräch auf die Nebelsängerin, als mögliche Rettung für sie alle.

Ajana quälen zeitgleich Schmerzen und Heimweh nach ihrer Welt. Bis Inahwen mit ihr spricht und ihr offenbart, dass das Amulett und die Melodie des Notenblattes erforderlich sind um den neuen Nebelzauber zu weben. Doch Ajana ist nicht mit dem nötigen Wissen vertraut und sich nicht ihrer Aufgabe bewusst, da sie niemand in die Bedeutung des Amuletts eingewiesen hat.

Gathorion unterrichtet Bayard, dass ein kleiner Trupp mitten in das Uzomagebiet aufbrechen muss und dass Ajana die Nachfahrin der Elbenprinzessin Gaelithil (Nebelsängerin) ist. Ajana soll in den Vorbergen des Pandarasgebirges von einer weisen Frau – der Magun – in die Magie eingewiesen werden. Ajana erfährt von Inawhen, dass sie erst dann wieder in ihre Welt zurückkehren kann, wenn sie als Nebelsängerin ihre Aufgabe erfüllt habe. Erst dann würde die Magie des Amuletts erneut das Tor zwischen den Welten öffnen. So brechen Ajana, Inawhen und Bayard auf, um die Magun, deren genauer Aufenthaltsort nicht bekannt ist, zu suchen und finden sie erstaunlich schnell. Die Alte führt sie in ihre Hütte und erzählt ihnen die Legende von Gaelithil und dem Amulett, die Geschichte des gestrandeten Elfenvolkes und der Menschen und die der Uzoma – beide sind eng miteinander verbunden. Die Magun verrät ihnen auch, dass Gaelithil den Mondstein in zwei Teile spaltete: einer ist in dem Amulett, der andere an dem knorrigen Ende eines langen Stabes aus geweihtem Wurzelholz, der bei einem Angriff der Uzoma gestohlen wurde (und sich jetzt in Vharas Besitzt befindet). Durch diesen Stab wissen die Uzoma auch von Ajanas Ankunft in dieser Welt. Ajana hört erstmalig von dem Semouria, dem Wächter der Seelensteine, dessen Blick genügen soll, einem Menschen die Seele zu rauben, von denen er sich ausschließlich ernährt. Er sperre die Seelen in Monolithe ein, die in seiner Höhle stehen und sei der Hüter des Totenreiches einer uralten Rasse. Auch Gaelithils Seele soll in seiner Höhle sein, da sie dort gestorben sei. Ajana wird bewusst gemacht, dass sie die letzte lebende Nachkommin von Gaelithil ist – somit die letzte Hoffnung für Nymath.

Zurück in der Festungsanlage wird beschlossen, dass Bayard mit einer kleinen Truppe Ajana in die Höhle der Seelensteine bringen soll. Keelin und Horus sind mit in der Gefolgschaft. Auch Maylea erreicht mit ihrer forschen Art, dass sie die Gruppe begleiten darf. Gathorion überreicht Ajana, bevor sie aufbrechen, ein Kurzschwert ( Cyllamdir – Bote der Hoffnung) und sagt ihr, dass alle ihre Vorfahrinnen dieses Schwert getragen haben.

Nach einem Weg voller Abenteuer, Gefahren und Verluste erscheint Ajana in einer Höhle der Hüter der Seelensteine. Der Semouria bringt ihre Seele in ein kathedralengleiches Gewölbe und in Ajana erwacht das elbische Erbe – Gaelithils Erbe –, das des Runenamuletts und drängt den menschlichen Teil ihrer Seele immer weiter zurück. Gaelithils Seele erscheint ihr und prophezeit Ajana Gefahren, harte Zeiten, Freunde und eine große Liebe...

Mehr sei nicht verraten, denn die Handlung beinhaltet natürlich noch erheblich mehr.

Im Anschluss an den Romantext finden sich im Anhang Informationen verschiedenster Art: Ein Glossar, Die Völker und Stämme von Nymath, Das Geheimnis der Runen, Das Runenamulett (Die Bedeutung der Runen im Amulett) und Songtext zur Hardcover-Ausgabe – eine Leseprobe des Folgebandes „Die Feuerpriesterin“ schließt diesen Teil ab.

Monika Felten eilt der Ruf voraus, sie schreibe „Frauen“fantasy. Erstens erschließt sich mir nicht, was daran negativ sein soll, zweitens muss ich dem aber energisch widersprechen. Denn dieser Band ist das beste Beispiel dafür, dass Monika Felten perfekt für alle „Zielgruppen“ schreibt – das ist All Age-Fantasy – und für beide Geschlechter. Da gibt es keine Grenzen, die nicht nur die Fantasie einschränken würden, sondern auch die Leserschaft. Ein jeder kann sich hier beruhigt literarisch Zuhause fühlen.

Man merkt der Autorin darüber hinaus deutlich an, dass sie sich Mühe mit ihren Texten gibt und sie nicht in kürzester Zeit „zusammenschustert“. Ihr Stil ist ausgereift, flüssig und flott – und dennoch anspruchsvoll. Die Handlung kommt anmutig und gefühlvoll rüber – ohne schwülstig zu wirken. Besonders die Charaktere sind wohl durchdacht, gut profiliert und auch die einzelnen Handlungsebenen zeigen sich äußerst lebendig, ohne platt und oberflächlich zu werden. Sehr schön auch die Stellen, in denen Keelin die Welt aus den Augen seines in der Luft gleitenden Falken sieht und sogar verfolgt wie dieser eine Ratte jagt. Mehr noch, als der Vogel das Beutetier schließlich schlägt, verspürt Keelin sogar einen Blutgeschmack auf der Zunge. Es sind gerade diese kleinen, scheinbar unbedeutenden Szenen/Momente, die in dem Buch die Dichte erzeugen, die man bei so manchen vermisst. Aber auch die Kampfszenen, sind wohldosiert und arten nicht in seitenlanges langweiliges Gemetzel aus. Die Verhältnismäßigkeiten stimmen in diesem Band zur Perfektion – und macht Leserhunger auf die beiden Folgebände.

Auch die Aufmachung des Paperbacks überzeugt. Das Covermotiv ist stimmungsvoll minimalistisch, der Satz und das Papier ausgezeichnet, als Szenentrenner wurden schöne Ornamente verwandt und auch das Lektorat ist erstklassig.

Fazit: Ein atmosphärisch dichter, flüssig erzählter Fantasyband, der auf einem gleichbleibend guten Niveau unterhält und Neugier auf die beiden Folgebände weckt.


Weitere Rezensionen finden Sie bei Amazon.


hier klicken, um dieses buch selbst zu rezensieren!

weitere rezensionen suchen buch ebenfalls rezensieren

Gedächtnis und Erinnerung

Geschrieben am: 30.04.2010

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

Das Gehirn ist der Träger unserer Erinnerungen und unseres Gedächtnisses, ebenso aber gibt es Orte der Vergegenwärtigung des Gewesenen auch außerhalb des individuellen Erlebens. Riten, Traditionen, Medien, mündliche Weitergabe von Geschichten oder wichtigen Informationen, manchmal über Generationen ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere zufallsrezensionen

Handbuch Kognitionswissenschaft

Geschrieben am: 21.11.2013

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

Breite und fundierte Grundlage

Von den Ursprüngen der Kognitionswissenschaft bis zu den neueren Tendenzen, von den vielfachen Teildisziplinen über die Strukturen kognitiver Systeme hin zu einer sehr sorgfältigen und strukturierten Darstellung der kognitiven Leistungen reicht diese fundierte, ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere beliebte rezensionen

Die Lebenden und die Toten

Geschrieben am: 18.10.2014

Rezensent: KimVi

Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff hat heimlich geheiratet und will mit ihrem Mann über Weihnachten in die Flitterwochen fahren. Beim Packen der Koffer, erreicht sie ein Anruf von ihrem Chef Oliver von Bodenstein. Eine ältere Dame wurde beim Spaziergang mit dem Hund erschossen. Da von Bodenstein nich ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere neue rezensionen