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Alles ganz Isi

autor

Gehrmann, Alva

gesamtwertung: 2/5

verlag

dtv

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3423248742

597 x gelesen

genre

Sachbuch

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 03.07.2011 von Michael Lehmann-Pape

Über die entspannte Lebenshaltung eines ganzen Volkes

Man sagt oft den südlichen europäischen Ländern eine, je nach eigener Sichtweise entweder „entspannte“ oder „lasche“ Lebenshaltung nach. Die Dinge auf sich zukommen lassen, Pünktlichkeit nicht übertreiben, die Dinge des Lebens eher locker angehen.
Das mag durchaus auf manche Landstriche des europäischen Festlandes zutreffen, aber wer weiß schon, dass, folgt man dem Buch von Alva Gehrmann, der Isländer an sich diese Haltung perfekt kultiviert hat?

Auch wenn Island gerade im Zuge des Finanzcrashs in aller Munde war und einige Isländer (allen voran Bjork) international durchaus bekannt sind, vieles von dem, was die Autorin in ihrem Buch zu Gemüte bringt, weiß durchaus zu überraschen. Vor allem aber erfüllt es die Aufgabe, die sich Alva Gehrmann mit dem Buch gesetzt hat. Auf gut 250 Seiten wird dem geneigten Leser die isländische Lebensweise informativ, gut lesbar und nachhaltig nahegebracht. Dienlich hierzu ist sicherlich auch, dass die Autorin als „gebürtige Rheinländerin“ ein wenig der in Island anzutreffenden Lebenshaltung aus der frankophilen Ecke Deutschlands bereits mitbrachte.

Verabredungen mit Isländern Wochen im voraus? Schwierig, denn der Isländer (und die Isländerin) mögen es nicht festgefügte Pläne und Abfolgen in den Raum zu setzen.

„Wir denken nicht soviel darüber nach, es passiert einfach“.
Das ist ein Leitmotto, dass vom alltäglichen Leben über die Kunst bis hin zur Nachwuchsgestaltung das Leben durchzieht.
„Besser 2,15 Kinder von verschiedenen Partnern als 1,37 Kinder vom gleichen Partner“. Nachwuchs ist dem Isländer immer willkommen. Natürlich nehmen die Bewohner der Insel die Liebe durchaus ernst, aber aufgrund der Gegenwartsbezogenheit ist eine Trennung durchaus nicht ein solches Drama, wie auf anderen Breitengraden dieser Welt.

Interessanterweise, und das arbeitet Gehrmann gut heraus, beruht all dies an lebensentspannter Haltung in Island nicht auf einer gravierenden Oberflächlichkeit des Lebens. Verbindliche Sozialkontakte über die Generationen hinweg, eine enge Verbindung untereinander, ein Achten auf die Traditionen, vor allem auf die eigene Sprache (Selbst „Apple“ als Name ist „verisländischt“ worden in „Epli“). All dies ist ebenfalls zutiefst isländisch, wie aber eben korrespondierend auch die Abenteuerlust, die Kreativität und die unbedingt Haltung, Ideen zu erproben. Und das alles in größtmöglicher, innerer Freiheit, den Tag, die Aufgabe, das Leben auf sich zu kommen zu lassen und dann zu „tun“, statt (nur) zu „planen“.

„Experimentierfreudigkeit“ ist eben eines der obersten Gebote auf Island und dazu bedarf es einer innerer Offenheit, einer inneren und, natürlich, äußerlich-zeitlichen Flexibilität. Eigenschaften, die das Leben und Lebensgefühl der Isländer ebenso bestimmen, wie ihr vertrauter Umgang untereinander. Eine vertraute Vernetzung, die über die Generationen reicht, die das gesamte Volk miteinander verbindet (irgednwann kennt jeder jeden) und die durchaus über den Tod hinausreicht. Denn jeder Isländer, der stirbt, erhält einen ausführlichen Nachruf von irgendjemandem, der ihn gut kannte.

Das Buch bildet einen profunden und umfassenden, interessanten und durchaus ernstgemeinten Blick auf das Leben auf der Insel Island mit seinen Menschen, der Lebensweise und der Natur und enthält vieles an nicht breit bekannten Informationen, die durchaus lesenswert sind.


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