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Frankenstein or The Post-Modern Prometheus

autor

Klos, Alexandra K.

gesamtwertung: 5/5

verlag

ed. fisher

jahr

2003

1 bewertung

isbn

3830104979

2757 x gelesen

genre

Horror

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 08.05.2003 von Nejat Philip Eryigit

Frankenstein or The Post-Modern Prometheus von Alexandra Karoline Marion Klos

ist eine Fortsetzung von Mary Shelleys Frankenstein or The Modern Prometheus. Der Roman setzt dort an, wo Shelleys 19. Jh.-Roman endet und fantasiert die Geschichte von Frankenstein und dem Monster weiter.

Während Shelley auf die damaligen Ereignisse im Zeitalter des Darwinismus einging, zeigt der Fortsetzungsroman die potentiellen Gefahren der Gentechnologie und des Klonens im 21. Jahrhundert und streift außerdem die Thematik der Transsexualität, verpackt als nervenaufreibende Gruselgeschichte, die kalte Schauer über den Rücken jagt und die auch nicht vor Grausamkeit bis hin zur Vergewaltigung zurückschreckt.

Vom Genre her würde man den Roman wohl zwischen Gothic Horror und Science Fiction ansiedeln, wobei der Text auch vereinzelt märchenhafte Züge aufweist. Literarische Anspielungen auf die Klassiker Charles Dickens, Lord Byron, E. M. Forster, Virginia Woolf und Pío Baroja sowie biblische und andere Zitate stellen gewisse gedankliche Verbindungen her, sind aber nicht Voraussetzung für das Verständnis. Überhaupt ist der Roman insbesondere auf Spannung, Überraschungseffekte und Provokation angelegt und würde sich deshalb auch gut zur Verfilmung eignen.

Der Roman wird im Wesentlichen aus der Perspektive des Monsters in der Ich-Erzählsituation geschildert. Wie es dazu kommt, dass das Monster seine eigene Lebensgeschichte zu Papier bringt, wird im Verlauf des Romans ersichtlich.

Nachdem das Monster seinen Schöpfer Frankenstein aus Rache wieder zum Leben erweckt hat, schwört es ihm, ihn so lange nicht in Frieden zu lassen, bis er ihm ein weibliches Gegenüber geschaffen hat. Frankenstein verweigert ihm trotz seines Lebensunmutes vehement diesen Wunsch. So ziehen die beiden Antagonisten in stiller Feindseligkeit von Ort zu Ort. Während Frankenstein in eine tiefe Depression fällt, macht das Monster die Feststellung, dass es die Gesellschaft Frankensteins paradoxerweise trotz gegenseitigen Hasses genießt, weil es jetzt nicht mehr an Einsamkeit leidet: „Still: my main motive of keeping Frankenstein alive was that of companionship: I dreaded being on my own again. I dreaded it more than anything else.” Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch Frankensteins gehen die beiden getrennte Wege, das Monster schwört Frankenstein aber, ihn stets zu verfolgen. Nach der Trennung leidet das Monster erneut an furchtbarer Einsamkeit und greift deshalb – wie im ersten Roman – auf Lektüre zurück. Dabei stößt es auf ein Buch, das sich mit der Wissenschaft des Klonens beschäftigt. Seit diesem Augenblick studiert er das Buch mit ähnlicher Leidenschaft wie einst Frankenstein - Tag und Nacht - weil er sich davon das Ende seiner Einsamkeit erhofft. Einziges Problem ist dabei nur, dass er jemanden braucht, der ihn klont; und wieder einmal steht das Monster vor dem Dilemma, wie es ihm gelingen könnte, sich den Menschen anzunähern, ohne von ihnen wegen seinem abstoßenden Äußeren von vorneherein abgestoßen zu werden.

Mit Mühe gelingt es ihm schließlich, Kontakt zu einer geklonten Arztfamilie in den Niederlanden aufzunehmen, die aber erst dann bereit ist, seinen Klonwunsch zu erfüllen, nachdem ihre Tochter Angela einen tödlichen Unfall erlitten hat und ihn bittet, sie als Gegenleistung wiederzubeleben. Das Monster lässt sich auf den Deal ein, auch wenn es die Berechnung durchschaut und sich dadurch tief gekränkt fühlt.

Parallel dazu zieht Frankenstein allein seines Weges und beginnt, Weiblichkeitsambitionen zu hegen. Je mehr er sich damit beschäftigt, umso mehr wächst in ihm die Sehnsucht, eine Frau zu sein, bis er schließlich einen Arzt aufsucht, der ihn zur Frau transformiert. Es ist derselbe Arzt, der das Monster geklont hat, was aber zunächst allen unbekannt ist. Während Angelas Wiederbelebung wird das Geheimnis durch kuriose Umstände gelüftet, woraufhin Frankenstein voller Panik und laut kreischend die Flucht ergreift. Das Monster verfolgt Frankenstein voller Rache, verliert aber irgendwann die Spur. Victor Frankenstein, nun „Victoria“, flieht nach Genf zum Grab ihres Vaters, um – wie einst die Mutter – ihrem Ehegatten zu begegnen, denn seit ihrer Geschlechtsumwandlung verspürt sie den verstärkten Wunsch nach einem Partner. Als sich das Grab plötzlich öffnet und das Monster in Erscheinung tritt, fechten die beiden über dem Sarg von Victorias Vater einen blutigen Kampf aus, in dem Victoria das Monster zu ermorden versucht. Schließlich kapitulieren beide vor Erschöpfung und das Monster verlässt Victoria mit der Drohung: “Remember, I will be with you on your wedding-night ... “Remember ... remember ... remember ... ”, the ancient tombstones answered in return. Then the graveyard fell silent again and not a single soul could be heard mourning any longer.”

Am nächsten Morgen erscheint dem Monster wie aus dem Nichts ein Wesen, das das Monster als seinen eigenen Klon identifiziert. Der Klon ist sehr zornig auf seinen „originator“, weil das Monster es – genau wie einst Frankenstein – ganz sich selbst überlassen hat und fordert nun seinen eigenen Tod. Das Monster verweigert ihm jedoch diesen Wunsch, was die Wut des Klons umso mehr steigert. Die Ereignisse überschlagen sich, als das geklonte Wesen plötzlich mit einem Klon seiner selbst aufkreuzt und zusammen mit diesem nun das Monster zu ermorden versucht. Das Monster bricht psychisch zusammen und stellt schockiert fest, dass ihm sein Klon und sein „Enkel-Klon“ weit überlegen sind, weil sich die Kapazitäten jeweils vervielfältigt haben. „Artificial multiplication. Multiplying the genetic potential a thousand and one times. One thousand and one unpredictable genes. … Which point had we reached? Overreached? Which limit transgressed? Transgression for transacted transcendence? Infinite transition of transmissions and transfers? How many more “trans” did we need to awaken from our transcendental trance?”

Das geklonte Monster, das übrigens geschlechtslos ist, erscheint nun regelmäßig bei seinem Klonvater und die beiden nehmen jeden Morgen ein gemeinsames Frühstück ein. Auch der geklonte Arztsohn stattet dem Monster plötzlich ohne Ankündigung einen Besuch ab, und das Monster ist vollkommen verwirrt, was hier eigentlich vor sich geht. “What was actually going on here? … What did they have in mind? And what role did I play in that opaque game?” Dann ordnet das geklonte Monster eines Tages an, das Monster solle seine eigene Geschichte aufschreiben. Nach anfänglichem Zögern beginnt das Monster mit wachsender Leidenschaft, sein Buch zu schreiben. “Once I had started writing my story I could hardly stop it. At times I would write day and night, my only break consisting in stuffing something between my teeth, and even the activity of chewing was accompanied by my frantic writing. My pencil flew over the white paper, only to be interrupted when it required sharpening, which, to my anger, happened all too fast and all too often. I had made a new friend. One who would never disappoint me. One who would never leave me. Never leave me alone.”

Synchron dazu erzählt das Meer und die Wogen transparent-chiffriert das Geschehen um Victoria weiter. Die widersprüchlichen Charakteristika der See von einerseits beruhigender und andererseits bedrohlicher Wirkung entsprechen der sich immer mehr verdichtenden Atmosphäre des Mysteriösen im Roman.

The sun had risen to its full height. It was no longer half seen and guessed at, from hints and gleams, as if a girl couched on her green-sea mattress tired her brows with water-globed jewels that sent lances of opal-tinted light falling and flashing in the uncertain air like the flanks of a dolphin leaping, or the flash of a falling blade. Now the sun burnt uncompromising, undeniable. It struck upon the hard sand, and the rocks became furnaces of red heat; it searched each pool and caught the minnow hiding in the cranny, and showed the rusty cartwheel, the white bone, or the boot without laces stuck, black as iron, in the sand.

Who am I? Living to be lived, making love to be made love. Love for performance. Love? Selfish love? A love-hate relationship? Where is the borderline? Is there any border? No other feeling creating more paradoxical feelings than a love-hate relationship. Tearing your soul apart. Tearing it apart into a thousand and one pieces. To hate for having loved. To love for having hated. Within that sea. Just as paradoxical. Large and endless, no limits, the very absence of limits building the of that and the at first inviting and exciting, but once they have got you they you, you, never to allow you to come up to the surface again.

That tension. That exhaustion. For having loved so much. For having hated so much. And then the great disaster. Losing control. Overreaching the limit. No longer being yourself. Not even presenting your lost identity. But turning into more than a nothing. Turning into a beast. No will, no scruples. Just instinct. Driven by hurt instinct. Pain has made me a beast.“

Höhepunkt und Romanende bilden der „Sturm auf das weiße Haus“, in dem das Monster schließlich seine mehrfach angekündigte Drohung wahr macht und Frankenstein vergewaltigt.
„Stopping abruptly, in front of room No. 1001, touching the doorknob, turning it, door closed, loud crash, door giving in, shadowy bulk rushing in, moving forward, ever forward, until reaching white bed, skinny figure under white linen, shadowy bulk falling over skinny figure ... “Now, there, I got you!” Screams, panic, gasps of horror, white bed stained with red spots, forming little creatures on white bed frame, serene ones and sad ones, some funny, others serious. Just like human creatures. Beside the bed frame a little pond, crimson and getting bigger, . A number of roses from the bedside table swimming in the pond, red roses and white roses, some of them forming little groups, others somewhat apart. Just like in real life. “I told you I’d be with you on your wedding-night!”

Another torrent of screams. Violence. Blood. The crimson pond turning into a sea. A red sea. “By faith the people passed through the Red Sea as on dry land; but when the Egyptians tried to do so, they were drowned.”
Hebrews 12, 13 Heavy breathing. Harsh movements. Up and down, up and down. Like the sea.


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