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Flaschendrehen Furioso

autor

Friedmann, John

gesamtwertung: 2/5

verlag

Droemer

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3426226111

976 x gelesen

genre

Belletristik

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 18.06.2012 von Michael Lehmann-Pape

Urlaubsentwicklungen

„Oh ja, das stell ich nachher ins Internet!“. „Und Heiko gefror sein Urwaldlachen zu einer panisch verzerrten Maske.“ Klick.

Und dabei taute Heiko gerade so langsam auf und gestattete sich den Gedanken, es mit Sandra so richtig krachen zu lassen. Wenn da nicht Tina, eine weitere seiner „unfreiwilligen Miturlauberinnen“ mit dem Fotoapparat dazwischen gefunkt hätte, als Heiko gerade für seine „Jane“ (Sara) den „Tarzan“ gab.

Leider, leider. Denn seinen Urlaub hatte er sich anders vorgestellt. Ein wunderbares Ferienhaus in Italien, mediterranes Leben pur mit seiner Sandra. Und nun das. Das Haus überbucht und lauter unsympathische Gestalten stehen mit dem Gepäck im Haus. Leute, denen er es schon im Stau am Brenner doch eigentlich gezeigt hat, wo es langgeht. Vor denen weichen? Nie. Dumm nur, dass die andere Seite genauso denkt. Und noch dümmer, dass die beiden kleinen Reisegruppen nicht die letzten Ankömmlinge im Haus sind. Ein weiteres Pärchen kann ebenfalls einen Mietvertrag vorweisen. Platz genug wäre ja, wenn die einander nicht alle so unsympathisch wären. Aber da keiner zu weichen gedenkt, richtet man sich mehr oder minder recht und schlecht gemeinsam im Haus ein. Natürlich eher gegeneinander denn Miteinander. Zunächst.
Doch dann kommt es zu jener denkwürdigen Runde des Flaschendrehens und die Beziehungen, die gemeinsamen Erlebnisse, die Entwicklungen nehmen einen ganz unverhofften Lauf.

Wenn der Erkan von „Erkan und Stefan“ (John Friedmann) ein Buch schreibt und die Grundidee eines solchen bei weitem keine neue ist und das alles zudem erkennbar zunächst als Komödie angelegt ist, dann könnte man vorweg vermuten, hier eine der üblichen Formen eher seichter Sommerunterhaltung vorliegen zu haben, vielleicht gewürzt mit ein wenig „krasser“ Sprache.

Ein Vorurteil, welches das Buch durchaus zu widerlegen weiß im Verlauf der Lektüre. Natürlich ist es mit Humor geschrieben (durchweg). Natürlich ergeben sich im Verlauf der Geschichte zunächst kaum vorstellbare Beziehungskonstellationen, vor allem aber zeigt John Friedmann, dass er einen präzisen Blick für die Auswüchse menschlicher Persönlichkeiten besitzt und aus diesem Blick heraus ebenso präzise seine Personen und deren gegen-, mit und aneinander wachsende Beziehungen zu beschreiben vermag. Denn innerlich gestrandet im Leben sind sie alle, auf den zweiten Blick, die sich da in Italien das Haus teilen.

Es bewahrheitet sich wieder einmal, bestens in Szene gesetzt von Friedmann, dass hinter (fast) jeder Fassade eine ernst zu nehmende, persönliche Geschichte zu finden ist. Durch die geschickte Auswahl exaltierter und gegensätzlicher Charaktere kann Friedmann genau diese Hintergründe „aus dem Vollen schöpfend“ mehr und mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rücken und so eine vielschichtige und differenzierte Darstellung der Personen und der Entwicklung derselben in den „Zufallsbeziehungen“ vor Ort inszenieren.

„Flaschendrehen Furioso“ ist eine sehr guter Unterhaltungsroman mit einiger Tiefe und treffender Situationskomik, der durchaus mehr zu bieten hat als den ein oder anderen Lacher.


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