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Hilf mir, Jacques Costeau

autor

Adamson, Gil

gesamtwertung: 2/5

verlag

C.Bertelsmann

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3570100723

478 x gelesen

genre

Belletristik

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 18.06.2012 von Michael Lehmann-Pape

Ein wunderbarer Roman über eine nicht einfache Familie

„Mein Vater hat viel Zeit im Keller verbrach und das Haus neu verkabelt. Es macht ihm Spaß, Dinge zu verändern, deshalb hat er die Glühbirnen an ganz andere Lichtschalter angeschlossen……… Seit letztem Jahr ist die Lampe im Bad ganz abgekoppelt, deshalb müssen wir alle im Dunkeln aufs Klo……. Meine Mutter leidet. Sie nimmt nachts immer den Hund mit. Sie spricht vom Klohäuschen, obwohl die Toilette doch im Haus ist“.

Und das ist nur eine der ausgesprochen merkwürdigen Marotten, die in der Familie der Protagonisten Hazel vorliegen. Und noch ein Experiment des Vaters mit eher harmlosen Folgen. Hier und da werden die Stromstöße schon stärker, die unvermittelt einen überkommen, wenn er wieder einmal an den Leitungen gebastelt hat.

Sei es zudem die Mutter mit ihrem ausgeprägtem Aberglauben, sei es das unvermittelte Kreischen von Hazels jüngerem Bruder, der möglichst schalldämpfend „weggesperrt“ wird dann, sei es die merkwürdigen „Wettkämpfe“, die Hazels Onkel zwischen seinen (immer weißen) Haustieren abhält. Völlig verständlich, dass die einzige, die „ganz bei Sinnen“ scheint in diesem Haus, Hazel, fast verzweifelt und in ihrem jugendlichen Alter alle Mühe hat, einen eigenen Standort in all dem Chaos zu Hause in Kanada zu finden. Hilfreich ist da oft fast alleine Jacques Costeau, auch wenn dieser wenig zur Konversation beitragen kann, denn Jacques ist ein Fisch, er unermüdlich seine Bahnen im Aquarium der Nachbarn zieht.

Helfen kann der Fisch natürlich nicht, vor allem, als es im Lauf der Zeit und Jahre ernst wird im Haus der Familie. In ruhigem, ironisch-humorvollem, immer aber sacht erzähltem Stil begleitet Gil Adams ihre Protagonisten nämlich durchaus auch später in den Ernst des Lebens hinein. Bei aller Situationskomik, bei aller Freude, die zu Anfang dennoch im Hause herrscht, die Krisen lauern schon und kommen allmählich zum Vorschein, führen auch zu Trennungen und einem noch stärker zu beobachten „wegdriften“ der Figuren in Fantasien und ihre je ganz eigene Welt hinein.

Eine Entwicklung, die Adamson ebenso lakonisch begleitet und beschreibt, wie sie in den besten Momenten des Romans jene andere, leicht „ver-rückte“ Welt hinter der Fassade der einzelnen Personen aufblitzen lässt. Allerdings, ein wenig zerfastert die Geschichte schon, gerade zum Ende hin.

Im Gesamten aber macht es Freude, bietet viele Momente zum stillen bis lauten Lachen und rührt an vielen Stellen durchaus an, dieses Buch zu lesen. Vor allem Hazel natürlich gewinnt die Herzen der Leser in ihrem ständigen Austarieren zwischen „den Fronten“. „Ich nehme einen heiklen Platz zwischen meinen Eltern ein… und frage mich, welch Zeitbombe, wer von meinen Eltern da eines Tages in mir zünden wird“. Wobei die „Bombe“ eher in Form eines Puddings explodieren wird, aber das sollte der Leser dann selber im Buch nachlesen.

In wunderbar bildreicher, lakonischer und ironischer Sprache legt Gil Adamson ganz besondere Personen mit ganz eigentümlichen Eigenarten vor Augen, denen sie wie mühelos in allen Stimmungsfacetten im Buch folgt. Trotz mancher „Verluste des roten Fadens“ und einem eher unbefriedigendem Ende eine in sich geschlossene und sprachlich hervorragende Lektüre.


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