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Allahs Töchter

autor

Gürsel, Nedim

gesamtwertung: 5/5

verlag

Suhrkamp

jahr

2012

1 bewertung

isbn

351842291X

451 x gelesen

genre

(Auto-)Biographie

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 05.06.2012 von Claudine Borries

Ausflug in die Religionsgeschichte des Islam.

Mit hohen Anforderungen an das Verständnis und den Wissensstand über den Islam sieht sich der/ die LeserIn dieses fordernden Romans von Nedim Gürsel konfrontiert. Sind es doch die Töchter Allahs Lat, Manat und Uzza die dem Propheten Mohammed und damit dem Monotheismus weichen mussten. In dem autobiographisch gefärbten Roman erfährt der kleine Nedim die mystisch anmutenden Geschichten von seinem Großvater. Dieser musste unter Atatürk im Ersten Weltkrieg an der Seite der Europäer gegen seine arabischen Glaubensbrüder um Medina kämpfen. Die ganzen Wirrnisse um die Entstehung des Staates "Türkei " nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs bilden einen bedeutsamen Teil der Geschichte. Hier kämpften im jenem Krieg die Türken mit den Deutschen gegen die Araber mit den Engländern um neue Vormachtstellungen. Dieser im Ersten Weltkrieg stattfindende Zerfall des osmanischen Reiches führte zu der heute noch vorhandenen Zersplitterung der nahöstlichen Staaten und der Gründung des Staates "Türkei" unter Atatürk.

Die Schwierigkeiten, dem Inhalt der Erzählung zu folgen, liegen in einer Diktion, die keine allgemeingültige Wahrheit zulässt. Einmal erzählen die Töchter Allahs, dann spricht der Großvater des Autors, dann wieder der kleine Nedim selbst. Die wechselnden Perspektiven führen zu einer von innen heraus entstehenden fiktionalen Erzählung über die Entstehungsgeschichte des Islam. Poetisch faszinierend auch an biblische Geschichten erinnernde Sentenzen zeigen die archaischen Strukturen vorreligiöser Zeiten. Mit der von Gott geforderten Opferung des Sohnes durch den Vater sowohl im Islam als auch im Christentum wird die bedingungslose Liebe und Hingabe an einen Gott eingefordert.

Im Wechsel der Zeiten wird die Geschichte erzählt und bietet vielfältige Möglichkeiten, den Ursprüngen des Monotheismus auf die Spur zu kommen. Ein ausgeprägtes Interesse an Religionsgeschichte ist Voraussetzung für das Werk, zu dem Kenntnisse aus den Bereichen verschiedener Religionen erforderlich sind.

Der Sprachreichtum ist beeindruckend, blumig und vermittelt orientalische Kultur und Lebensart. Barbara Yurtdas hat mit ihrer Übersetzung ofensichtlich den richtigen Ton gefunden.


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