Zurück zur Homepage

Otto der Große: Kaiser und Reich

autor

Becher, Matthias

gesamtwertung: 5/5

verlag

C.H.Beck

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3406630618

591 x gelesen

genre

Sachbuch

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 05.06.2012 von Michael Lehmann-Pape

Einiger des Reiches

Es war keine einfache Zeit, in der Otto der I. letztlich nach der Macht Griff, sich in diesem Kampf durchsetzte und im Folgenden das deutsche Reich in seiner damaligen Form einte, militärisch, aber auch als „Friedensfürst“ nach all diesen Kämpfen und Schlachten.

Zum 1100. Geburtstag des Kaisers legt Matthias Becher eine äußerst lebendig verfasste und durchaus breite Strömungen der Zeit aufnehmende Biographie des Nachfolgers Heinrich I. nun vor. Durchaus als gelungen zu bezeichnen sind hier zunächst die Beschreibungen der „Vorläufer“ der Herrschaft Ottos.
Wie war der Zustand in Deutschland? Was geschah, nachdem die Krone aus dem Geschlecht der Karolinger in das Liudoflinger wechselte und Heinrich I. seine Regentschaft antrat? Wie stellte sich die durchaus unklare und umkämpfte Situation der Nachfolge Heinrichs dar? Fragen, die Becher aufnimmt, ausführlich beantwortet und damit den Leser gut mit hinein nimmt in die vielfachen Strömungen, Intrigen, Machtspiele und Interessen zu jener Zeit, in der auch Otto nach der Krone griff.

Gepaart mit dem flüssigem Stil des Buches entsteht für den Leser ein lebendiges Bild der Zeiten und der handelnden Personen, das gut 30 Seiten starke Kapitel über die schwierigen Anfänge Ottos des Großen nötigt im Nachgang noch einmal und wiederum Respekt vor der Leistung Ottos ab, sich nicht nur in Person durchzusetzen bis auf den Herrscherthron, sondern aus dieser Ausgangslage heraus auch mit klaren Schritten, wo nötig harter Hand, immer aber mit dem Blick auf eine dauerhafte Einigung des Reiches gerade in und für Friedenszeiten seien Vision umgesetzt zu haben.

Bis dahin, dass „um 950 herum hatte Otto der Große alle Widerstände im Innern seines Reiches überwunden und eine regelrechte Familienherrschaft errichtet“. Zudem hatte Otto im Vorfeld für ihn logische Expansionsschritte nach Westfrankreich, Böhmen und Dänemark beschritten, so dass um 950 das Reich in bisher nicht gekannter Größe, Macht und Einheit stabil im Raum stand. Doch neue Spannungen im Inneren ließen nicht auf sich warten. Nicht alle der Familie waren mit Ottos Wahl seines Sohnes Liudolf als späteren Nachfolger auf den Thron einverstanden, innerer Streit der familiären Herrschaft entbrannte mehr und mehr. Neue Kämpfe in und gegen Italien traten hinzu, wirkliche Ruhe war Otto nicht beschert bis hin zu einem Aufstand (mit nachfolgender Versöhnung) Liudolfs gegen seinen Vater.

In seiner Gesamtwürdigung verweist Becher zum Ende hin zu Recht auf die maßgebliche Rolle, die Otto bei der Schaffung eines erstmalig „deutschen Reiches“ zukam. Ignoriert aber auch nicht die Wichtigkeit der Einigkeit der deutschen Fürsten, zu jener Zeit ein gemeinsames Oberhaupt anzuerkennen und so eine gemeinsame Stärke anzustreben. Auch wenn persönliche Interessen und Eitelkeiten immer wieder die fragile Verbindung in Gefahr brachten. Indem aber Otto grundlegend auf regionale „Beinamen verzichtete und den Titel des „Kaisers“ annahm, schuf er ins einer eigenen Person jene Klammer, die das Reich zunächst einte.

Flüssig, lebendig und äußerst detailliert verfolgt Becher den Lebensweg Ottos in seiner Zeit und führt die vielfachen handelnden Personen und deren Verbindungen untereinander geschickt ein in das Geflecht der politischen Lage Mitte des 9. Jahrhunderts. Mithin eine überaus gelungene Darstellung von Zeit und Leben Ottos des Großen.


Weitere Rezensionen finden Sie bei Amazon.


hier klicken, um dieses buch selbst zu rezensieren!

weitere rezensionen suchen buch ebenfalls rezensieren

Venedig: Die Biographie

Geschrieben am: 12.10.2011

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

570 Seiten pulsierendes Leben

Warum das Buch den Untertitel „Eine Biographie“ trägt (und nicht etwa eine schnöde „Stadtgeschichte“ darstellt), das ergibt sich aus zwei Elementen des Buches. Zum einen der Herangehensweise und dem Stil des Autors. Wie eben einem lebenden Wesen nähert sich Ackr ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere zufallsrezensionen

Handbuch Kognitionswissenschaft

Geschrieben am: 21.11.2013

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

Breite und fundierte Grundlage

Von den Ursprüngen der Kognitionswissenschaft bis zu den neueren Tendenzen, von den vielfachen Teildisziplinen über die Strukturen kognitiver Systeme hin zu einer sehr sorgfältigen und strukturierten Darstellung der kognitiven Leistungen reicht diese fundierte, ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere beliebte rezensionen

Buchtiere

Geschrieben am: 29.10.2014

Rezensent: Svanvithe

Dass es Leseratten und Leseeulen gibt, wusstet ihr sicher schon. Aber kennt ihr "Buchtiere"? Nein? Dann will ich sie euch hier mal vorstellen. Denn Waldemar Mandzel hat es geschafft, einige Buchtiere aufzuspüren. Was sie alle gemeinsam ist, dass sie sich ebenfalls gern mit Büchern beschäftigen. Ihr ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere neue rezensionen