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Schnitt

autor

Raabe, Marc

gesamtwertung: 2/5

verlag

Ullstein

jahr

2012

3 bewertungen

isbn

3548284353

574 x gelesen

genre

Thriller

kommentare (2)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 30.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Blutige Rache

Eine intensive Atmosphäre der Angst, die legt Marc Raabe vor allem im Prolog bereits vor. Bildkräftig und genau im richtigen Tempo lässt er den Leser den 11jährigen Gabriel in seinem Luke Skywalker Schlafanzug die dunkle Kellertreppe hinunter schleichen hin in die „geheimen“ Räume des Fotolabors seines Vaters. Während oben in der Küche der unberechenbare Vater in einen immer heftigeren Streit mit der Mutter ausbricht und im Kinderzimmer sein kleiner Bruder David eingeschlossen alleine verharrt.

Nur angedeutet wird, was Gabriel im Keller vorfindet, nicht aber den Ausgang dieser Szene. Vater und Mutter erschossen, das Haus abgebrannt, Gabriel, der seinen Bruder rettet, aber einen persönlichkeitsspaltenden Schub erleidet, in dem sich jener „Luke Skywalker“ ein stückweit in seinem Inneren verselbstständig und nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie Gabriel zum Einzelgänger werden lässt. Die genauen Ereignisse jener Nacht im Elternhaus sind durch eine traumatische Amnesie wie gelöscht.

29 Jahre später ist es Zeit für Rache. Und einige finden wieder zusammen. Gabriels schwangere Lebensgefährtin wird entführt von einem Mann, der darauf beharrt, das Gabriel schon weiß, wer er ist und was er ihm angetan hat. Ebenso nach 29 Jahren trifft Gabriel wieder auf seinen Bruder, der im gleichen Metier wie Gabriels Freundin Liz arbeitet und bald der einzige Mensch ist, dem Gabriel noch ein stückweit vertrauen kann. Sein ehemaliger Vormund, väterlicher Mentor und Chef verfolgt ganz eigene Wege und stellt sich eher gegen Gabriel, die Polizei verhaftet ihn aufgrund eines Mordverdachtes und Freunde in dem Sinne hat Gabriel nicht aufzuweisen.

Schritt für Schritt wird er in die Enge getrieben, immer unter dem Druck, sich erinnern zu müssen, irgendwie darauf zu kommen, woher er jenen grausamen Entführer und dessen Vorliebe für das aufschlitzen von Frauen her kennt. Die Zeit drängt, weitere Tote säumen seinen Weg, immer dichter gerät er in das Geflecht polizeilicher Ermittlungen und sich ins Nichts auflösender Spuren.

Nach starkem Anfang führt Marc Raabe seine Geschichte durchaus stringent und in gleichbleibend hohem Tempo fort. Ein stückweit hindert hier und da die zu einfache Bildsprache daran, als Leser noch tiefer in das Geschehen mit einbezogen zu werden, auch die ein oder andere Erläuterung zum Hintergrund der Figuren im Rahmen von Rückblicken hält hier und da mehr auf, als dass sie die Geschichte befördert. Sehr gut aber transportiert Raabe die Atmosphäre seiner Geschichte, die ständige Bedrohung und legt ebenso realistisch und überzeugend das innere seiner durchaus mehrdimensional angelegten Figuren vor Augen.

Nachdem nach einigen Seiten die grobe Richtung der Bedrohung und der Hintergründe der Geschichte klar werden, bietet Raabe anregende und spannende Thriller Unterhaltung. Zwar mit nur einigen überraschenden Wendungen, aber einer durchgängig gestalteten, spannenden und teils blutigen Atmosphäre.

Ein solider Thriller, getragen von überzeugenden Figuren (zumindest, was die Hauptpersonen angeht) und einem in die Vergangenheit reichenden, blutigen Geheimnis, dessen Auflösung der Leser durchaus mit entgegen fiebert.


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2 weitere Stimmen zum Buch

1

bewertung von KimVi:

Der elfjährige Gabriel weiß, dass er nichts im Labor seines Vater zu suchen hat. Doch als die Eltern streiten, scheint der Zeitpunkt günstig, endlich mal einen verbotenen Blick zu riskieren. Schritt für Schritt nähert er sich der sonst verschlossenen Tür im Keller des Hauses. Gabriel ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass diese Entscheidung sein ganzes Leben verändert wird. Denn das, was er im Keller sieht, ist so schrecklich, dass sein Gehirn die Erinnerung daran einfach löscht.

Fast dreißig Jahre später wird er sich den Schrecken der Vergangenheit stellen müssen. Denn sein mühsam aufgebautes Leben droht aus den Fugen zu geraten, als seine schwangere Freundin Liz in die Hände eines geheimnisvollen Psychopathen gerät. Ein spannendes Katz- und Mausspiel beginnt. Gabriel weiß, dass er es nur dann gewinnen kann, wenn die Erinnerungen zurückkehren....

|| Meine Meinung ||

In seinem Erstlingswerk versteht es Marc Raabe vom ersten Moment an Spannung aufzubauen. Denn im Prolog gewährt er einen kurzen Einblick in die schicksalhafte Nacht, in der der damals elfjährige Gabriel den Entschluss fasst, einen Blick in das verbotene Labor seines Vaters zu werfen. Man verfolgt gebannt, wie der Junge die Stufen hinabsteigt - doch was dann geschieht, bleibt lange im Dunkeln. Dadurch gelingt der Einstieg in den Thriller problemlos und das Interesse an der Handlung ist von Anfang an geweckt.

Nach dem spannenden Prolog folgt ein Zeitsprung, sodass man sich im Geschehen der Gegenwart, fast dreißig Jahre nach dem schicksalhaften Abend, wiederfindet. Dem Autor gelingt es mühelos, die aufgebaute Spannung zu halten und sie durch rasante Szenenwechsel und relativ kurze Kapitel, die an entscheidenden Stellen stoppen, noch zu steigern. Das aktuelle Geschehen wird im Präsens erzählt, dadurch hat man das Gefühl hautnah dabei zu sein und die Ereignisse genau zu beobachten. Rückblicke oder Erinnerungsfetzen heben sich durch die dort verwendete Vergangenheitsform von der aktuellen Erzählung ab.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Durch die detaillierten, aber keinesfalls ausufernden Beschreibungen, kann man sich Handlungsorte und Protagonisten lebhaft vorstellen. Dadurch kann man mühelos in die Handlung eintauchen und sich nur schwer vom Gelesenen lösen. Marc Raabes Hauptakteure überzeugen durch ihre Lebendigkeit. Sie haben Stärken, aber auch Schwächen und wirken dadurch menschlich. Man entwickelt Sympathien und spontane Abneigungen. Doch manchmal fällt es auch schwer, die Protagonisten einzuschätzen. Allerdings erhöht diese Ungewissheit den Spannungslevel enorm. Der Autor gibt die Hintergründe des Thrillers nur ganz langsam und häppchenweise preis. Überraschende Wendungen sorgen außerdem dafür, dass man bis kurz vor Schluss im Dunkeln tappt.

Mich konnte dieses Debüt durch eine spannende Handlung, rasante Szenenwechsel, lebendige Charaktere und eine kaum vorhersehbare Auflösung überzeugen. Ich vergebe deshalb begeisterte fünf Sterne und freue mich bereits jetzt auf weitere Bücher des Autors.

verfasst am 20.06.2012

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2

bewertung von anyways:

Was geschah in der Nacht des 13. Oktobers 1979, an deren Ende zwei schwer traumatisierte minderjährigen Waisen, vor den Leichen ihrer Eltern und dem abgebrannten Haus stehen?

29 Jahre später kann sich der Ältere, Gabriel, immer noch nicht an diese schreckliche Nacht erinnern. Er hat in den vergangen Jahren eine wahre Odyssee, vom Kinderheim über die geschlossene Psychiatrie, bis ihn sein jetziger Chef dort rausholt. Seit 20 Jahren arbeitet er nun für ein Sicherheitsunternehmen, das Alarmanlagen baut und wartet. Zu seinem jüngeren Bruder David hat er keinen Kontakt, nur ein Lichtblick gibt es seit ein paar Monaten. Durch Zufall lernt er die Journalistin Liz kennen und lieben. Diesem Glück steht nur etwas im Wege: Der Person, die über die Ereignisse von vor 29 Jahren genauestens Bescheid weiß, und er hat was dagegen. Die dramatischen Ereignisse beginnen mit einer Alarmauslösung in einer alten Villa und enden mit der Entführung von Liz. Gabriel muss sich seiner Vergangenheit stellen um Liz zu retten.

Warum geht eine junge, schwangere Frau nachts, ohne Begleitung, durch den nahegelegenen Stadtpark spazieren? Das war der erste kleine Wermutstropfen der mir auffiel, denn wie in einem Horrorfilm möchte man jetzt die Protagonistin warnen sich nicht allzu sicher zu fühlen. Trotzdem verfügt dieses Debüt, um gut gesetzte Spannungsbögen, interessante Wendungen, zwielichtige und vielschichtige Persönlichkeiten. Zwischendurch weiß man nicht wer Feind oder Freund ist. Wichtig ist auch, dass ein Thriller, trotz einiger Schwächen, zu fesseln vermag. Das schafft der Autor zweifelsohne. Eine Sache ist mir neben ein paar kleinen Ungereimtheiten i n der Story noch negativ aufgefallen: Der Autor ist permanent am Vergleichen. Ein bildhafter Schreibstil ist durchaus abwechslungsreich und lockert das Ganze auf, wenn ich aber Sätze wie diesen lese: „… als berste ein trockener Holzstamm.“ oder „Der Himmel kotzt sich aus“, tja dann finde ich die eher gesagt missglückt.

Fazit: Ein rasantes Thriller Debüt mit einer wirklich fesselnden Story und einigen wenigen Wiedersprüchlichkeiten.

verfasst am 04.11.2012

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