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Krieg der Sänger

autor

Löhr, Robert (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

Piper

jahr

2012

1 bewertung

isbn

349205451X

519 x gelesen

genre

Historische Romane

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 29.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Einer soll gewinnen und einer alles verlieren

Zu Anfang bereits geht es hoch her auf der Wartburg, auf der sich die bekanntesten und größten Lieddichter ihrer Zeit einfinden sollen zu einem „Sängerkrieg“. Noch ist es nur so, dass ein unschuldiges Pferd getötet wird (nachdem ein Finger verloren ging). Und auch wenn das nur eine kleine Nebenhandlung des Buches ist, auch wenn die arme Stute für gar nichts konnte, die Atmosphäre des Buches, die Rauhbeinigkeit, die Unbeherrschtheit der „Herren“ jener Zeit fängt Robert Löhr in dieser kleinen Szene bereits sehr gut ein. Und setzt mit diesem Geschehen auch eine „Duftnote“ für den zu erwartenden Umgang der „hohen Herren“ untereinander auf der Wartburg.

Denn es wird bei weitem nicht bei einem toten Pferd bleiben, auch der ein oder andere Mensch wird sein Leben aushauchen in diesen „Tagen des Gesangs“

Wie auch im weiteren beileibe kein einfacher, ästhetischer und von „Kollegialität“ geprägter „edler Wettstreit“ unter Sangesfürsten ausgetragen wird im Heim des Herren zu Thüringen im Jahre des Herren 1206.

Wolfram von Eschenbach, Dichter des Parzivals, Walther von der Vogelweide, Lobsänger des Fürsten, Heinrich von Ofterdingen, Dichter des Nibelungenliedes und ansonsten Spötter und Freigeist, Heinrich von Weißensee, der alte, blinde Reinmar und Biterolf, eher als „Nachwuchssänger“ zu bezeichnen finden sich auf der Wartburg ein. Gerufen vom Fürsten. Und der, der den „Sängerkrieg“ verliert, der soll zu dem auch sein Leben verlieren. Ein wahrlich motivierender „Preis“ für die Dichter und Sänger.

Die sich misstrauisch beäugen, ihre Animositäten einander gegenüber pflegen und bald schon verdeutlichen, dass hier noch mit ganz anderen Bandagen als mit denen der Laute gekämpft und agiert werden wird.

Temporeich und sachkundig erzählt Robert Löhr, gibt seinen Figuren „Fleisch und Blut“ und setzt den (wenigen) bekannten Fakten über die Personen der großen Dichter und Sänger authentisch wirkendes und in sich schlüssige fiktionales Material zur Seite. Die Verhältnisse jener Zeit, die Auseinandersetzungen um die deutsche Krone, in denen sich der Thüringer Fürst fast aufgerieben hat geben zudem einen weiteren Rahmen dieses überzeugendes Romans ab.

Wenn auch die Spannungskurve nicht immer gleichermaßen hoch gehalten wird, einige Längen im mittleren Teil des Buches und damit ein wenig Leerlauf zu bemerken sind,
fundiert im Wissen um die Zeit, überzeugend in den Personen und deren Haltungen und Beweggründe, mit einer kleinen, aber feinen Rahmenhandlung, in der Martin Luther eine tragende Rolle einige hundert Jahre nach dem Sängerstreit spielt, gelingt Robert Löhr ein sehr unterhaltsamer und angenehm zu lesender historischer Roman über ein anderes Ereignis des Mittelalters als die sattsam bekannten kriegerischen Heldenfiguren anderer Romane.


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