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Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten

autor

Neubacher, Alexander

gesamtwertung: 2/5

verlag

dva

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3421045496

308 x gelesen

genre

Sachbuch

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 25.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Weltrettung?

Seit Jahrzehnten ließ man es sich einbläuen. Energiesparen, Umweltschutz, Wasser abschalten beim Zähneputzen, Fahrrad statt Auto.... und das alles nicht in erster Linie, um den eigenen Geldbeutel zu schonen, sondern quasi „um die Welt zu retten“.

Unbestritten, bei aller Auseinandersetzung der Fachleute, Veränderungen sind beobachtbar, der Planet ächzt unter der Last der Menschen, Handlungsänderungen wären nötig in fast jeder Hinsicht, von Monokulturen über Ölabhängigkeit, vom C02 Ausstoß bis zum hemmungslosen Roden von Wäldern und der stetig steigenden Weltbevölkerung. Handlungsänderungen sind nötig. Auf einem ganz anderen Blatt aber steht, wieweit das individuelle Verhalten im Haushalt, von der Energiesparlampe bis zur Mülltrennung mitsamt dem Einsparen von Wasser wirklich seinen Teil zur Schonung des Planenten hinzufügt. Oder eher schadet.
Und dies ist das Thema des (flüssig, humorvoll und zudem genau beobachtend) vorgelegten Buches von Alexander Neubacher.

Ein Buch zur passenden Zeit. Denn gerade in den vergangenen Wochen und Monaten wurde informativ und breit auf all das hingewiesen, was eben auch die Folgen des durchstrukturierten „individuellen Umweltschutzes“ sind. Das die alte Glühbirne ausdienen musste für neue, teurere Energiesparlampen, die allerdings mit solchen Schadstoffen „gefüllt“ sind, dass ihre Entsorgung eigentlich jeden Energiegewinn und Nutzen wieder verliert. Das gesamte Rohrsystem und die Kanalisation sind auf eine bestimme Grundmenge an Wasserdurchlauf angelegt. Bleibt dieser aus, werden tausende von Litern Wasser „nachgespült“. Wo ist der Gewinn?

So passt der gewählte Untertitel des Buches wie die Faust aufs Auge:
„Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten“.

Er selbst übrigens auch, denn natürlich nimmt er das Rad zum Brötchenhalten und natürlichen sind die Toiletten seines Hauses mit Wasserstopptasten ausgestattet und ebenso natürlich liegt dem Spiegel Mitarbeiter Alexander Neubacher an der Umwelt. Gerade daher ist es ja durchaus bedenkenswert und in Teilen auch beeindruckend, dass hier jemand mit Irrtümern und Folgen auch des eigenen Verhaltens aufräumt, die in Teilen mehr Schaden anrichten, als dass sie der Umwelt Nutzen erbringen. In durchaus flüssigem Stil legt Neubacher Seite für Seite Bedenkenswertes vor. Dass Wasserwerfer gegen Demonstranten in Stuttgart durchaus legitim sind, aber der seltene Juchtenkäfer auf dem Gelände des neuen Bahnhofes umgehend für einen Baustopp sorgte ist nur eine der kaum nachvollziehbaren Merkwürdigkeiten der deutschen Umweltpolitik.

Das Buch zeigt eklatante Beispiele auf, wie in bester Absicht die Umwelt nachhaltig geschädigt wird. Weder wird die verheerende Umweltbilanz von Biolebensmitteln ausgespart noch die „klimakillende“ Funktion von Biosprit. Neubacher nimmt die Unweltpolitik durchaus überzeugend argumentiert ins Visier. „Wir tun nicht zu wenig, um die Welt zu retten, sondern in übertriebenem Eifer vom Falschen zuviel“.
Das Buch bildet einen deutlichen Appell gegen „Symbolpolitik“ und „Aktionismus“ und will vor allem einem besonnenen, nachhaltigen und überlegten Wandel eine Lanze brechen. Dies gelingt Neubacher auf sehr informative und gut lesbare Weise, auch wenn er kein „anderes“ Programm im Einzelnen vorlegt.


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