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Der sixtinische Himmel

autor

Morell, Leon

gesamtwertung: 5/5

verlag

Scherz

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3502102244

699 x gelesen

genre

Historische Romane

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 22.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Farbenprächtige Historie

Schon als kleines Kind bewundert Aurelio, der Bauernjunge, die Kunst der Bildhauerei und lernt gar Michelangelo kennen, dessen Ruhm als Bildhauer sich Ende des 15. Jahrhunderts gerade begründete.

Einige Jahre später überschlagen sich die Ereignisse zunächst. Nach dem Tod des Vaters erlebt Aurelio, nun ein sehr attraktiver junger Mann von „klassischer Schönheit“ den Überfall von marodierenden Söldnern auf den Hof seiner Eltern. Seine Mutter wird brutal geschändet und getötet. In Übereinkunft mit seinem Bruder verlässt Aurelio den Hof mit dem Ziel, bei Michelangelo in Rom in die Lehre zu gehen (wovon allerdings jener Michelangelo noch nichts weiß).

Schon der Weg nach Rom wird zum Abenteuer. Farbenprächtig schildert Morell die Landschaften und Straßen, die Wirtshäuser und Menschen, denen Aurelio begegnet, Selbst in den Kleinigkeiten lässt Morell dabei den Leser bis zu die Gerüchen in den Schlafkammern hin eine lebendige Atmosphäre entstehen, die ein plastisches Bild der Ereignisse und Personen in den Raum zu setzen vermag. Saurer Weinatem, Schweiß, Urin, gebratenes Fleisch, Pilger und Söldner, Aristokraten und Krüppel, ein buntes Gemisch an Menschen ist es, welches den römischen Alltag zu jener Zeit bevölkerte. Eine immer dichter werdende Menge, je weiter Aurelio sich Rom nähert. Auch eine Frau trifft er auf diesem Weg, ihrem Mann „entflohen“, die ebenfalls Rom als Ziel ihrer Wünsche anstrebt, die als Kurtisane ihren Teil vom freien Leben sich zu nehmen gedenkt. Eine Frau, der Aurelio sehr nahe kommt, bis sich bei der Ankunft in Rom (aber nur zunächst) ihre Wege trennen.

Michelangelo aber findet durchaus Gefallen am junge Aurelio, eher aber an dessen äußerer Gestalt als an dessen bildhauerischer Ausbildung. Dies liegt gegenwärtig auch eher fern, denn die sixtinische Kapelle steht nun im Mittelpunkt seines Denkens.

Dies alles ist erst der Anfang dieses umfangreichen, historischen Romanes, in dem die handelnden Personen ausführlich und durchaus differenziert vorgestellt werden, in dem die Möglichkeiten der weiteren Entwicklung angelegt werden. Vielfach werden von da an die Wege der Protagonisten sein, vielfach die Wendungen zueinander hin und voneinander weg. Und das alles auf der Blaupause des regen römischen Lebens jener Zeit, der Verflechtung von Adel und Kurie, der Dekadenz der Oberschicht samt Geistlichkeit und der einfachen Leute, darauf zu achten, auf ihrem Weg durch all dies hindurch nicht unter die Räder zu kommen.

Wie erwähnt gelingt Morell ein sehr plastischer, sehr gut beschreibender Stil. Sei es die Stadt Rom selbst seien es die Gewänder, die Personen, die Intrigen, die verschiedenen Seiten der Persönlichkeiten (gerade Michelangelos, aber auch der anderen Protagonisten), Morell entwickelt durchaus Tempo, Spannung, Atmosphäre und nimmt mit seinen hervorragenden und ausführlichen Beschreibungen den Leser mitten mit hinein in diese Welt Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom und Italien.

Anders als es der Klappentext formuliert, bietet der Roman wesentlich mehr als nur ein sich Drehen um Michelangelo und bildet eine intensive und interessante Lektüre über das gesamte Umfeld, innerhalb dessen Michelangelo sein Meisterwerk in der sixtinischen Kapelle erschafft. Zudem ist das Buch sehr schön gestaltet mit einem ausfaltbaren Schutzumschlag und seiner Darstellung der Vorskizze der Decke der sixtinischen Kapelle.


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