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Der König der Diamanten

autor

Tolkien, Simon

gesamtwertung: 1.5/5

verlag

Klett-Cotta

jahr

2012

1 bewertung

isbn

360893961X

468 x gelesen

genre

Krimi

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 21.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Klassischer Kriminalroman

Nicht die Action, nicht Serienmörder, nicht unbedingt atemlosen Spannungssequenzen sind es, die Simon Tolkien, der Enkel von J.R.R. Tolkien, sich zum erkennbaren Markenzeichen erhoben hat, sondern der ruhige Erzählfluss, die sorgfältige Gestaltung seiner Figuren und die Betrachtung eines „Falles“ von allen Seiten her gestalten auch diesen, seinen neuen Kriminalroman, zu einer durchaus erfreulichen Lektüre.

„Oxford ist eine schöne Stadt. Aber wie jede Stadt hat sie auch eine unschöne Seite, eine Schattenseite“.
Der sich Tolkien ausführlich zuwendet. Eine Schattenseite, die Katya mehrfach erlebt hat und gerade wieder erlebt. Zwei Jahre zuvor wurde ihr Geliebter Ethan getötet, ein anderer ihrer damaligen Verehrer, David Swain, wurde für diese Tat verurteilt. Und nun findet sich Katya im Hause ihres Onkels wieder mit noch einigen anderen Verwandten. Verhältnisse, in denen einiges nicht stimmt, denn Katya wird wie eine Gefangene gehalten und unter starken Medikamenten ruhig gestellt. Warum? Was hat sie getan? Welche Rolle spielen ihr Onkel Titus und die anderen Verwandten? Katya selbst wird wenig Gelegenheit noch haben, auf diese Fragen eine Antwort zu geben, denn sie wird tot aufgefunden.

Gerade zu dem Zeitpunkt, als besagter ehemaliger Verehrer und vermeintlicher Mörder Ethans, David Swain, aus der Haft entkommen ist. Für die meisten der ermittelnden Beamten und die Familie ist die Lage völlig klar, David hat Katya aus Eifersucht und Rache getötet.

Wenn da nicht Inspektor Trave wäre. Ehemaliger Ehemann von Vanessa, der neuen Frau an Titus Seite. Polizist. Einer, der nicht locker lässt, wenn er erst einmal eine Fährte aufgenommen hat. Der schon bei der Verhandlung gegen Swain seine Zweifel daran hatte, ob dieser wirklich ein Mörder ist. Und bald schon sind ihm der Diamantenhändler Titus, dessen Schwager Franz Claes und die anderen Mitglieder der Familie äußerst suspekt.
Zu Recht im Übrigen, wie der Leser schon vor Trave ahnt. Tolkien gibt im Ablauf seiner Geschichte dem Leser jeweils einen leichten Wissensvorsprung vor dem ermittelnden Inspektor. Dennoch vermag er durchaus, in den Ablauf der Ermittlungen hier und da überraschende Wendungen mit einzustreuen, so dass auch der Leser sich der Dinge, die im Hintergrund wirken, nicht allzu sicher sein kann.

Vor allem aber lässt Tolkien sich Zeit und führt die handelnden Personen breit und differenziert ein. Wie überhaupt die Zeit, die er für seine Geschichte wählt, die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in England, noch eine ganz andere kannten, als es heutzutage der Fall ist.

Abstecher in die Vergangenheit der Personen, detaillierte Beschreibungen des Äußeren, wo es nötig ist, Schritt für Schritt führt Tolkien den Leser mit hohem Sprachschatz in diese Welt der dunklen Machenschaften und Personen ein. In manchen Teilen des Romans ein wenig zu langatmig und detailverliebt vielleicht, ein wenig mehr an Tempo hätte hier und da dem Roman gut zu Gesichte gestanden ohne die Atmosphäre zu stören.

Insgesamt aber ein intelligent konzipierter Kriminalroman der alten Schule, in dem die Auflösung des Falles und die beteiligten Personen im ruhigen Erzähltempo im Mittelpunkt stehen und Tolkien hohen Wert auf ein gesamtes und breites Bild der Ereignisse legt. Eine etwas andere, entspannende, sprachliche wunderbare Lektüre inmitten der Vielzahl von temporeichen und teils massiv Gewalt darstellenden Thrillern der Gegenwart.


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