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Hoppe

autor

Hoppe, Felicitas

gesamtwertung: 5/5

verlag

S. Fischer

jahr

2012

1 bewertung

isbn

310032451X

428 x gelesen

genre

Belletristik

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 16.05.2012 von Claudine Borries

Abenteuer, Verwirrspiel und Groteske!

Reichlich verwirrt beginnt man mit der Lektüre des als "Traumbiographie" ausgegebenen Buches von Felicitas Hoppe.
Erst der Literaturkritiker Denis Scheck im Gespräch mit der Autorin führt auf die richtige Spur: ja, Felicitas Hoppe hat im Wechsel mit eigenem Erleben eine Biographie geschrieben, die sie sich zurecht fantasiert. Das, "was man sich wünschen würde", bildet den Tenor, mit dem einen die Autorin überrascht. Herausgekommen ist eine witzige, etwas abstruse Geschichte, in der immerfort Reales mit Fantastischem vermengt wird. So ist Hoppe, wie sie sich in diesem Roman nennt, die biographische Figur, die mit ihrem als "Entführervater" bezeichneten Erzeuger in Kanada lebt. Geboren wurde sie in Hameln. Der "Rattenfänger von Hameln" mischt deshalb auch kräftig in den Geschichten mit!

Wahrheit und Fiktion sind kaum auseinander zu halten.

In Kanada schwankt Felicitas, wie sie sich auch wahlweise nennt, zwischen der Laufbahn einer Eishockeyspielerin oder einer etwas unbegabten Pianistin. In fiktiven Briefen schreibt sie an ihre vier Geschwister nach Deutschland und erzählt von ihrem Leben, fragt aber auch nach den Eltern in Deutschland. Der "Entführervater" in ihrem Fantasieleben beschäftigt sich mit Patenten. Die beiden sehen sich selten und verkehren in beidseitigem Einvernehmen mit Zetteln. Der Vater will nur wissen, wo seine Tochter ist. Im übrigen kann sie tun und lassen,was sie will. Es ist der Wunschtraum eines jeden Kindes!

Mit vom Vater genähten Kleidern und einem ebenso fabrizierten Rucksack aus kariertem Stoff läuft sie durch die Gegend und macht ihre skurrilen Lebenserfahrungen. Sie ist zu Beginn ihrer kuriosen Biographie ungefähr zehn Jahre alt.

Unterbrochen wird die routinierte Zweisamkeit, als sich die Lehrerin von Hoppe, Lucy Bell, in den Vater verliebt und die traute Zweisamkeit mit ungehörigen Aktivitäten wie Kochen und Hefte korrigieren stört.

Von Kanada geht es eines Tages per Schiff nach Australien, was immer der "Entführervater" sich davon verspricht. Hier reift Hoppe heran, schlägt sich weiter tapfer durch und lebt ihr ungestörter Individualleben.

Vater und Tochter gehören zur Sorte der menschlichen Eigenbrötler. Sie bleiben gerne unabhängig und wollen in Ruhe gelassen werden! Doch auch diese Haltung ist ambivalent.

Das Buch bietet eine Vielzahl von Einzelgeschichten, in denen Hoppe die jeweilige Hauptfigur ist. Ingesamt bekommt man den Eindruck eines aufsässigen Mädchens, das zwischen der Sehnsucht nach Anlehnung und der trotzigen Suche nach Einsamkeit pendelt. Könnte man gelegentlich den Eindruck eines Schelmenromans bekommen, so täuscht das. In Wirklichkeit bilden unerwartete Abschiede verbunden mit einer stetig wechselnden Wurzellosigkeit die Grundierung zu einer Geschichte, in der alles möglich und unmöglich ist.

Etwas störend sind die vielen Gedanken in Klammern, die während des Erzählens als zusätzliche Einfälle in die Geschichte eingeschoben werden. So bleibt der Eindruck einer vor fantastischen Einfällen nur so übersprudelnden Erzählerin. Felicitas Hoppe erweist sich in ihrem Roman als einfallsreiche und intelligente Berichterstatterin, die sich unabhängig und ein wenig traurig zeigt, weil nichts im Leben von Dauer zu sein scheint. Ist es so, dass alleine fantastische Geschichten dem Dasein eine ungefähre Ahnung von Glück und Sicherheit zu bieten vermögen?


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