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Mademoiselle singt den Blues: Mein Leben

autor

Kaas, Patricia

gesamtwertung: 5/5

verlag

C.Bertelsmann

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3570580334

544 x gelesen

genre

(Auto-)Biographie

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 07.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Hinter der Fassade

„Ein Künstlerleben. Das erträumte sie sich für mich. „Ich will, dass Du große wirst“, sagte sie zu mir. Und so bin ich unablässig gewachsen“.

„Sie“, das ist die Mutter, die stets unterstützte und die seit 23 Jahren nun tot ist. Einen Jahrestag, den Patricia Kaas jedes Jahr begeht. Eine enge Bindung, die gerade zu Anfang der Karriere Kaas enorm antrieb, damit die Mutter noch erleben konnte, dass ihre Tochter es schaffen würde.

Aber, und das machen bereits die ersten Sätze dieser atmosphärisch dichten Autobiographie deutlich, ein unablässiges Wachsen, dass seinen Preis hatte und noch fordert von einer Frau, einer Person, die im Eigentlichen nicht laut ist, die im Leben nicht nach außen drängt. All dies geschah nur auf der Bühne und so ist dieses Buch auch ein Schritt in der eigenen, persönlichen Entwicklung der Patricia Kaas. Eine Funktion des Buches, die durchaus hinter den Zeilen präsent und spürbar ist.

„Mit Abstand betrachtet habe ich über meine Verhältnisse gelebt. Unfähig zur Wirklichkeit. Ich habe viel gesungen, aber nicht gesprochen. Es ist nicht meine Art, große Worte zu machen“.

Eine Art, die ihr auch im Buch erhalten bleibt, denn „große“ Worte macht sie nicht, aber viele leise, persönliche Töne, mit denen sie nun spricht und eben nicht auf der Bühne ihre Kunst präsentiert, sondern sich selbst nachgeht. Von der Kindheit an am „Kohleherd“ über vielfältige Stationen einer erfolgreichen, äußeren Karriere und einer doch auch inneren Entwicklung, wie man am Buch ablesen kann.

Im Kapitel, das sie „Lebensstil“ nennt, spricht Kaas von dem Preis, den es sie gekostet hat durchaus auch trotz Kopfschmerzen, Liebeskummer, einer äußerst schmerzhaften Wunde am Fuß oder gar mit einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule gesungen, aufgetreten, getanzt zu haben. Befindlichkeiten innerer und äußerer Natur, die dem Besucher der jeweiligen Konzerte nicht aufgefallen sind. Erst hier nun öffnet Kaas sich für einen „Blick hinter die Fassade“ und fasziniert durchaus auch als Persönlichkeit in ihrer Sensibilität und der Reflektion all der Ereignisse ihrer Karriere. Momente auch tiefer, persönlicher Entscheidungen. Offen spricht Kaas über ihre Abtreibungen im Buch, distanziert in der Emotion und dennoch lassen ihre Worte ahnen, das auch dies ein hoher Preis war, den sie für ihre Karriere, für ihr „so sein“, zahlte.

Und auch in anderen privaten Bereichen gilt dies. „Männer sind in mein Leben getreten, aber sie haben selten einen Platz darin behalten“. Wunderbare Formulierungen gelingen Kass im Buch, die hängen bleiben und tief blicken lassen.

Patricia Kaas gibt einen Einblick. Einen persönlichen Einblick der leisen Töne und doch der intensiven Art. Eine große Künstlerin einerseits, ein Arbeitstier und ein Mädchen, eine sensible Person auf der anderen Seite, die durchaus sieht und benennen kann, an was es ihr noch mangelt und was der Preis für all den Erfolg war. Das Buch ist eine sehr empfehlenswerte, anrührende und schöne Lektüre.


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