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Was du liebst, gehört dir nicht

autor

Doughty, Louise

gesamtwertung: 2/5

verlag

C. Bertelsmann

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3570100545

524 x gelesen

genre

Thriller

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 03.05.2012 von Michael Lehmann-Pape

Eine innere Auflösung

Da war nichts. „Nur eine eigentümliche Leere, während ich zu dem Messerblock ging, der neben der Küchenspüle steht“.

Bis aber Laura zu diesem Messerblock geht und sich dem Leser die Frage stellt, was genau als nächstes passieren wird (denn viele Möglichkeiten blieben noch offen an diesem Punkt zum Ende der Geschichte hin und massive Überraschungen erwarten den Leser noch), wird der Leser Zeuge einer inneren Auflösung einer Person.

Ein Gesamtprozess im Übrigen, und dies arbeitet Louise Doughty in ihrem neuen Roman ganz hervorragend heraus, vom Anfang bis zum Ende des Buches, der nicht erst mit dem schrecklichen Unfalltod der kleinen Tochter Lauras beginnt (und auch nicht mit diesem Geschehe endet). Wurzeln einer inneren Entgleisung, eines „nicht ganz bei sich seins“, die schon vorher im Leben durchaus zu spüren waren. Ein Leben, welches im Buch in Rückblenden ebenso erzählt wird, wie das Zerfasern der Person Lauras in der Gegenwart.

„Was Du liebst ist sterblich. Was Du liebst, gehört Dir nicht“.

Laura, die nie eine war, bei der es „einfach“ ging. Eine einvernehmliche Scheidung von ihrem David, dem Vater ihrer beiden Kinder? Nie!
Dreckig wurde und war es und das passt ins Bild, dass sich der Leser allmählich an der Hand Doughtys von dieser nie ganz in sich selbst ruhenden Frau im Lauf der Geschichte macht. Keine böswillige Entwicklung, im Übrigen. Auch dies ist eine große Stärke des Buches, die Unausweichlichkeit der Ereignisse im Leben Lauras intensiv in den Fokus zu rücken. Die dahinsiechende Mutter, die eigentlich von Laura nicht wirklich gewünschte Berufsorientierung zur Krankenschwester hin, David, der ehemalige Mann, der selbst seine Merkwürdigkeiten in sich trägt.

Und Laura, die selbst zu ihrem anderem Kind Rees keinen wirklichen Zugang mehr findet, die nur mehr ganz in ihrer Trauer um Betty sich verliert. Die mehr und mehr im Lauf der Geschichte von dem konkreten Unfallhergang erfährt. Vom Fahrer des Geländewagens mit dem Kuhfänger am Kühlergrill. Und dann, später noch, erfährt, dass noch ein Kind beteiligt war. Vielleicht sogar ursächlich? Wer genau ist schuld? Was genau ist passiert? Allein diese Fragen treiben die Frau zunehmend um. Und was dann tun? Da kommt dann wieder der Messerblock ins Spiel, ohne dass der Leser vorhersehen könnte, was genau folgen wird.

Intensiv in der Atmosphäre, allein aus Lauras „Innensicht“ geschildert, nimmt Louise Doughty den Weg der Ereignisse auf. Mit immer klaren, manchmal allerdings zu einfacher Sprache, lässt sie keinen Zweifel daran aufkommen, was in Laura vor sicht geht, schildert minutiös, schmerzhaft, die innere Zerfaserung, die zunehmende Aggression auf die Welt um sie herum. Eine zunehmende innere Eskalation, die für beständige Spannung im Buch sorgt.

Auch wenn hier und da gerade die eher einfache Sprache der Autorin eine wünschenswerte noch höhere Intensität, ein noch stärkeres Akzentuieren der Emotionen hinter einer zu einfachen Bildsprache zurückbleiben lässt, das hohe Tempo, die intensive innere Beteiligung des Lesers und eine ebenso mitnehmende Geschichte machen dieses Buch zu seiner sehr guten Lektüre.


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