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Sarg niemals nie

autor

Wells, Dan (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

Piper

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3492268838

387 x gelesen

genre

Lustiges

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 02.05.2012 von Florian Hilleberg

England, 1817
Frederick Withers hat einen genialen Plan. Nachdem der reiche Geschäftsmann Harry Beard gestorben ist und keine Angehörigen hinterlassen hat, die das beträchtliche Vermögen in Anspruch nehmen könnten, beschließt der Bankangestellte mit Hilfe gefälschter Papiere als Oliver Beard das Erbe anzutreten. Behilflich ist ihm dabei die Nichte des Bankiers Gwendolyn. Zu Übungszwecken fälscht Frederick einige unbedeutende Papiere, doch der Betrug fliegt auf und er wird ins Gefängnis geworfen. Dort stirbt sein Zellengenosse, der Blutige Toby, bald an der Schwindsucht. Als der Totengräber Gustav den Leichnam wegschaffen will, bietet ihm Frederick ein beträchtliches Sümmchen aus der Erbschaft an, die er immer noch anzutreten gedenkt. Dazu muss Gustav ihn nur in einem Sarg aus dem Gefängnis bringen. Der Totengräber erklärt sich tatsächlich dazu bereit. Doch als Frederick auf dem Friedhof von Bath aus dem Sarg steigt bemerkt er, dass sein grandioser Plan einige eklatante Schönheitsfehler aufweist, denn plötzlich stehen ihm fünf schwarzgekleidete Gestalten mit langen Eckzähnen gegenüber und preisen ihn als den Erhabenen. Sämtliche Versuche dieses Missverständnis aus der Welt zu räumen scheitern und so bleibt Frederick nur die Flucht nach London. In der Kutsche lernt er den verwahrlosten Apotheker und verhinderten Dichter John Keats kennen, der ihn fortan auf seinem Weg begleitet. Die Londoner Bank, für dessen Filiale Frederick in Bath gearbeitet hat, und die das Erbe des verstorbenen Harry Beard vertritt, verlangt dessen Leiche zu sehen. Doch als sie beim hiesigen Bestattungsunternehmen vorsprechen ist der Tote bereits verschwunden. In dessen Sarg liegt lediglich ein Haufen Erde. Offenbar hat der Ghul von Bath, der dort seit Längerem sein Unwesen treibt, die Leiche gestohlen und den Sarg mit Erde gefüllt. Frederick und John bleibt nichts anderes übrig, als nach Bath zurückzukehren und den Ghul zu suchen, der die Leiche hat, die Frederick von dem Vermögen Harry Beards trennt. Doch da gibt es noch ein paar kleine Probleme, denn die Vampire, die Frederick für ihren Erhabenen halten, haben seine Spur bis nach London verfolgt, ebenso wie ein Geheimagent seiner Majestät, Inspector Herrington, seines Zeichens professioneller Vampirjäger. Darüber hinaus mehren sich die Hinweise auf den echten Erhabenen, einen mächtigen Blutsauger, der alles andere als erbaut darüber sein dürfte, dass jemand seinen Titel in Anspruch nimmt.

Nach der Trilogie um den Serienkiller John Cleaver und dem Dark Fantasy-Thriller „Du stirbst zuerst“ ist der vorliegende Roman bereits das fünfte Buch des jungen Schriftstellers Dan Wells. Mit „Sarg niemals nie“ ist dem überzeugten Mormonen ein urkomischer und gleichermaßen unterhaltsamer Vampirroman gelungen, der sich deutlich von seinen ersten Werken unterscheidet. Humorvoll und augenzwinkernd sind alle seine Texte, doch stand der satirische Anteil nie im Vordergrund der Geschichten. Das ist in diesem Fall anders, und bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass Wells ein überaus humorvoller Mensch ist, dem es im Blut liegt die Leser nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Lachen zu reizen. Die Gags sind glänzend pointiert und folgen im Sekundentakt. Die Geschichte wird aus der Sicht des Kleinganoven und Bankangestellten Frederick Withers erzählt, dessen Plan das große Geld zu machen gründlich in die Hose geht. Alles was schief gehen kann, geht natürlich auch schief und Dan Wells überzeugt nicht nur mit amüsanten Dialogen voller Wortwitz, sondern auch mit einer guten Portion Situationskomik. Darüber hinaus macht er aufs Schamloseste Gebrauch von der dichterischen Freiheit indem er schriftstellerische Größen des beginnenden neunzehnten Jahrhunderts zu Protagonisten seiner Geschichte macht. So wurden Mary Shelley und John Keats sicherlich noch nie charakterisiert, und es ist einfach herrlich erfrischend zu lesen wie die beiden, gemeinsam mit Frederick Withers, von einem Fettnäpfchen ins andere treten. Die Sprache entspricht zwar nicht immer unbedingt den Gepflogenheiten der damaligen Zeit, lässt sich dafür aber sehr flott und flüssig lesen. Inspector Herrington schließlich ist der Prototyp des fanatischen Vampirjägers, der stur seiner Überzeugung folgt, selbst wenn sämtliche Fakten gegen seine vorgefertigte Meinung sprechen. Die Vampire sind dabei fast nur schmückendes Beiwerk und können dem Leser fast leidtun. Die eigentlichen Blutsauger befinden sich allerdings auch in diesem Roman eigentlich ganz woanders. Ein überaus kurzweiliger und amüsanter Vampirroman, dessen Plot sich wohltuend von Wells bisherigen Werken abhebt.

Der „rough cut“ genannte Rauschnitt des Buches ist mittlerweile zum Markenzeichen für die Romane von Dan Wells geworden. Das Paperback aus dem Piper-Verlag liegt außerdem gut in der Hand, besitzt einen gefälligen Satzspiegel und hat eine angenehme Schriftgröße. Das Papier ist hochwertig und sehr stabil. Ideal auch als Urlaubslektüre.

Fazit:
Herrlich schräg und wundervoll absurd. Eine grandiose Satire über eine vermurkste Erbschaft, eigenwillige Dichtkunst und blutrünstige Vampire. Saukomisch und höchst unterhaltsam.


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