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Die Frau im gepunkteten Kleid

autor

Bainbrigde, Beryl

gesamtwertung: 1.5/5

verlag

dva

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3421045372

214 x gelesen

genre

Belletristik

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 30.04.2012 von Michael Lehmann-Pape

Eine merkwürdige Suche im Amerika in den 60ern

Wer genau jener ominöse Dr. Wheeler ist, was vor allem er mit Harold und Rose, der „Wheeler Frau aus England“ zu schaffen hat, das gilt es tatsächlich als ein Detail von vielen in diesem Buch zu entdecken.

Irgendeine offene Rechung steht im Raum, so weit ist alles klar, als Harold in seinem alten Campingbus am Flughafen auf das Eintreffen von Rose, der Engländerin wartet. Der Frau, mit dem gepunkteten Kleid im Gepäck, die sich auf die Suche nach Dr. Wheeler begibt.

Ein äußerst ungleiches Paar, dass sich da auf die Reise quer durch die USA begibt, immer vagen Spuren hinterher. Einer USA, die durchaus auch eine Hauptrolle in diesem Buch spielen wird. Ein Land zwischen Kampf, Bürgerkrieg, Vietnamkrieg, aber auch Hoffnung. Ein Land voller Morde an Bürgerrechtlern, an getöteten Soldaten in Vietnam, an merkwürdigen Gestalten, in dem sich der Bruder John F. Kennedys anschickt, Präsident zu werden. Eine der letzten Politikergestalten, die einen aufrechten Ruf noch genießen.

Robert Kennedy, der auch mit Dr. Wheeler zu tun hat, wie sich später herausstellen wird.

Bis dahin aber begleitet der Leser, geführt vom trockenen, knappen Stil der Autorin, Harold und Rose auf ihrer Fahrt. Erlebt mit, dass Rose von Körperpflege wenig hält, an sich eher ein schlichtestes Gemüt in sich trägt und Harold kaum die Lippen auseinanderbekommt und außer einer düsteren kaum eine Wirkung entfaltet. Fast muss man die Fantasie abschalten, als es zum Sex zwischen beiden kommt, denn die Vorstellung, was da an mechanischem Getue, Gerüchen und innerer Distanz aufeinander prallt, ist fast schmerzlich. Eine Emotion, die Bainbridge ebenso lakonisch wie im Rest des Buches durchaus treffend auf den Punkt bringt. Die schonungslose Begleitung ihrer Protagonisten und das Offenlegen der vielfachen inneren und äußere Leere in und um diese, das ist die eigentliche Stärke dieses Romans.

Eine Szene, die einen der vielen, kleinen Wendepunkte im Buch und vor allem im Verhältnis der beiden darstellt (wie auch die Rasur Harolds späterhin, durch die er bei Rose dramatisch an Autorität verliert). Befreit fast wirkt Rose von einem unausgesprochenen Erwartungsdruck, den sie wohl generell im Leben in der Nähe von Männern verspürt, bis eben diese sich an ihr „gütlich“ getan haben. Bis zum Ende aber wird Harold nicht in ähnlicher Weise lockerer werden. Das und seine Pistole, die er besitzt, machen ihn aus und lassen ahnen, dass er an den Ereignissen am Ende des Buches maßgeblich beteiligt sein wird.

„Sie verließen Santa Ana und Harold ärgerte sich über seine Unfähigkeit, sich auszudrücken“. Aber hartnäckig ist er, der Mann mit der schwierigen Vergangenheit. Nichts weiter hat die beiden Protagonisten von Beginn an und bis zum Ende des Buches verbunden als die Suche nach Wheeler, einander wirklich näher kommen sie sich trotz der räumlichen Verbundenheit nicht. Eine Suche, die im Buch sich nicht wirklich klar auflösen wird, die mit Assoziationen, Fantasien vom Leser beendet werden muss, ein Ende, das daher durchaus auch als ein wenig unbefriedigend benannt werden kann.

Die genaue Zeichnung der Personen ist der eigentliche Reiz des Buches, nicht aber eine in sich logische und mit Anfang Ende versehene Geschichte. Viele Fragen bleiben offen und lassen unbefriedigt zurück, trotz des interessanten Stils und der genau dargestellten Handlungsweisen der Personen.


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