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Ich gebe die Hoffnung niemals auf: Hundert Jahre Weisheit aus dem Leben von Alice Herz-Sommer

autor

Stoessinger, Caroline

gesamtwertung: 5/5

verlag

Knaus

jahr

2012

1 bewertung

isbn

3813504808

607 x gelesen

genre

(Auto-)Biographie

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 11.04.2012 von Michael Lehmann-Pape

Berührender und eindrucksvoller Erfahrungsschatz

Nicht nur Jopi Heesters ist ein Musiker und Entertainer, der ein durchaus biblisches Alter erricht hatte, auch die Pianistin Alice Herz-Sommer feierte noch ihren 108 Geburtstag, mit einem allerdings ganz unterschiedlichen Lebensweg im Vergleich zu Heesters und einem, wie nun nachzulesen ist, intensiven innerem Entwicklungsweg. Erfahrungen, die sich zu einer Lebenshaltung verdichteten, Erfahrungen noch aus der Kindheit („Was Kinder in ihrem Elternhaus lernen, bleibt ihnen ein Leben lang“), aus ihrer Karriere als Pianistin, Erfahrungen aber auch in dramatischen und furchtbaren Formen zu Zeiten des dritten Reiches. Alice Herz-Sommer ist eine Überlebende des Holocaust.

Eine Lebensreise wird hier von Caroline Stoessinger zu Papier gebracht, die einen immensen Erfahrungsreichtum aufweist und diese Erfahrungen durchaus reflektiert zu formulieren versteht. In Künstlerkreisen mit „erwachsen“ geworden, Kafka, Mahler, Freud und viele andere säumten die jungen Erwachsenenjahre von Alice Herz-Sommer, international über Ländergrenzen hinweg „die Welt gesehen“ (und erfahren) und Jahrzehnte der Zeiten selbst, des Fortschritts, der Rückschritte, der Entwicklungen, all dies liegt am Wegesrand dieser Lebensreise.

Dunkelste Stunden, die dennoch eine ungebrochene, mutige Persönlichkeit formten, eine, die sich immer und überall dem Leben (wieder) zuwendete. Das ist viel an Stoff, viel an Erkenntnis, viel an Erfahrungen, die in einfachen Worten und sehr verständlich, in Teilen sehr berührend und sensibel, im Buch wiedergegeben werden.

„Was macht den Menschen aus? Inder Gemeinschaft und als Individuum“? Das schält sich als Leitfrage dieses langen Lebens heraus, eine Leitfrage, die darauf beruht und eigentlich auch darin endet, dass Alice Herz-Sommer sagt: „Ich gebe die Hoffnung niemals auf“. Und die darin dem Leser, dem Zuhörer, ein tiefes Beispiel für ein immer wieder angehendes und letztlich auch immer wieder gelingendes Leben zu geben vermag.

Wie das gehen kann, trotz tiefer, persönlicher Verluste, Verbitterung und Rachsucht gegenüber den Verursachern des persönlichen Leides zu vermeiden. Wie das gehen kann, auch in anders gelagerten persönlichen Krisen und Rückschlägen immer wieder unerschütterlich „nach vorne zu schauen“ und der Welt in jedem Alter optimistisch, einfach frisch zu begegnen, davon kündet Alice Herz-Sommer völlig unprätentiös und in klaren Erkenntnissen. Wobei natürlich nebenbei das Buch auch eine Form „kleiner Biographie“ darstellt und beileibe nicht nur aus gewichtigen Sentenzen besteht. Schwerpunkt des Buches aber sind die thematisch geordneten, tiefen Gedanken der 108jährigen. Aus denen heraus deutlich wird, dass „Angst kapitulieren lässt, Mut aber eine Chance gibt“. Oder das zu einer gelingenden Partnerschaft und Ehe vielmehr eine „Haltung“ wichtig ist, eine „Haltung des Respekts“, als ein ständiges Horchen auf emotionale Schwankungen. Berührend ihre „Regel“ für das Überleben im Konzentrationslager. „Lachen war unsere einzige Medizin“. Und das trotz (oder gerade wegen) der ständiger Sorge um ihren Sohn Rafi.

Ob es wirklich so einfach ist, dass, „wenn man Menschen mag, mögen sein einen auch“? zumindest Alice Herz-Sommer nimmt das nach der Lektüre dieses in der Tiefe ermutigenden und dem Leben zugewandten Buches ab. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre einer Labenskraft, die auch für das Leben in der Gegenwart einen zeitlosen Gewinn in sich trägt.


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