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Anatomie einer Affäre

autor

Enright, Anne (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

DVA

jahr

2011

2 bewertungen

isbn

3421045402

2670 x gelesen

genre

Belletristik

kommentare (1)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 14.12.2011 von Claudine Borries

Tücken der Liebe und des Zusammenlebens.

Die irische Autorin Anne Enright hat schon mit ihrem Roman
„Familientreffen“ gezeigt, dass sie sich auf die tiefsten Gefühle des Menschen versteht.
Hier beweist sie ihr psychologisches Feingefühl erneut mit der Liebesaffäre eines ungleichen Paares.

Gina und Sean sind mehr oder weniger zufrieden, eher unzufrieden, mit ihren Ehepartnern, als sie sich auf einer Gartenparty verlieben und sogleich eine besessene Sexaffäre beginnen. Beruflich in der gleichen Firma beschäftigt sehen sie sich täglich. Gina brennt vor Verlangen nach Sean, während er die ganze Geschichte eher cool angeht. Im normalen Berufsalltag merkt man ihnen nichts an, doch sie nutzen jede Gelegenheit, um ihre Sexbesessenheit auszuleben. Jeder Ort und jede Stunde scheinen ihnen recht dafür.
Im ersten Kapitel aber ist schon klar, dass Seans Tochter Evie die Hauptakteurin in diesem Stück einer Familientragödie sein könnte.
Sie entdeckt die beiden Ehebrecher Gina und Sean, als sie sich zum ersten Mal küssten.

In wechselnden Szenen erlebt man Gina zuerst mit ihrem Freund Conor, den sie bald heiraten wird. Sean ist sehr viel älter und wirkt ausnehmend verführerisch, so dass Gina seinem Charme und seiner Verführungskunst erliegt. Spät erst merkt sie, dass sie nicht die einzige Liebe seines Lebens ist. Aber da haben sich beide schon von ihren Ehepartnern getrennt und versuchen ein Zusammenleben, das nicht gelingen kann. Evie mit ihren Allüren und psychischen Krankheiten hat alle und besonders ihren Vater voll im Griff. Sie bleibt die ungekrönte Königin: ein zwölfjähriges Kind, das alle durchschaut und ihrem Frust freien Lauf lässt.

Von 2002 bis 2007 reicht die Geschichte und in ihr erlebt man Familienleben mit allen ihren Tücken und Gemeinheiten, wie sie auch im wirklichen Leben zu finden sind. Mütter, Ehemänner, Schwestern,--sie alle sind nicht gerade in großer Liebe vereint, denn jeder denkt nur an sein eigenes Wohlergehen. Am Ende bleiben alle auf der Strecke und einmal mehr zeigt sich, dass „Unrecht Gut nicht gedeihen kann“. Und Anne Enright zeigt auch einmal mehr ihr Talent, den Alltag, die Langeweile und die Sehnsüchte der Menschen zu artikulieren. Insofern stimmt der Titel der „Anatomie einer Affäre“, da sie jedes Detail im zwischenmenschlichen Miteinander unter die Lupe nimmt und der ganz gewöhnliche Alltag zuletzt alle Leidenschaften hinter sich lassen muss.


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1 weitere Stimme zum Buch

1

bewertung von Michael Lehmann-Pape:

Mit hohem Preis für alle Beteiligten

Kein Donnerhall lässt zunächst zwischen Gina und Sean erkennen, wohin ihr kurzes Kennenlernen einmal führen wird. Führen wird in dieser ganz normalen, bürgerlichen, irischen Welt der Geschwisterbesuche, der Familie, der Ehen mit Kindern, der Karrieren, die gerade gemacht werden. Und doch wird sich, Jahre später, aus dieser ersten Begegnung, eine intensive Leidenschaft entwickeln. Dass Ginas Mann Connor dort bereits innere Geschichte ist und Seans Frau Aileen, nun, die stellte nie eine wirkliche Gefahr in Form einer echten Persönlichkeit dar, zumindest nicht in Ginas Augen.

Denn das ist durchaus eine der Auffälligkeiten an der Hauptperson des Romans, die als Ich-Erzählerin die Geschichte durch ihre Augen erzählt. Genau und ständig bewertend betrachtet sie ihre Mitmenschen, ihre Geschwister, die Nachkömmlinge, die Angeheirateten. Ein von Beginn an unterschwelliger Zug, fast unangenehm zu nennen, offenbart dieser ständige Fluss der Gedanken über die anderen doch eine tiefe Egozentrik, ein solch reines auf sich Bezogen sein, welches späterhin auch den ein oder anderen leidenschaftlichen Kuss im Hause des Mannes Sean einschließt. Vor den Augen dessen Tochter Evie und während Aileen, Seans Frau, im Erdgeschoß des Hauses zu Gange ist.

Eine Egozentrik, die sich schon auf den ersten Seiten andeutet, in denen Gina von ihrer Ehe mit Connor erzählt. Leidenschaftlich ebenso, Sex in allen Varianten, bis, ja bis eben dort ein wenig der Alltag einkehrt, das „Besondere“ nachlässt und, am Ende der Strecke, Connor fast als eine persona non grata, als einen „Irrtum“ erscheinen lässt. So einfach macht es sich jene Gina manchmal. Rein nach dem gerade vorherrschenden Gefühl sich auszurichten.

Eine Unfertigkeit und Unberechenbarkeit, die einfach nur ihre Wege geht und sich nicht von „vernünftigen“ Gedanken abhalten lässt, all dies geradezu mit Gewalt ausklammert und an den (Bett-) Rand schiebt. Dinge, um die Gina übrigens sehr genau weiß, die ihr eine Distanz zum Geschehen, aber auch zu sich selbst ermöglichen, die ihr zeigen, dass hier nichts ganz anders, ganz neues passiert, aber eben ihr passiert.

Das dies schwierig werden wird, davon kündet Anne Enright in ihrem sprachlich ganz hervorragend vorliegenden Roman, in dem sie nicht nur die „Anatomie einer Affäre“ vor Augen führt, sondern bis ins Kleinste hinein auch alle beteiligten Personen „seziert“. Mal lapidar, nur durch Nebensätze oder das Einfangen von Stimmungen, mal ausführlich und gründlich rückt sie die Persönlichkeiten vor die Augen des Lesers.

Vor allem aber zeigt Anne Enright in ihrer eigentlich doch alltäglichen Geschichte existentielle Tiefen des Lebens auf. Dies vollzieht sich vor allem in der Darstellung und der Entwicklung der Beziehung Seans zu seiner Tochter Evie und in der parallelen Aufarbeitung der Beziehung zu ihrer eigenen Mutter durch Gina. Seite für Seite wird klarer, dass es Tiefen an Beziehungen gibt, denen die kurze Lust, der leidenschaftliche Moment, nicht dauerhaft etwas entgegen zu setzen hat. Auch wenn am Ende des Buches nicht jeder der Beteiligten bereit ist, daraus die offenkundigen Schlüsse zu ziehen.

Eine zwar alltägliche und gar nicht einmal sonderlich spannende Geschichte, in erster Linie aber eine treffende Betrachtung der modernen „Liebeswelt“ und, vor allem, der inneren Schwankungen des modernen Menschen. Eine empfehlenswerte „Lebens- und Liebesstudie“.

verfasst am 13.06.2012

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