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Die Finkler-Frage

autor

Jacobson, Howard (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 5/5

verlag

Deutsche Verlagsanstalt

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3421045232

2359 x gelesen

genre

Thriller

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 13.12.2011 von Claudine Borries

Ein Männertrio und Glaubensfragen....

Was hat es denn nun mit der Judenfrage - und Zugehörigkeit auf sich?

In einer langen Abhandlung versucht Howard Jacobson eine Antwort darauf zu finden. Er berichtet von den Schattierungen einer Religionszugehörigkeit, die vielen Menschen Leid und anderen Glück zu bringen scheint.

Mit Witz und Humor und leiser Selbstironie erscheint der Hauptakteur in Gestalt des Nichtjuden Julian Treslove, der so recht im Leben nicht auf die Beine kommen kann. Gescheitert als Redakteur der BBC und gescheitert als Vater seiner Söhne stellt er sich den großen Fragen des Lebens: Glaube, Glück, Liebe und Familienleben.

Er ist etwa 50 Jahre alt und erlebt im Zusammensein mit seinen beiden jüdischen Freunden Libor und Sam Aussagen über jüdisches Leben, die ihn faszinieren und fragt sich, ob nicht auch er sein Glück als Jude finden könnte. Melancholisch und mit einer Neigung zur Tragödie scheint er der Verlierer des Trios zu sein.
Nach einem Überfall durch eine Frau, die ihn vermeintlich
“Jud“ beschimpft hat, lässt ihn die Frage nach seiner Identität überhaupt nicht mehr los.

Seine zwei Freunde sind Witwer. Libor, der aus Tschechien stammt und sehr alt ist, und Sam Finkler, sein ehemaliger Schulfreund, bieten genügend Möglichkeiten, sich in Gesprächen über das Leben, die Liebe, den Glauben, die Misere des Alltags und das Glück auszulassen. Libor und Sam beklagen den Tod ihrer Frauen, denn offensichtlich ging es ihnen gut in ihren Ehen. Treslove hingegen hat es noch nie länger mit einer Frau ausgehalten. Bei seiner Suche nach einer glücklicheren Identität gelingen ihm tiefe Einblicke in die Geflogenheiten jüdischen Lebens. Das Für und Wider des Judentums, seiner Rituale, Feiern und Gebräuche bestimmen weitgehend die Handlung dieses fulminanten Romans. Dass Julian am Ende eine warmherzige Jüdin zu Freundin hat, die ihm gelegentlich den Kopf zurecht setzt, bietet neuerdings vielfältige Möglichkeiten, jüdischen Humor und jüdisches Denken kennen zu lernen.

Hintergründig und launig, komisch und melancholisch sind die wechselnden Stimmungen, mit denen wir in dem Roman von Howard Jacobson konfrontiert werden.
Sex, Frauen und das Judentum bewegen die drei Protagonisten bei ihren zahlreichen Gesprächen. Ein wenig Neid und Eifersucht sind die pikanten Zutaten, mit denen uns der Autor zu höchsten Unterhaltungsfreuden führt.

Die Geschichte ist mit trockenem Humor abgehandelt und bietet vielschichtige Facetten des menschlichen Miteinanders. Begleitet werden die Ausführungen von Auswüchsen, wie man sie im anbiedernden Philosemitismus findet. In dieser ehrlichen und bei aller Komik auch ernsten Abhandlung darf der Hinweis auf typische antisemitische Handlungen nicht fehlen, die in fast dialektischer Art und Weise aufgezeigt werden.

Einmal mehr lernt man mit diesem Roman einen herausragenden großen englischsprachigen Erzähler kennen, der,1942 in Manchester/ England geboren, zu lange auf sein Entdeckwerden warten musste. Howard Jacobson kann sich durchaus mit Autoren wie Jonathan Franzen, Philipp Roth und Jonathan S. Foer, der ihn neu entdeckt hat, und vielen anderen mehr messen.


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