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Ein Herz so kalt

autor

Thorarinsson, Arni

gesamtwertung: 2/5

verlag

Droemer

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3426198630

656 x gelesen

genre

Krimi

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 19.10.2011 von Michael Lehmann-Pape

Isländische Lebensart und Mord

Wie Einar, sein Alter Ego im Buch, ist Arni Thorarinsson Journalist mit Zeitungserfahrung, was man dem Buch durchaus anmerkt. Durchaus erhält der Leser Einblick in den ganz alltäglichen „Zeitungsstress“ samt dahinterliegendem Gerangel um Posten und Einfluss.

Ebenso, wie Thorarinsson mit Herz und Seele Isländer ist und auch darin den Leser bestens mit „auf die Reise“ zu nehmen verseht in ein detailliertes Lokalkolorit, in Feiern und Feste, in den Umgang des „gemeinen“ Isländers mit Alkohol und anderen leiblichen Freuden.

Frisch und lebendig schreibt Thoraronsson, leger, aber nicht flapsig, was vor allem den ausführlichen und breit angelegten Dialogen im Buch zugute kommt. „Rau, aber herzlich“ ist der Umgangston, ironisch und dennoch verbunden das Beziehungsgeflecht im Buch und ausgefeilt die Dialoge, welche die Geschichte im eigentlichen Sinne voranbringen.

Allerdings, obwohl auf dem Deckblatt das Wort „Kriminalroman“ prangt, ganz so einfach ist das Buch diesem Genre nicht zuzuordnen. Bestenfalls in der zweiten Hälfte des Buches nimmt der Roman Fahrt in Richtung eines Kriminalromans auf, auch wenn der erste Mord bereits relativ zu Anfang der Geschichte im Raume steht. Zu sehr auf Nebengleisen aber liegt dieser Mord im Buch vor, fast so, als wäre das Geschehen um das tote, junge Mädchen in diesem merkwürdigen Haus zunächst nur der Aufhänger und leicht im Hintergrund mitlaufende rote Faden für eine ausführliche und breite Darstellung eben des isländischen Lebensstils und der persönlichen Verhältnisse des Einar im Blick auf seine Tochter, sein (ehemaliges) Problem mit Alkohol und sein darniederliegendes Liebesleben (ebenso, wie den lockeren, teils grenzwertigen, teils die Grenzen überschreitenden Umgang mancher Einheimischer mit der Sexualität, gerade auf Volksfesten in der Provinz). Ein Thema, was sich im Übrigen als eines der tragenden in der Geschichte herausstellen wird.

Einar hat sich aus Reykjavik zurückgezogen und lebt nun als „Außenstellenreporter“ des „Abendblattes“ in Akureyi, tief im Norden Islands und eigentlich ein ganz ruhiger Flecken. Wäre da nicht einerseits der Einfall eines amerikanischen Filmteams samt „Sternchen“ und andererseits der Mord an einem jungen Mädchen in einem als „Geisterhaus“ bezeichneten Haus. Ein Haus, ein Mord , auf den Einar durch eine „Hellseherin“, Viktoria, per Telefon aufmerksam gemacht wird. Ganz langsam, aber durchaus stetig, gerät Einar tiefer in diesen merkwürdigen Mord hinein. Ohne Indizien, ohne Spuren, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was das Motiv des Mordes sein könnte (wie ebenso der Leser bis weit in das letzte Drittel des Buches hinein sich beständig fragt, worum es da eigentlich geht).

Erst zum Ende des Buches hinein verwebt Thorarinsson geschickt viele lose Fäden im Buch und lässt den Nebel um all das Geschehen sich lichten. Nicht ohne seinen Protagonisten Einar im Übrigen noch schnell nebenbei in einer Entzugsklinik auch die eigene Person tief in den Blick nehmen zu lassen.

Leger, frisch, lebendig geschrieben bietet Thorarinsson in seinem neuen Buch eine ausgefeilte Geschichte und intensiv vor Augen gelegte Charaktere, die durchaus anregend und flüssig zu lesen ist. Die klassischen Elemente eines Kriminalromans im Sinne von einer gewissen Spannung, gefahrvoller (und ebenso gefahrvoll geschilderten) Momenten und einer ausgefeilten „Mördersuche“ aber tritt in diesem Buch über weite Strecken deutlich nach hinten. Wer Spannung pur sucht, der wird vom Buch nicht unbedingt begeistert sein. Wer einen schönen Stil zu schützen weiß und eine sich langsam entfaltende Geschichte, in der es an allen Ecken „menschelt“, der wird auf seine Kosten kommen.


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