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Blutige Stille

autor

Castillo, Linda (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

Fischer Taschenbuch Verlag

jahr

2011

5 bewertungen

isbn

3596184517

1446 x gelesen

genre

Thriller

kommentare (4)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 28.07.2011 von antjemue

Keine beschauliche Stille in Painters Mill

Im vorigen Jahr durfte ich den ersten Thriller der amerikanischen Autorin Linda Castillo um die amisch aufgewachsene und später ausgestoßene Polizeichefin Kate Burkholder vorablesen. Ich war begeistert. Die Mischung aus typisch amerikanischem Thriller und den vielen Informationen über das Leben der Amischen faszinierte mich. Kürzlich erschien der Folgeband mit dem vielversprechenden Titel „Blutige Stille“. Obwohl ich eigentlich erst einmal meinen SuB abbauen sollte, konnte ich dieser Neuerscheinung nicht widerstehen.

Der Klappentext:

„Sie töteten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden.
Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt. Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painters Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?
Spannungsgeladen und aufregend: Auch der zweite Thriller mit Polizeichefin Kate Burkholder ist Nervenkitzel pur. Ein Thriller, der Gänsehaut garantiert!“

versprach nervenaufreibenden Thrill und die im Netz vorab veröffentlichte Leseprobe (auf fischerverlage.de ) untermauerte dies. Kurz nach Erscheinen kaufte ich mir das Buch und nun ist es auch schon wieder ausgelesen.

Nichts für schwache Nerven

Gleich zu Beginn des Buches werde ich von der Autorin an den wirklich grausigen Mordschauplatz geführt. Wie bereits in „Die Zahlen der Toten“ kommt einer der Officer aus Painters Mill – diesmal Skid – während einer eher langweiligen nächtlichen Streife durch Zufall zu einem fürchterlichen Tatort. Die Opfer: sieben Mitglieder der amischen Familie Plank, darunter sogar ein Baby, die ein gottesfürchtiges und bescheidenes Leben auf ihrer recht einsam gelegenen Farm führten und offensichtlich nie einer Fliege etwas zu leide getan haben.

Die Beschreibungen über den Zustand der Opfer zum Zeitpunkt des Auffindens sind sehr detailliert und erzeugten in mir als Leser pures Entsetzen, aber auch den dringenden Wunsch sofort weiter zu lesen, um zu erfahren warum diese Familie so gnadenlos ausgelöscht wurde und wer so etwas Menschenunwürdiges tut.

Das sind auch die großen Fragen, vor denen die mitten in der Nacht noch zum Tatort gerufene Polizeichefin Kate Burkholder nun steht. Doch auf den ersten Blick sind keine verwertbaren Spuren vorhanden, die auf die Fährte des oder der Täter führen könnten. Aufklärung verspricht erst das später von Kate gefundene Tagebuch, der am schlimmsten zugerichteten jüngeren Tochter der Planks - Mary. (Hier ist im Klappentext übrigens ein kleiner Fehler.)

Eine große Hilfe bei den Ermittlungen ist Kate auch in „Blutige Stille“ wieder der mir auch schon aus „Die Zahlen der Toten“ bekannte Agent John Tomassetti. Dieser hat zwar eigentlich genug eigene Probleme, doch kommt hier wieder das Sprichwort zum Tragen: „Wo die Liebe hinfällt…“. Obwohl sich beide noch nicht offiziell zueinander bekannt haben, spürt man als Leser ihre Verbundenheit und weiß, dass zwischen den beiden wesentlich mehr läuft, als die von ihnen bereits im ersten Teil begonnene und eigentlich ungewollte Affäre.

Gerade die Erkenntnisse aus der Obduktion Marys und die von Kate gelesenen (und für mich als Leser kursiv gedruckten) Tagebucheintragungen, nehmen sie persönlich jedoch noch viel mehr mit, als man es eigentlich in ihrer Position erwarten würde. Natürlich haben auch mich die Tagebucheinträge sehr mitgenommen, musste man doch mitlesen, wie sich ein junges naives und unschuldiges Mädchen, im Glauben an die große Liebe unweigerlich auf eine Katastrophe zubewegt, deren Ende bereits bekannt ist. Ihr passieren dabei Dinge die überaus abscheulich sind und man kann nichts, aber auch gar nichts tun, um das aufzuhalten. Doch Kates Reaktionen darauf sind teilweise noch um einiges heftiger und - für mich als Leser – trotz diverser Andeutungen ihrerseits, lange Zeit auch nicht immer ganz nachvollziehbar. Was verbindet sie also so ganz besonders mit diesem Mädchen?

Die bis jetzt genannten Inhalte – ich möchte der dem Buch geneigten Leserschaft zuliebe keine weiteren Details verraten – und die Ermittlungen (mit allen falschen Spuren und Fortschritten) sind die Dinge, die die Spannung erzeugen und den Leser an die Handlung und die Protagonisten binden. Teils klischeehaft – problembehaftete Ermittler, die unter großen Schwierigkeiten den Weg zueinander suchen – aber letztendlich auch etwas, was ich bei einem typisch amerikanischen Thriller erwarte und auch lesen will. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft, die Sprache ist einfach, manchmal passend direkt, aber an keiner Stelle vulgär. Den Wechsel der Perspektiven (Erzählperspektive und für Kate ICH) kannte ich ja bereits aus dem vorigen Buch. Auch diesmal war das für mich überhaupt nicht störend.

Was dieses Buch (wie auch den Vorgängerteil) aber in meinen Augen zu etwas Besonderem macht, sind die vielen Informationen, die ich, wie nebenbei und sehr glaubhaft, über das Leben der Amischen erhalte. So werden z. B. bei jungen Menschen, die sich in der Pubertät befinden, leichte Verstöße gegen die Lebensgewohnheiten der Amischen nicht bzw. nicht zu streng geahndet. Sie nennen diese Zeit „Rumspringa“. Für die jungen Menschen ist das aber auch die Zeit, nach der sie die Entscheidung treffen müssen, ob sie weiter der Gemeinde angehören möchten, sich taufen lassen und in Zukunft streng nach den Gesetzen der Glaubensgemeinschaft leben oder nicht. Das Nicht bedeutet dann aber nicht nur Ausschluss aus der Gemeinschaft, sondern meist gleichzeitig auch den Verlust des Kontaktes zur eigenen Familie.

Hintergrundinfos

Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft, deren Hauptaugenmerkt auf Famile, Gemeinschaft, Gottesfürchtigkeit und Abgeschiedenheit von der Außenwelt liegt. Ihr Leben ist stark mit der Landwirtschaft verwurzelt. Technischer Fortschritt wird von den meisten Amischen abgelehnt. Neuerungen werden nur nach sehr sorgfältiger Überlegung akzeptiert.

Zum Großteil stammen die Mitglieder von Südwestdeutschen bzw. Deutschschweizern ab und sprechen untereinander überwiegend Pennsylvaniadeutsch. Die Wurzeln liegen in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas. Sie spaltete sich 1693 von der Gruppe der Mennoniten ab. In Europa leben mittlerweile keine Amischen mehr. Aufgrund von Verfolgung wanderte der Großteil dieser Glaubensgemeinschaft im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania (Nordamerika)aus. Die letzten amischen Gemeinden Europas schlossen sich wieder den Mennoniten an. (Quelle: wikipedia)

Die Autorin Linda Castillo

präsentiert sich im Netz unter lindacastillo.com. Sie wurde 1960 in Dayton, Ohio, geboren und hat vor ihrer schriftstellerischen Tätigkeit als Finanzmanagerin gearbeitet. Vor ihren Büchern über das Zusammenleben der „Englischen“ und der „Amischen“ in Painters Mill hat sie bereits über 20 Liebesromane veröffentlicht, die zwar mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, aber nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Das schafften erst ihre Thriller. Der dritte Teil der Kate Burkholder Reihe ist übrigens Ende Juni unter dem Titel „BREAKING SILENCE“ bereits in Originalsprache erschienen. Ich freue mich schon auf die Übersetzung.

Schlussbetrachtungen

Wer das Genre Thriller mag, dabei nicht zu zart besaitet und aufgeschlossen ist, für Informationen über das Leben von Menschen die anders sind als wir, dem kann ich das Lesen dieses Buches 100%ig empfehlen. Da es sich bereits um den zweiten Teil einer Reihe handelt, rate ich natürlich dazu, zuerst „Die Zahlen der Toten“ zu lesen.

Trotzdem fürchte ich keine Verständnisprobleme für den Fall, dass der Leser Teil 1 nicht kennt, da die Rahmenhandlung ja ein abgeschlossener Fall ist. Die enthaltenen Andeutungen auf vorherige Ereignisse reichen für das Verstehen meiner Meinung nach aus und machen höchstens neugierig.


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4 weitere Stimmen zum Buch

1

bewertung von Everett:

Ein heftiger Einstieg, auch für einen Thriller. Ein Polizist findet während seines Nachtdienstes eine siebenköpfige Familie ermordet in deren Haus. Es wirkt wie eine Hinrichtung, und die Töchter findet er in der Scheune, noch eine Steigerung der Grausamkeit. Dazu kommt noch die Besonderheit, dass die Familie Amische waren. Die Polizeichefin Kate Burkholder wuchs selber als Kind amischer Eltern auf, wendete sich dann aber von der Glaubensgemeinschaft ab.

Als das Tagebuch der einen Tochter gefunden wird, beginnt die fieberhafte Suche nach dem Mörder mit ein paar wenigen Anhaltspunkten.

Dazu kommt Hilfe für Kate von John Tomasetti vom BCI, der sie in einem früheren Fall unterstützte. Beide sind sich damals näher gekommen. Kate scheint von früher Altlasten mit sich rum zu tragen, die gerade in diesem Fall immer wieder hochkommen. Auch John hat schlimmes hinter sich, seine Familie wurde ermordet, und er kämpft mit sich, um damit klar zu kommen.

Die Geschichte um die Morde empfand ich als gut und spannend geschrieben und in sich schlüssig und sinnvoll aufgebaut. Der Erzählstil, aus der Sicht von Kate Burkholder ist mal etwas anderes und ich empfand es als angenehm zu lesen.

Manche mögen sich daran stören, dass es zwischen Kate und John mehr als nur dienstliche Zusam-menarbeit gibt, mich nicht. So ein wenig Gefühle dabei finde ich nicht schlecht. Störend ist dabei nur, dass sie sich mögen, sich selber, bzw. ihre Vergangenheit ihnen dabei scheinbar im Wege stehen.

Dieser Thriller ist wirklich gut zu lesen, hat ein interessantes Thema um die Lebensweise der Amische und ist rundum gelungen.

verfasst am 10.10.2011

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2

bewertung von KimVi:

Kate Burkholder, die Polizeichefin von Painters Mill, muss erneut in einem Mordfall ermitteln. Die amische Familie Plank wird ermordet aufgefunden. Es gibt keine Überlebenden. Der oder die Täter haben selbst das kleine Baby nicht verschont und die beiden Töchter der Familie vor ihrem Tod gefoltert und misshandelt. Das Motiv liegt zuächst völlig im Dunkeln, denn die Familie Plank gilt als gottesfürchtig und lebte bis zu ihrem grausamen Ende nach den Glaubensgrundsätzen der amischen Gemeinde. Kate Burkholder, die selbst aus einer amischen Familie stammt, beginnt fieberhaft zu ermitteln und stößt bald auf erste Hinweise....

|| Meine Meinung ||

"Blutige Stille" ist nach "Die Zahlen der Toten" der zweite Fall mit der Polizeichefin von Painters Mill. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, können sie unabhängig voneinander gelesen werden. Im zweiten Band werden auch nicht zu viele Einzelheiten aus dem ersten Teil verraten, sodass man diesen auch noch gespannt lesen kann, wenn man sich nicht an die Reihenfolge hält. Zum besseren Verständnis der beruflichen und privaten Nebenhandlungen und der Weiterentwicklung der Charaktere, empfiehlt sich allerdings, wie bei allen Bücherserien, die Einhaltung der Reihenfolge.

Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Der Hauptteil der Handlung wird allerdings in der Ich-Form, aus der Sicht von Kate Burkholder, erzählt. Dadurch bekommt man einen guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Denn der bestialische Mord an der amischen Familie nimmt sie sehr mit. Durch ihren eigenen amischen Hintergrund kann sie sich sehr gut in die Familie, und besonders in die Töchter, hineinversetzen. Die Hauptprotagonistin Kate ist keine Superermittlerin mit besonderen Fähigkeiten, sondern eine Frau, die ihren Job gut machen möchte und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hat. Sie hat Fehler und Schwächen, die diese Protagonistin allerdings sehr lebendig wirken lassen. Auch in diesem Fall unterstützt Agent John Tomasetti die Ermittlungen. In einer Nebenhandlung erfährt man von seinen Problemen und beobachtet, wie sich Kate und John näher kommen. Dieser Teil der Handlung drängt sich allerdings nicht zu sehr in den Vordergrund, allzu romatische Verwicklungen braucht man nicht zu befürchten.

Das Hauptaugenmerk der Handlung ruht auf den Ermittlungen und dem amischen Hintergrund der getöteten Familie. Ganz nebenbei erfährt man einiges von den Glaubensgrundsetzen der amischen Gemeinschaft und bekommt einen Eindruck davon, welche Möglichkeiten die Jugendlichen innerhalb der Gemeinde haben und wie sie mit den Verlockungen der Zivilisation umgehen. Dieser ungewöhnliche Hintergrund unterscheidet den Thriller von den üblichen Genrevertretern. Der Einstieg ist rasant, da man umgehend mit dem Auffinden der Leichen konfrontiert wird. Linda Castillo beschreibt den Tatort und die teilweise grausam zugerichteten Leichen sehr detailliert, sodass man das Entsetzen über die Tat förmlich spüren kann. Langsam, aber sicher, breitet sich eine bedrohliche Atmosphäre aus. Man stellt sich unwilllkürlich die Frage, wer der Familie Plank das angetan haben könnte. Das Interesse an der Handlung wird somit früh geweckt und kann auch durchgehend gehalten werden. Leider ist die Hochspannung, die man im ersten Teil deutlich spüren konnte, bei dieser Fortsetzung nicht ganz so ausgeprägt. Denn es gibt leider auch Szenen die stellenweise langatmig wirken und den Lesefluss etwas hemmen.

Insgesamt gesehen konnte der Thriller mich jedoch durch eine durchgehend interessante Handlung und fesselnde Nebenhandlungen überzeugen. Auch wenn ich mir noch etwas mehr Spannung gewünscht hätte, werde ich auf jeden Fall zu weiteren Bänden mit der Polizeichefin Kate Burkholder greifen.

verfasst am 23.11.2011

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3

bewertung von anyways:

In der beschaulichen Kleinstadt Painters Mill in Ohio, geprägt von dem Zusammenleben der englischen und der amischen Gemeinde, ist ein entsetzliches Verbrechen geschehen.

Eine amische Großfamilie von sieben Personen, darunter ein Baby, wurde regelrecht hingerichtet. Das an sich ist schon grauenhaft aber die Verbrecher schreckten vor keiner Untat zurück, denn die beiden Teenagertöchter der Familie wurden aufs brutalste gefoltert, gequält und getötet. Polizeichefin Kate Burkholder und ihr Team sind erschüttert und beginnen mit den Ermittlungen. Ermittlungen die Kate an die Abgründe ihrer eigenen amischen Vergangenheit bringen. Wer kann einen solchen Hass auf eine, getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit lebenden, Familie haben? Einen kleinen Hinweis findet Kate in dem Tagebuch der einen Tochter.

Nach den „Zahlen der Toten“ ist „Blutige Stille“ der zweite Thriller um die Polizeichefin Kate Burkholder und auch dieser ist wie sein Vorgänger sehr gut. Schon den Titel des Buches finde ich treffend gewählt. Ein fesselndes Buch in dem Linda Castillo neben der eigentlichen Story auch immer wieder die innere Zerrissenheit, zwischen der amischen Vergangenheit und dem neuen Leben ihrer Protagonistin sehr gut darstellt, auch wenn diese manchmal etwas unüberlegt reagiert. Atmosphärisch dicht geschrieben, rasante Szenenabfolgen fesselten mich regelrecht und machen dieses Buch zu einem echten Pageturner.

verfasst am 19.01.2012

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4

bewertung von beedy:

Liebe Kate! Lass es bitte sein!

Inhalt:

Bei der nächtlichen Streife in Painters Mill hört ein Polizist die Schreie eines Mannes. Der Helfer der Familie Plank hat eine schreckliche Entdeckung gemacht. Alle Familienmitglieder der Familie Plank sind tot. In der Scheune findet man die zwei jungen Mädchen, die gefoltert und verstümmelt wurden.

Kate Burkholder und ihr Team beginnen mit den Ermittlungen. Der Fall geht Kate sehr nahe, da es sich um eine amische Familie handelt und sie selbst in nach dieser Glaubensrichtung erzogen wurde. Zuerst werden noch Vermutungen über den Mord angestellt, doch als Kate das Tagebuch der jungen Mary Plank findet, ergibt sich erstmals eine konkrete Spur.

Unterstützt wird sie bei ihren Recherchen von John Tomassetti, mit dem sie eine Liaison unterhält. Immer mehr taucht sie in die Welt von Mary ein, doch der Mörder scheint nicht auffindbar zu sein. Bei der Beerdigung der Familie Plank fühlt sich Kate wie vor den Kopf gestoßen, als sie plötzlich vor dem ältesten Sohn der Familie Plank steht.

Meine Meinung:

Die Geschichte beginnt ja sehr interessant mit dem Auffinden der Familie Plank und die Thematik rund um die Amischen ist mal etwas anderes. Leider sind dies auch meine einzigen positiven Eindrücke von der Geschichte, da sie in der Ausführung doch schon sehr hinkt.

Kate trägt viel persönlichen Ballast mit sich rum und flüchtet sich in Alkohol und Tabletten. Der Grund warum sie so ist, wird lange Zeit nicht gesagt, nur dass sie ebenfalls der amischen Gemeinschaft angehörte und diese verlassen hat. Man tappt im Dunkeln und man verliert allmählich das Interesse an ihrer Geschichte. Sie lamentiert ohne wirklich etwas preiszugeben und verbeißt sich in den Fall, da sie mit Mary sehr mitfühlt. Die anderen Personen scheinen ihr wiederum weniger wichtig.

Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass von der Autorin nur die gesamte Familie umgebracht wurde, um den Leser schon mal so richtig zu fesseln und das Buch auch zu kaufen. Wäre nur Mary umgebracht worden, hätte es meiner Meinung nach auch getan und die Geschichte hätte so eventuell noch interessanter werden können, da die Amischen ein verschlossenes Völkchen sind. Da dies aber gleichzeitig bedeutet sich intensiver mit der Geschichte auseinander zu setzen und ihr mehr Tiefgang und gut durchdachte Momente zu verleihen, glaube ich wohl kaum, dass die Autorin diesen Weg hätte gehen wollen. Ich finde nämlich, dass die Autorin die Sache einfach lapidar angegangen ist. Eben ohne sich selbst in die Geschichte einzuleben und mit dem persönlichen Wunsch diese mit mehr Raffinesse aufzubauen.

Ich habe stark das Gefühl, als wollte sie mal schnell etwas hinkritzeln.

Die restlichen Personen bleiben auch dermaßen blass, dass ich beim Lesen schon vergessen hatte wer sie sind. Das passiert mir echt selten. Der einzige der noch etwas mithalten kann ist Kates Freund, der aber auch vom Leben gebeutelt ist und ebenfalls gerne mal zutief in das Glas schaut. Selbst als die Auflösung über den Mörder stattfand, habe ich mich gefragt, wer das den war! Es wirft kein allzu gutes Licht auf die Autorin, wenn sie es nicht mal schafft mir die Personen schmackhaft zu machen und diese in meinem Gedächtnis zu verankern.

Eine Person tauchte auf, es wurde ein bisschen geredet und schon verschwand die Person wieder von der Bildfläche. Man konnte einfach keinen Bezug zu ihnen aufbauen. Selbst bei dem Polizeiteam blieb alles blass. Ein kurzer Auftritt, ab und zu mal namentlich erwähnt, am Schluss dann wieder ein Satz, fertig. Macht die Geschichte ja wahnsinnig lebendig!

Von der Handlungsweise der Protagonistin braucht man im Grunde gar nicht sprechen. Sie wurschtelt sich wie ein Holzfäller durch die Geschichte und ich fand sie überhaupt nicht sympathisch. Ich finde sie naiv und unbedacht handelnd. Mit biegen und brechen versucht sie den Mordfall zu lösen und ihre Aussagen und Gedanken empfinde ich aber als platt. Ich werde mit Kate einfach nicht warm. Vielleicht sollte sie weniger trinken, dann würde sie Hinweise erkennen und nicht so selbstgefällig agieren.

Was mich zusätzlich noch gestört hat ist der Schreibstil. Blutige Stille ist aus der Sicht von Kate geschrieben und fast jeder Satz beginnt mit Ich. Es wirkte einfach abgehackt und für mich jedenfalls nicht flüssig. Die Dialoge hingegen lassen sich gut lesen. Mir gefiel dieses ständige Ich jedenfalls nicht. Ich gehe die Treppe rauf. Ich sehe mich im Zimmer um. Es kam bei mir eben keine gute Lesestimmung auf. Sorry! Flüssig und packend finde ich etwas anderes und ich habe schon viele Ich-Perspektive-Bücher gelesen.

Was mir ebenfalls das Buch noch verhagelt hat, ist der schlechte Schluss. Völlig unlogisch wird ein Szenario erdacht, das man als bestenfalls dilettantisch beizeichnen kann. Kate entwickelt einen Plan der bei mir Kopfschütteln auslöst und man bemerkt den Versuch der Autorin noch etwas Action in die Sache zu bringen. Von gut durchdacht sind wir aber Meilenweit entfernt.

Außerdem erhält man nach dem Showdown keine richtigen Antworten und darf sich nur mit den Vermutungen von Kate herumplagen.

Insgesamt hätte sich die Geschichte gut entwickeln können. Was sie durch die naive, ich-mach-mir-meine-eigene-Welt, Kate leider nicht wurde. Der Einblick in die amische Lebensweise ist nett und ich hoffe, dass dies auch den Tatsachen entspricht. Außer die Autorin hatte keine Lust sich an die Wirklichkeit zu halten, was man angesichts der lieblosen, platten Darstellung und des eigentlich-habe-ich-keinen-Schimmer-wie-es-weitergehen-soll Stiles auch vermuten lässt.

Ich werde mir kein weiteres Buch dieser Autorin zulegen, da ich vermute, dass es nicht besser werden wird und wenn Kate schön brav weiter trinkt, jegliche Hinweis als bedeutungslos abtut und lieber alles so sehen möchte, wie es ihr gerade passt, dann denke ich, dass die Reihe wohl eher nicht lange fortgesetzt wird. Wegen mir muss es jedenfalls nicht!

Ich vergebe zwei Sterne, weil es sich zwar lesen lässt, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Geschichte reißt mich nicht so wirklich mit, da mir Kate etwas auf die Nerven geht und die Personen sehr blass bleiben, dennoch gibt es Bücher, die schlechter sind.

verfasst am 11.04.2012

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