Zurück zur Homepage

Vom anderen Ende der Welt

autor

Winterberg, Liv (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

dtv

jahr

2011

3 bewertungen

isbn

3423248475

2570 x gelesen

genre

Historische Romane

kommentare (2)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 06.07.2011 von Michael Lehmann-Pape

Forscherdrang und Liebe

Von ihrem Vater hat sie ihn geerbt, Mary Linley, den Forscherdrang. Vor Kap Hoorn ist ihr Vater verschollen, das Schiff zerschellt, Überlebenschancen gleich Null.

Allein auf sich gestellt, in den Zwängen der Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts mit seiner minderen Stellung der Frau, sieht sich auch Mary nach dem Verlust des Vaters dem Ende ihrer Träume gegenüber. Die mit dem Vater gemeinsam angelegte Sammlung wird entsorgt, sie selbst für eine Heirat vorgesehen.

Diesen bedrängenden Umständen entflieht die junge Frau und folgt ihrem Naturell. Als Mann verkleidet schleicht sie sich in die Crew des Forschungsschiffes „Sailing Queen“ ein und sticht mit in See. Zunächst scheint alles gut zu gehen, doch täglich muss sie damit rechnen, in ihrer Verkleidung enttarnt zu werden. Zudem ist ein Mann mit an Bord, der für Mary bald mehr ist als nur ein „Forscherkollege“.

Ein Sujet, dass sicherlich nicht neu klingt und das einen durchaus vorhersehbaren Verlauf, trotz mancher Irrungen und Wendungen, im Lauf des Buches nimmt. Eingebettet aber ist diese Liebesgeschichte in eine interessante und anregend erzählte Reisegeschichte, in der es Winterberg gelingt, die vielfachen, damals hoch exotischen, Orte aus der Sicht des neugierig-staunenden Menschen der damaligen Zeit, dem sich an jedem fremden Ort gleich ganz neue Welten auftaten.

Hier spielt Liv Winterberg ihre vielfachen Kenntnisse über jene Zeit, über Seereisen und über die angelaufenen Orte aus. Zudem versteht sie es, plastisch und bildhaft zu erzählen und damit den Leser mit hinein zu nehmen in die Vielfalt der Entdeckungen, wie sie ebenso mit an Bord des Schiffes nimmt und die Abläufe an Bord eines der damaligen Segelschiffe ebenso eindrücklich und plastisch vor Augen führt. Die Umrundung Kap Hoorns, jener Ort, an dem ihr Vater verloren ging, ist für diese plastische Erzählkraft im Buch ein gutes Beispiel und durchaus hier auch spannend erzählt.

Alles in allem eine stimmige Darstellung einer vielfältigen Forschungsreise, die sorgfältig die besonderen Momente einfängt, aber auch die alltäglich verstreichende Zeit atmosphärisch darzustellen versteht. Der eigentlich rote Faden der Geschichte in Form der verkleideten Mary an Bord mit ihrer beginnenden Liebe dagegen führt wenig Neues ein und vermag auf Dauer nicht wirklich zu fesseln.


Weitere Rezensionen finden Sie bei Amazon.


hier klicken, um dieses buch selbst zu rezensieren!

2 weitere Stimmen zum Buch

1

bewertung von bookorpc:

Wie man aus dem Nachwort erfährt, hat sich Liv Winterberg in ihrem Roman Vom anderen Ende der Welt vom der Lebensgeschichte der französischen Botanikerin Jeanne Baret inspirieren lassen. Die abenteuerliche Reise ihrer Protagonistin Mary Linley passiert somit auf wahren Fakten.

Inhalt: Mary Linley würde von ihrem Vater zur Botanikerin ausgebildet, als dieser stirbt will ihre Tante sie verheiraten wie es im 18. Jahrhundert üblich für Frauen ist. Aber Mary hat andere Träume, sie will wie ihr Vater reisen und sich der Wissenschaft widmen. Ihre Chance sieht sie darin, sich als Mann zu verkleiden und sich einer Expeditionsgruppe als Zeichner anzuschließen. Die Lebensbedingungen auf dem Schiff sind hart und beengt. Für Mary bedeutet dies eine zusätzliche Erschwernis ihre Verkleidung aufrecht zu erhalten, besonders da sie sich immer mehr zu ihrem Chef den Botaniker Carl Belham hingezogen fühlt.

Meine Meinung: Ein wunderschöner Roman, voller Gefühle und Emotionen. Die Beschreibungen der Natur und einzelnen Fachbegriffe sind in die Geschichte eingebettet und ermöglichen ein fließendes Genießen des Buches. Wem dies nicht reicht, wird bestimmt im sehr informativen Glossar fündig, in dem auch weitere reale Personen der Geschichte aufgeführt werden. Wie man nämlich aus dem Nachwort erfährt passierend alles auf ein reales Leben. Beim Lesen scheint dies so unvorstellbar, da man sich nicht vorstellen kann, dass das Leben und der Alltag auf den Schiffen damals so ablief. Und deshalb nahm ich alle Details faszinierend auf. Es gibt viele Bücher über Frauen in Männerkleidung, aber dieses finde ich, ist durch die Grundlage der Biographie von Jeanne Baret besonders hervorzuheben. Meiner Meinung nach ist es der Autorin gelungen, diese hier eher unbekannte Frau durch ihren Roman bekannter werden zu lassen. Das Nachwort sollte man wirklich zum Schluss lesen, da man sonst zuviel über den Inhalt und Verlauf erfährt.

Fazit: Eine spannende und abenteuerliche Reise einer Frau in Männerkleidung auf der Suche nach Anerkennung und der Liebe passierend auf historische Fakten.

verfasst am 16.06.2012

Weitere Rezensionen finden Sie bei Amazon.

nach oben

2

bewertung von KimVi:

England, ausgehendes 18. Jahrhundert

Obwohl die neunzehnjährige Mary Linley in einer Meldung des Town Magazine gelesen hat, dass das Schiff, mit dem ihr Vater, der Arzt und Botaniker Francis Linley, unterwegs war, bei Kap Hoorn zerschellt ist, kann und will sie die Hoffnung auf eine gesunde Heimkehr des Vaters nicht aufgeben. Jeden Tag sucht sie den Hafen auf und hofft auf ein Wunder. Ihre Tante kümmert sich bereits um den Nachlass und möchte Mary so schnell wie möglich verheiraten. Doch Mary hat andere Interessen als sich um Ehemann, Haushalt oder Kinder zu kümmern. Da sie ihrem Vater stets bei seiner Arbeit zur Hand ging, ist sie in Botanik und Medizin sehr bewandert. Ihr größter Traum ist es, diese Kenntnisse in der Praxis einzusetzen und an einer Expeditionsreise teilzunehmen. Für eine Frau ist an ein solches Abenteuer natürlich nicht zu denken und deshalb verkleidet sie sich als Mann und geht als Marc Middleton an Bord der Sailing Queen. So hat sie die Möglichkeit, als Zeichner im Stab des angesehenen Botanikers Carl Belham, um die halbe Welt zu segeln und Pflanzen und Tiere zu dokumentieren. Doch an Bord herrschen raue Sitten und es ist gar nicht so einfach, die Tarnung als Mann aufrechtzuerhalten. Als Mary entdeckt, dass sie sich zu Carl Belham hingezogen fühlt, fällt ihr das Versteckspiel noch viel schwerer....

|| Meine Meinung ||

Aufgrund der Inhaltsbeschreibung könnte der Eindruck entstehen, dass sich Liv Winterbergs Debütroman nicht sonderlich von anderen Genrevertretern unterscheidet und ein gern verwendetes Klischee, den Frau-in-Hosen-Roman, bedient. Doch im Nachwort stellt man fest, dass sich die Autorin von der Biografie der französichen Botanikerin Jeanne Baret inspirieren ließ und dass sich Mary Linleys Geschichte, obwohl sie ziemlich abenteuerlich wirkt, so realistisch wie möglich daran orientiert. Um sich die Spannung nicht zu verderben, sollte man sich das Nachwort allerdings, wie das Wort schon sagt, erst nach dem Lesen des Romans zu Gemüte führen.

Liv Winterberg schafft es mühelos, der Geschichte Leben einzuhauchen. Durch ihre detaillierten, aber keinesfalls ausufernden, Beschreibungen, fühlt man sich an die entsprechenden Handlungsorte versetzt und hat das ächzende Schiff, mit seiner Geräusch- und Geruchskulisse genauso vor Augen, wie die Ziele der Expeditionsreise . Auch die agierenden Personen wirken sehr lebendig und authentisch. Man fühlt mit ihnen und fasst schon nach wenigen Seiten erste Sympathien oder auch spontane Abneigungen. Auf dem Schiff treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander und deshalb wirkt auch die monatelange Schiffsreise nicht langweilig. Die damaligen Gepflogenheiten an Bord fließen in die Handlung ein und ganz nebenbei erfährt man so von den harten und gefährlichen Bedingungen einer so langen Seereise. Man hat beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat und dass sie ihr Wissen gut vermitteln kann.

Die Liebesgeschichte zwischen Mary und Carl wirkt glaubhaft und nicht zu hochromantisch. Sie drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern lässt genug Raum für weitere Handlungsstränge. Man hat keinen Moment das Gefühl einen reinen Liebesroman zu lesen, denn dieser historische Roman hat deutlich mehr zu bieten.

Liv Winterbergs Debütroman hat mich positiv überrascht, da er sich wohltuend vom gängigen Klischee des Frau-in-Hosen-Romans abhebt, und mir einige interessante, abenteuerliche, herzergreifende, spannende und lehrreiche Lesestunden bereitet hat.

verfasst am 14.09.2011

Weitere Rezensionen finden Sie bei Amazon.

nach oben

weitere rezensionen suchen buch ebenfalls rezensieren

Die souveräne Leserin

Geschrieben am: 20.11.2008

Rezensent: Miranda

Eine Königin auf Abwegen! Zur Monarchie von England gehört Würde, Distanz und eine gewisse Überheblichkeit. Elisabeth aber, die Königin von England, gerät eines Tages an einen alten und recht rumpeligen Bücherbus, eine fahrende Leihbücherei. Neugierig steckt sie ihren Kopf zur Bustür herein, ihre Hu ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere zufallsrezensionen

Der schwarze General

Geschrieben am: 23.09.2013

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

Eine Biographie wie ein Roman

Ein ganz außerordentliches (nicht nur für seine Zeit) und „vielfaches“ Leben ist es, dass Tom Reiss in dieser Biographie nachvollzieht und für die er zu Recht in Stil und Inhalt den Pulitzerpreis dieses Jahres erhalten hat.

Das ein Schwarzer aus „Übersee“ ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere beliebte rezensionen

Narbenkind

Geschrieben am: 16.09.2014

Rezensent: Michael Lehmann-Pape

„Fleisch an die Knochen“

Als Überschriften über die einzelnen Bände der Trilogie passt sehr gut, was der Klappentext auf den Punkt bringt. „Skelett – Fleisch – Seele“ bringen die Bände nacheinander an „den Fall Viktoria Bergmann“.
Jene Frau, von der der Leser nun weiß, dass sie ein Teil de ... » weiterlesen.

kommentare (0)

weitere neue rezensionen