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Die Verschollenen

autor

Keene, Brian (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

Heyne

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3453527429

825 x gelesen

genre

Horror

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 07.06.2011 von Florian Hilleberg

Auf einer abgelegenen Südseeinsel dreht ein amerikanischer Fernsehsender eine Reality-Show, in der die Kandidaten um eine Million Dollar Preisgeld gegeneinander antreten. Angeblich ist die Insel bis auf einige Vögel und Kriechtiere unbewohnt. Niemand ahnt, was sich im Inneren des unerforschten Eilandes verbirgt. Ein Stamm degenerierter, affenähnlicher Kreaturen lauert auf neue Opfer. Ausgehungert nehmen sie die Witterung auf, und der Mensch ist eine leichte Beute. Nachdem ein mörderischer Hurrikan das Lager der Kandidaten verwüstet und sie von dem Schiff des Senders abgeschnitten hat, beginnt ein mörderischer Kampf ums Überleben ...

Sind seine Werke zunächst nur über den Independent-Verlag Otherworld erhältlich gewesen, so avancierte Brian Keene quasi über Nacht zum neuen Stern am Horror-Himmel. Vom Verlag wird er gar als der neue Richard Laymon gefeiert, logisch, denn der im Jahr 2001 verstorbene Schriftsteller kann schließlich keine neuen Bestseller abliefern, so dass ein neuer Name dringend gepusht werden muss. Wer ist da besser geeignet als Brian Keene, der nicht nur die nötigen Ideen mitbringt, sondern darüber hinaus auch über jenen unvergleichlich minimalistischen Stil verfügt, den die Laymon-Leser so schätzen? Allerdings wäre es unfair Keene als reinen Plagiatoren zu verunglimpfen, denn seine stärksten Romane sind die apokalyptischen Zombie-Szenarien, von denen „Totes Meer“ zu den besten des gesamten Genres gezählt werden muss. Dem vorliegenden Roman liegt eine Kurzgeschichte zugrunde, die als Hommage an Richard Laymon gedacht war und sich mit den Ursprüngen jener Kreaturen beschäftigte, die dem Leser in dem Horror-Epos „Der Keller“ das Fürchten lehrten. Schließlich forderten die Leser einen komplexen Roman über dieses Thema und Laymons Erben verlangten darüber hinaus, dass Keene seinen Plot etwas abänderte. Herausgekommen ist eine kurzweilige, äußerst brutale und gesellschaftskritische Horror-Geschichte, die in ihren Grundzügen an Jack Ketchums „Beutezeit“ erinnert, insbesondere während der Szenen in den Höhlen der kannibalisch veranlagten Ungetüme. Dialoge und Setting wirken sehr realitätsnah, nur bei der Charakterisierung bedient sich der Autor einiger Klischees, was allerdings auch daran liegen mag, dass Fernsehsender bei ihrer Kandidaten-Auswahl für Reality-Shows tatsächlich nach bestimmten Typen Ausschau halten. Nichtsdestotrotz weiß man ziemlich schnell, wer in diesem Spiel das Rennen machen wird, was dem Unterhaltungswert des Buches jedoch nicht schadet. Horror-Fans kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten und es wird nicht mit Blut und Innereien gegeizt. Dabei lässt sich Keene auch nicht lange bitten und kommt nach einer kurzen Vorstellung der Protagonisten gleich zur Sache. Ironischerweise sind es nicht nur die Monster allein, die für die Kandidaten zur lebensbedrohenden Gefahr werden, denn einer von ihnen treibt ein doppeltes Spiel und will als Mitglied einer radikalen Organisation, die sich die Söhne der Verfassung (Sons of the Constitution) nennt, ein Exempel statuieren. Auch hier werden die Einflüsse von Laymon und Ketchum deutlich. Wer möchte darf auch gerne die Botschaft hineininterpretieren, dass nur diejenigen letztlich weiterkommen werden, die zusammenarbeiten und nicht zu egoistischen Einzelkämpfern verkommen, denen zum Erreichen ihrer Ziele jedes Mittel recht ist. „Die Verschollenen“ ist gewiss kein literarisches Meisterwerk; wer allerdings von Dschungel-Peep-Shows mit nervigen Moderatoren die Schnauze voll hat und von Splatter-Romanen im Stil von „Beutezeit“ nicht genug kriegen kann ist hier goldrichtig.

Die Romane von Brian Keene haben im Heyne Verlag ein eigenes Corporate Design erhalten und stechen dem Käufer durch den großen Schriftzug des Autorennamens und dem kleinen Covermotiv als Scherenschnitt ins Auge. Insgesamt macht die Titelgestaltung einen eher verstörenden Eindruck und passt damit ideal zum Inhalt. Sehr angenehm sind auch der Satzspiegel und die große Schrift.

Fazit:
Verstörender Dschungeltrip für Hartgesottene. Nicht ganz frei von Klischees, aber sehr unterhaltsam, brutal und gesellschaftskritisch.


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