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Zeugin der Toten

autor

Herrmann, Elisabeth (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 2/5

verlag

List

jahr

2011

2 bewertungen

isbn

3471350373

1342 x gelesen

genre

Krimi

kommentare (1)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 06.03.2011 von KimVi

Judith Kepler arbeitet in einer Gebäudereinigung. Sicher kein Traumberuf für jedermann, doch Judith ist gut in ihrem Job. Sie wird nicht nur zu normalen Reinigungsarbeiten gerufen, sondern auch zu Wohnungen, in denen Verstorbene längere Zeit unentdeckt lagen. Judith hat in ihrem Arbeitsleben viel gesehen, denn zu ihrem Einsatzgebiet gehören auch Tatorte, an denen es zu gewaltsamen Todesfällen kam. Routiniert tilgt sie die Spuren des Todes und versetzt die Räume wieder in einen bewohnbaren Zustand.

An ihrem aktuellen Einsatzort wird Judith nicht nur mit den Spuren eines grausamen Mordes, sondern auch noch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Judith wuchs in der ehemaligen DDR auf. Unter geheimnisvollen Umständen wurde sie damals in ein Kinderheim in Sassnitz eingeliefert. Eine mehr als trostlose Kindheit, ein Leben auf der Strasse und eine Drogenkarriere folgten. Mittlerweile hat Judith ihr Leben wieder im Griff. Doch nun stößt sie im Nachlass der brutal ermordeten Frau auf ihre angeblich verschollene Heimakte. Als sie dann noch einen Mann dabei erwischt, nachts Überwachungskameras vom ehemalige Tatort zu entfernen, gerät Judith in den unaufhaltsamen Sog längst vergangener Ereignisse....

Meine Meinung

Das Buch beginnt mit einem Rückblick in das Jahr 1985. Die kleine Christel Sonnenberg wird unter großer Geheimhaltung in ein Kinderheim in der damaligen DDR gebracht. Dort verliert Christel ihre Identität und wird zu Judith Kepler. Die mit der Aufsicht betraute Erzieherin Martha Jonas wird unter Druck gesetzt und muss sich nun an diesem üblen Spiel beteiligen. Niemand erfährt, was mit der richtigen Judith Kepler geschehen ist und auch die Herkunft der kleinen Christel bleibt im Dunklen. Dann wechselt die Handlung zum aktuellen Geschehen und man lernt die mittlerweile erwachsen gewordene Judith kennen und bekommt einen Einblick in ihre berufliche Tätigkeit. Der Einstieg in den Krimi von Elisabeth Herrmann gelingt recht mühelos, denn die längst vergangenen Ereignisse im Kinderheim schockieren auf der einen Seite, doch gleichzeitig gerät man in den Bann der Handlung und möchte unbedingt erfahren was damals geschehen ist. Gemeinsam mit der Hauptprotagonistin Judith deckt man Geheimnisse von ungeahntem Ausmaß auf.

Das Buch beginnt bereits sehr interessant. Gerade anfangs steigert sich die Spannung von Seite zu Seite. Allerdings muss man dem Handlungsverlauf konzentriert folgen, um die Übersicht über die involvierten Geheimdienste und ihre Agenten nicht zu verlieren. Da die Spione verschiedene Decknamen verwenden, fällt auch die Personenzuordnung nicht immer leicht. Wenn man sich allerdings eingelesen hat, und sich die ersten Handlungsfäden miteinander verknüpfen, kann man sich der spannenden Verfolgungsjagd, die sogar bis nach Schweden führt, kaum noch entziehen.

Der Schreibstil von Elisabeth Herrmann ist flüssig und angenehm lesbar. Es gelingt der Autorin eindrucksvoll, die jeweiligen Situationen so detailliert zu beschreiben, dass man sich Handlungsorte und Personen lebhaft vorstellen kann. Die Hauptprotagonistin Judith hat in ihrem Leben schon einiges mitgemacht. Sie hat eine ganz eigene Art damit umzugehen und weckt beim Lesen Sympathien. Judith wirkt sehr lebendig und ihre Handlungen manchmal spontan. Dadurch kann man sich gut in die Hauptprotagonistin hineinversetzen und dem spannenden Katz- und Mausspiel folgen.

Elisabeth Herrmanns neuestes Buch ist kein klassischer Kriminalroman, bei dem man sich mit einem Ermittler auf die Suche nach einem unbekannten Täter macht. In "Zeugin der Toten" versucht Judith Kepler die Wahrheit über ihre Herkunft herauszufinden. Sie stößt dabei auf Hinweise einer längst vergangenen Geheimdienstaktion, in die nicht nur die Stasi und der BND verwickelt waren. Fans von spannenden Spionageromanen dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

Ingesamt gesehen hat mir dieser Roman sehr gut gefallen. Ich habe damit spannende Lesestunden verbracht und bewerte ihn deshalb mit vier von fünf möglichen Sternen. Den einen ziehe ich ab, da die Handlung manchmal recht verwirrend war. Dennoch kann ich ihn guten Gewissens weiterempfehlen.


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1

bewertung von anyways:

Im Frühjahr 1985, viereinhalb Jahre vor der Wende, wird aus dem kleinen Mädchen Christel Sonnenberg unter mysteriösen Umständen Judith Kepler- Neuzugang im Kinderheim „Juri-Gagarin“ in Saßnitz. Das Heimleben, die Strafen und die Gewalt der Erzieherinnen gegenüber ihren Schutzbefohlenen zeichnen Judith für ihr späteres leben. Sie kommt auf die schiefe Bahn, nimmt Alkohol und Drogen in gesundheitsschädigender Weise zu sich. Eine Resozialisierung der skurrilen Art durchläuft sie, als sie für „ Dombrowski-Facility-Managment“ anfängt zu arbeiten. Dieses Unternehmen hat sich auf die Säuberung der Wohnung Verstorbener spezialisiert. Eine Arbeit die Judith Halt gibt und die es ihr ermöglicht den Tag durchzustehen. Besonders für „Kaltsteller“ scheint sie geeignet zu sein, bieten diese doch eine besondere Herausforderung. Es sind Wohnungen von Mordopfern und Judith erscheint wenn die Spusi fertig ist um Blut und Fingerabdruckpulver weg zu wischen.

Zwei Jahr arbeitet sie schon für dieses Unternehmen, als ihr Chef sie unweit ihrer eigenen Wohnung zu einem „Kaltsteller“ schickt. Dort hat ein äußerts brutaler Mord an einer jungen Frau stattgefunden. Durch Zufall fällt Judith ein an die Tote adressierter Brief in die Hände. Schon der Absender paralysiert sie, ist es doch das Kinderheim in Saßnitz, als sie aber beim Öffnen ihre eigene Akte in den Händen hält ist sie hellwach und versucht Licht ins Dunkel zu bringen, und sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen, nichts ahnend das sie es von nun an mit dem BND, der CIA und der MfS zu tun bekommt.

Ein hochbrisanter Thriller über die Schachzüge der Geheimdienste zu Zeiten des „Kalten Krieges“, über Republikflucht und Doppelspionage, und das erschreckende daran ist, das die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, das sich so eine Geschichte durchaus zugetragen haben könnte. Die Recherchen über die Fährhafenstadt Saßnitz (ich konnte sogar einigen Straßenzügen folgen und deren Existenz somit bestätigen)sind außerordentlich gut, allerdings war/ ist „mein“ Saßnitz heller, sonniger und voller unbeschwerter Kindheitserinnerungen. Den legendären Malmö-Express gab es wirklich. Ein Zug der von Malmö über Saßnitz, Berlin und Dresden bis nach Prag fuhr. Wobei man die erste und letzte Station als DDR-Bürger entweder gar nicht oder nur unter besonderen Umständen erreichte. Dafür schnupperte man ein wenig freie, weite Welt. Schon die Vorstellung dass dieser Zug in den „Westen“ fuhr beflügelte die Fantasie.

Lenins Waggon hingegen ist kurz nach seiner Ankunft in Saßnitz verschollen, viele Jahre stand eine (ungleich schlechte) Nachbildung desselben auf einem Abstellgleis im Saßnitzer Bahnhof.

Ein Thriller der atemlos in den Strudel dunkelster Geheimdienstaktivitäten zieht und mich sehr lange beschäftigt hat, wenngleich ich ihn innerhalb von wenigen Stunden verschlungen habe.

verfasst am 16.05.2011

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