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Die Stunde der Seherin

autor

Trodler, Dagmar

gesamtwertung: 1.5/5

verlag

Blanvalet

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3764502894

956 x gelesen

genre

Historische Romane

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 25.02.2011 von Michael Lehmann-Pape

Liebe, Abenteuer und mystische Kräfte

Nach ihren letzten beiden Romanen des historischen Genres um die Heilerin Irma von Lindisfarn, deren geographische Rahmung im heißen Süden Europas angesiedelt war, schickt die Autorin nun ein Schwesterpaar auf abenteuerliche Reise in Schottland. Wobei im Kern die jüngere der Schwestern, Christina, als Hauptperson des Buches konzipiert ist und den Hauptteil des Buches trägt.

Deren Aufgabe entwickelt sich zu der der Retterin der eigenen Schwester, in deren Schatten sie doch eine Weile lang im Anfangsteil des Buches stand. Als die Schwester einem Fluch zum Opfer fällt, zum Entsetzen des Königs, der ihr sehr zugetan ist, muss Christina das eigene Leben riskieren, um ihre Schwester Margaret zu retten. Eine Rettung, die vieles an Stationen hinter sich bringen muss und manch abenteuerliche Situationen zu meistern hat. Abenteuer und Gefährdungen, die durchaus aus einer Zwischenwelt auf Christina niedergehen. Verfolgt von dämonischen Wesen, den apokalyptischen Reitern der Apokalypse des Johannes, gelingt es ihr ein um das andere Mal nur aufgrund ihres Glaubens und ihrer persönlichen Reinheit, den Ausgeburten der Hölle zu trotzen. Ein ähnliches Motiv wie es Frodo im Anblick der Nazgul im Herrn der Ringe zu bestehen hat.

Unterstützung findet sie in Person eines jungen Mönches, Niall. Ein Mann, mit dem sie eine „Liebe auf den ersten Blick“ verbindet, ein Retter in der Not und ein treuer Wegbegleiter und Gefährte im Kampf gegen die dunklen Mächte.

Die Liebe, die geschwisterliche Verbundenheit und die Gefährdungen des Lebens, denen man nur mit einem starken Glauben begegnen kann, das sind die Kernmotive dieses historischen Romans, der in der rauen, manchmal fast surrealen Landschaft des mittelalterlichen Schottlands seinen Verlauf nimmt. Alte Naturreligionen, urtümliche Lebensweisen, kontrastiert mit dem ebenso eher bodenständigen Leben am Hofe des Königs und den vielfältigen, allgegenwärtigen Kämpfen und möglicher Gewalt ergeben ein buntes, hier und da leider nur oberflächlich beschriebenes Bild einer vergangenen, gefährlichen, mystischen Epoche.

Ein wenig dick aufgetragen erscheint die real werdende apokalyptische Vision der Offenbarung des Johannes, in der fahle Reiter der Apokalypse mit aller Macht versuchen, Christinas Rettungsversuch zu verhindern. Dennoch liegen in dieser Verfolgung die spannenden Momente des Buches, von niederbrennenden Bauernhöfen, aus denen unter Einsatz des eigenen Lebens Bewohner noch gerade so gerettet werden bis hin zum Finale des Buches, indem der apokalyptische Reiter zerbrechen wird.

Flüssig und anregend versteht es Dagmar Trodler, zu schreiben und ebenso, die Welt des Mittelalters im Schottland des 11. Jahrhunderts lebendig vor Augen zu führen. Die klassische Geschichte von Liebe, Gefahr und Rettung findet hier ein neues, durchaus unterhaltsames Gewand, wenn auch die religiösen Leitmotive zu überwertig im Raum stehen und wunderhafte Rettungen, die auf die Reinheit des Glaubens zurück zu führen sind, doch ein wenig unrealistisch und merkwürdig spannungsarm wirken. Ansonsten aber ein unterhaltsamer Lesegenuss, der einiges an historischen Personen und Begebenheiten geschickte mit der romanhaften Ausgestaltung vermischt. Lebendig erzählt und in sich schlüssig konstruiert.


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