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Schule versagt: Warum Bildung ein Glücksspiel ist und wie sich das ändern kann

autor

Faltin, Inge

gesamtwertung: 2/5

verlag

dtv

jahr

2011

1 bewertung

isbn

3423248351

1080 x gelesen

genre

Sachbuch

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 18.02.2011 von Michael Lehmann-Pape

Auf dem Weg zum Lernziel Lebenskompetenz

Sieben Thesen sind es, die am Schluss des Buches als Quintessenz von Inge Faltin, auf den Grundlagen Ihrer direkten Erfahrungen und methodischen Überlegungen, postuliert werden.

Sieben Thesen, mit denen sie das vorhandene System Schule konstruktiv verändern möchte und mit denen sie ihr erklärtes Ziel, am Ende der Schullaufbahn die Kompetenz zum „Lebensunternehmer“ (Entrepeneuership) für Schulabgänger als Primärkompetenz schulischer Leistung sichern möchte. Voraussetzungen hierzu sind, nach ihren eigenen Erfahrungen, die methodische Entwicklung einer anderen als der bisher vorliegenden „Lehrerpersönlichkeit“ und eine deutliche Veränderung des Lehrer-Schüler Verhältnisses.

Hierbei hat zunächst der Lehrer bei sich zu beginnen, nicht beim „System“ oder beim Schüler, um den Schülern nicht etwas abzuverlangen, dass der eigenen Person völlig fremd wäre. Es folgt als Lehrer die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit gegen den Anpassungsdruck des Systems Schule. Die dritte Zielvorgabe an den Lehrer ist die, Vorbild zu sein, nicht Vorbeter, gefolgt davon, andere (hier die Schüler) zu inspirieren und nicht im Blick deren individuelle Eigenheiten dagegen zu halten aus reinen Systemgründen. Durch die innere Übernahme eines Denkens in Winner-Winner Systemen erfolgt als fünfte These die Kraft, in entscheidenden Momenten dem Schüler bei der Eigenentwicklung nicht im Wege zu stehen. Ebenso zentral sind abschließend die Haltungen eines „sich selbst nicht so wichtig Nehmens“ und, ganz wichtig, den Umgang auch mit Niederlagen für sich selbst zu erlernen.

Diese sieben Grundhaltungen, die stark an die Gesamtkonzeption des klientenzentrierten Ansatzes nach Carl Rogers in der pragmatischen Umsetzung durch Thomas Gordon erinnern, ermöglichen es sodann dem System Schule in Person der handelnden Lehrer, die eigentliche Zielgruppe der Schüler zum eigentlichen Ziel der Schule, der Erziehung zur Kompetenz im Blick auf die Bildung, auf den Weg zu bringen. Nicht auf Lehrinhalte soll in Faltins Augen damit primär verzichtet werden, nicht auf die Überprüfung von Lernzielen, wohl aber auf die bisher im Raume stehende Methodik, die sich vor allem dadurch ihrer Erfahrung nach kennzeichnet, dass defizitär ausgebildete Persönlichkeiten ihren ganz eigenen Stil nach Gutdünken als Lehrer im Klassenzimmer den Schülern „angedeihen“ lassen können.

Dies war die Grunderfahrung in der Begleitung ihres eigenen Sohnes Daniel durch dessen Schulzeit, die sie selbst als eine Form des Glücksspiels benennt. Je nachdem eben, ob ein kompetenter Lehrer mit Persönlichkeit und Kritikvermögen ihren Sohn zeitweise begleitete, oder im Gegenteil Persönlichkeiten mit Defiziten in der Persönlichkeit, mit eigenen Schwierigkeiten in der Motivation und mit offenkundigen Lücken in der Kompetenz.

Zum damaligen Zeitpunkt verblieb Inge Faltin nicht in der Außenbetrachtung und der reinen Anklage, sondern nahm, ausgelöst durch die Erfahrungen ihres Sohnes, den beruf der Lehrerin an, besah sich die wesentlichen Teile und Elemente des Rahmensystems und der inneren Abläufe, führt eine Art Tagebuch und legt nun ihre gesammelten Erfahrungen vor.

Flüssig und einfach zu lesen spürt man dem Buch ab, dass Inge Faltin sehr konkret und präzise ihre Erfahrungen und Rückschlüsse darzustellen vermag, diese mithin tief reflektiert hat. Durch vielfache praktische Beispiele aus dem Schulalltag, die sie zu abstrahieren versteht und damit allgemeingültige Regeln des Status Quo darzustellen vermag, taucht beim Leser ein Aha-Erlebnis nach dem anderen auf, ebenso, wie eigene Erinnerung zuhauf wachgerufen werden. Ihre sauber heraus gearbeitete Forderung nach einer konstruktiven Lösung mitsamt der von ihr selber eindrucksvoll umgesetzten Haltung als Lehrerin, umfassend vorbereitete „Lebensunternehmer“ aus der Schule entlassen zu können ist schlichtweg überzeugend. Die grafische Darstellung als „Haus des Lernens“ mit der Auflistung aller notwendigen Schlüsselkompetenzen und dem Weg zu diesen in der Mitte des Buches bietet eine einfache, zugängliche und verständliche Orientierung durch das Denken und die Ziele Inge Faltins. Niemand braucht ein abgeschlossenes Studium, um dieses Buch zu verstehen.

Inge Faltin greift aus ungewohnt persönlicher Sicht mit ihrer Kompetenz der Reflektion und gelungenen Darstellung das wichtigste, gesellschaftspolitische Thema der Gegenwart auf und bietet eine umfassende Darstellung der wirklichen Probleme sowie eine durchdachte Möglichkeit der Lösung dieser Probleme. Ob sie gehört wird? In einem Land mit hunderten unterschiedlicher Schulformen und kultuspolitischer Eitelkeiten und Animositäten ist leider zu befürchten, dass auch dieser hervorragende Diskussionsbeitrag im Gestrüpp sich verheddern wird.


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