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Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

autor

Haller, Christian

gesamtwertung: 5/5

verlag

Luchterhand

jahr

2010

1 bewertung

isbn

3630873502

1620 x gelesen

genre

Erzählungen

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 28.11.2010 von Claudine Borries

Ein kluger Blick auf die Welt und uns Menschen!

In diesem schmalen Büchlein ist Christian Haller mit zahlreichen kleinen Essays der Zeit und seinen Auswüchsen des Mangels auf der Spur. Er bietet mit seinen Gedanken Anstoß, inne zu halten und zu schauen, was in unserem Leben eigentlich wichtig ist.
Sind es die Schmetterlinge des Herrn Nabokov?
Ist es ein Treffen mit einem Freund?
Was bewegt Menschen dazu, sich im Dickicht ihrer Termine zu verlaufen und darüber zu vergessen, dass die Stimme eines Vogels, eine Naturbetrachtung oder ein gutes Gespräch so manchen unnützen Zeitvertreib hundertfach aufwiegen?
Wenn man die Zeilen von Christian Haller genau betrachtet, dann kommt man zum Nachdenken und Einhalten. Zeit ist begrenzt und sie geht zu Ende. "Das Leben ist der Narr der Zeit - ja und es hat ein eigenes langsames Vorankommen, das des Wachsens. Muße war das vornehmste Gut des Menschen, ihm als Einziges mit auf den Weg gegeben. Von diesem Gut haben wir nichts mehr, wir haben dafür Waren - und eben keine Zeit."
Mit seinen Betrachtungen zur Zeit und ihrer Bedeutung für unser Leben erreicht Haller uns genau an einem wunden Punkt: kennt nicht jeder von uns diesen Einwand, dass man erst den Terminkalender durchforsten muss, bevor man sich zu einem Treffen verabredet? Besondere Zeitgenossen lieben es sogar, aufzuzählen was und an welchem Tag sie etwas vorhaben, bevor sie zur eigentlichen Terminverabredung kommen. Damit bekommt das eigene Leben eine Bedeutung, die es offensichtlich als besonders erfüllt und sinnvoll in den Augen der Mitmenschen machen soll. Kommt einem doch in diesem Zusammenhang sofort der Bibelspruch aus dem Prediger Salomo 9, Vers 11 in den Sinn, in dem es da heißt "Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass zum Laufen nicht hilft schnell sein..." und so fort und zuletzt "dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er ein Ding wohl kann; sondern alles liegt an der Zeit und am Glück." Mit anderen Worten: wozu die Hatz und die Jagd nach dem Reichtum und dem vermeintlichen Glück?

Christian Haller lässt Szenenfetzen an dem innern Auge vorbei gleiten und bringt uns zum Nachdenken und Träumen.
Assoziative Kindheitserinnerungen wechseln mit kleinen Geschichten aus dem Alltag, die nie ohne Tiefengehalt sind. Seine wortgewandten und poetischen Einwürfe sind von besonderer Kraft und Eindringlichkeit, so dass man unweigerlich stutzt, weil man Eigenes wieder erkennt. Und immer wieder ist es der Himmel und die Natur, die uns an die Unendlichkeit gemahnen und uns daran erinnern, dass wir unbedeutende Wesen mit vorübergehendem Aufenthaltsrecht hier nur sind. Ein hoch poetischer, teils tiefsinniger und auch humorvoller Blick auf die Welt und uns Menschen ist dem Autor gelungen. Man liest die Erzählungen mit gleichbleibendem Vergnügen!


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