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Schweigen die Täter, reden die Enkel

autor

Brunner, C./Seltmann, U. v.

gesamtwertung: 5/5

verlag

Edition Büchergilde

jahr

2004

1 bewertung

isbn

3936428263

1946 x gelesen

genre

Sachbuch

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 16.03.2004 von Ursula Silvester

Erzählung, Claudia Brunner und Uwe von Seltmann.

In diesem Buch berichten zwei Nachkommen von NS-Tätern über ihre Vorfahren und über ihre Gefühle diesen gegenüber.

Claudia Brunner ist die Großnichte von Alois Brunner, der an der Vernichtung von 130 000 Juden beteiligt war. Man spürt ganz deutlich die Abneigung, die Brunner ihrem Großonkel entgegenbringt, aber auch die Faszination, die er auf sie ausübt. Ihre Ausführungen geben einen deutlichen Einblick in ihre Gefühlswelt und macht ihre Wissbegier nach offenen Fragen (z.B. ist ungeklärt, ob Alois Brunner noch lebt) verständlich. Ihre Verwandtschaft mit einem offensichtlichen NS-Verbrecher belastet sie immer mehr, und obwohl ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ursprünglich aus reinem Interesse begann, werden ihre psychischen Probleme im Laufe der Zeit – je mehr sie über den Großonkel in Erfahrung bringt – immer stärker.

Im Gegensatz dazu ist die Auseinandersetzung von Uwe von Seltmann mit seinem Großvater Lothar von Seltmann zwar auch gefühlsmäßig sehr tief, jedoch schafft er es im Zuge der Aufarbeitung, den Hass auf den NS-Täter abzulegen, wahrscheinlich auch unter dem Aspekt, dass dieser von allen Personen, die ihn kannten, als „sympathisch und nett“ bezeichnet wird. Seltmann erfährt erst im Zuge seiner Recherchen über die Beteiligung des Großvaters an NS-Verbrechen, jedoch wird nie geklärt, in welchem Ausmaß er wirklich aktiv daran beteiligt war.

Beiden Autoren ist gemeinsam, dass sie überfüllt von Schuldgefühlen sind, die sich aufgrund der Taten ihrer Vorfahren immer mehr verfestigen. Das Buch macht klar, dass wir uns von der Vergangenheit nicht abkapseln dürfen, auch wenn wir nicht direkt daran beteiligt waren, dass es aber auch keinen Sinn hat, uns selbst als „Schlecht“ zu empfinden, nur weil das Blut von NS-Verbrechern in uns fließt.

Wolfgang Benz geht im Nachwort noch mal intensiv auf das Schweigen und auch das Leugnen der Menschen nach 1945 über die Zeit vor 1945 ein und befasst sich mit der von den Besatzungsmächten durchgeführten Entnazifizierung.


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