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autor

Christakis, N./Fowler, J.

gesamtwertung: 5/5

verlag

Fischer (S.)

jahr

2010

1 bewertung

isbn

3100113500

784 x gelesen

genre

Sachbuch

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 08.06.2010 von Michael Lehmann-Pape

Mittendrin statt nur dabei

...die Überschrift des ersten Kapitels ist bereits Programm des Buches.

In Ihrer Untersuchung sozialer Netzwerke und diesen innewohnenden, umfassenden Wechselwirkungen gehen Nicholas Christakis (Mediziner und Soziologe) und James Fowler (Politikwissenschaftler) sowohl in der Breite der zugrunde liegenden Datenerhebung (unter anderem wurde eine gesamte Kleinstadt einer Langzeitstudie unterworfen), als auch in ihren Thesen und Erkenntnissen weit über das hinaus, was bisher in Betrachtungen von Netzwerken erforscht und postuliert worden ist.

Das soziale Netzwerke in Werte, Geschmack und Verhalten beeinflussen können ist sicherlich allein schon im Blick auf die Mode seit Jahrhunderten offensichtlich. Wieweit diese Einflüsse aber wirklich reichen und in welch umfassendem Sinne die Menschheit miteinander verbunden ist, vor diesen fundierten und logischen Darstellungen der beiden Autoren steht man dann doch staunend.

Wobei bereits die Einleitung des Buches im Blick auf den Beginn der persönlichen "Vernetzung" von Nicholas Christakis und James Fowler die grundsätzlichen Funktionen des sozialen Netzwerkes eindrücklich vor Augen führt. Nur zu Anfang mag es dabei erschrecken, dass nicht das Individuum alleine und frei seine Wege bestimmt, sondern dass der Schwarm letztlich die Entscheidungen trifft, denen sich die Individuen weitverzweigter Netzwerke dann anschließen. Im Verlauf der Lektüre aber schließt man sich den beiden Autoren ohne Vorbehalte in der Betrachtung der Schönheit und Erklärungsmacht sozialer Netzwerke an.

Die Verbindungen von Glück und Leid, der Liebe, die vor allem dem "Übernächsten" zukommt, dass sogar Selbstmord ansteckend wirkt und das Netzwerke letztlich einfach in unseren Genen bereits durch die Generationenkette angelegt sind, all dies führen uns die beiden Autoren in wissenschaftlich fundierter Weise, in verständlicher Sprache und mit einsichtiger Logik vor Augen.
Allein schon die Beweisführung des altbekannten Satzes, das "Alles mit Allem" verbunden ist unter Erläuterung des bisherigen Weges der Netzwerk-Forschung liegt in diesem Buch in bester Weise beschrieben vor.
Die Ableitung auf die gegenseitige Einflussnahme über jeweils drei Schritte hinaus in sozialen Netzwerken überzeugt ebenfalls und zeigt eindrücklich auf, in welchen letztlich doch wieder fast universal vorliegenden Verflechtungen Einflüsse, Meinungen, Emotionen in diesen Bereich der drei Schritte eindringen und weitergeleitet werden

Dass Einsamkeit nicht nur eine Folge von Beziehungslosigkeit ist, sondern in mancher Form auch deren Ursache durch die weiterreichende Einflussnahme im Netzwerk wirft einen ganz neuen Blick auf die Funktion des manches Mal nicht genau fassbaren Zustandes der Einsamkeit (im Gegensatz zum Alleinsein). Einsamkeit wird, genauso wie Glück, weitergegeben. Und zwar über drei Ecken! So sollten auch wir unsere Freunde und Bekannten genau betrachten, denn wenn einer unserer Freunde einsam ist, erhöht sich auch unsere Empfänglichkeit für diesen Zustand. Und umgekehrt gilt das gleiche.

Bei der reinen Beschreibung bleiben die Autoren nicht stehen. Aus ihren Ergebnissen leiten sie mutig und in radikaler Form einen ganz neuen Blick auf das Menschsein an sich ab. Soziale Netzwerke sind es, mit deren Hilfe in positiver und negativer Hinsicht Dinge und Entscheidungen möglich werden, die die Kapazität und Kompetenz eines einzelnen weit übersteigen.

Glück, Wohlstand, Gesundheit, die richtige Partnerwahl, all dies ist grundlegend verbunden mit der eigenen Position innerhalb des eigenen Netzwerkes, auch, wenn dies dem Bewusstsein gar nicht zugänglich ist. Die eigene Stellung im sozialen Netzwerk ist damit wesentlich bedeutsamer als Bildung, materieller Wohlstand oder ethnische Zugehörigkeit.
Die entscheidende Frage für unser Leben ist, wer uns faktisch beeinflusst und gibt uns anhand des Buches die Möglichkeit, mit offenen Augen zu prüfen, mit wem wir uns umgeben wollen und von wem wir uns damit beeinflussen lassen.

Folgt man den Autoren in den einzelnen Schritten und Themenbereichen, in denen die soziale Vernetzung letztlich die entscheidende Rolle spielt, dann ist der Schluss auf der Hand liegend, dass alte Modelle zum Verständnis des menschlichen Verhaltens ausgedient haben, zumindest aber stark überholungsbedürftig sind.
Soziale Netzwerke wirken auf der Ebene des Einzelnen in jeden Aspekt des Alltages hinein. Wir reagieren auf Ereignisse, von denen wir oft noch nicht einmal erfahren haben. Ein faszinierender Blick auf unsere Welt und unser menschliches Sein ist es, den die beiden Autoren vor unsere Augen stellen. Und ein überzeugender Blick.

Das alles mit allem und jeder mit jedem einflussnehmend verbunden ist, das mag zu weit gegriffen sein. Nicht alles, was auf dieser Welt passiert, hat einen direkten Einfluss auf uns. Dennoch aber stehen wir in der Mitte eines umfassenden Geflechtes, dass es zu entdecken gilt für uns, um zu verstehen, wer, was und wie wir sind.

Das Buch ist, anders ist es nicht auszudrücken, ein Meilenstein in der Betrachtung menschlicher Beziehungen und Verflechtungen, dass mutig über bisher enge Grenzen der Betrachtung hinausgeht und ebenso mutig es wagt, große Schlüsse zu ziehen.


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