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Die Insel

autor

Laymon, Richard (weitere bücher dieses autors)

gesamtwertung: 0.5/5

verlag

Heyne

jahr

2006

1 bewertung

isbn

3453675118

1278 x gelesen

genre

Horror

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 09.03.2010 von Florian Hilleberg

Rupert Conway macht mit seiner Freundin Connie und deren Familie einen Ausflug mit der Jacht, anlässlich des Hochzeitstages von Connies Eltern. Gerade als sich Rupert, Connie, ihre Schwestern Thelma und Kimberly, deren Mann Keith und die Eltern Billie und Andrew auf einer abgelegenen Insel für ein Picknick zurückgezogen haben, explodiert ihr Boot.
Wenig später findet Rupert die Leiche von Kimberlys Ehemann Keith, aufgeknüpft in einem Baum. Da beginnt den Schiffbrüchigen zu dämmern, dass die Explosion kein Unfall gewesen ist und ein Mörder sich mit ihnen auf der Insel herumtreibt. Was als harmloses Abenteuer a la Robinson Crusoe beginnt endet in einem beispiellosen Alptraum der Perversitäten…

Meinung:
Eines muss man Richard Laymon lassen: Er kommt schnell auf den Punkt und schafft es binnen kürzester Zeit den Leser für sich einzunehmen. Bereits mit dem ersten Satz befinden sich Hauptfiguren und Leser inmitten des Geschehens wieder: „Heute ist die Jacht explodiert.“
Ab hier nimmt ein beklemmendes Szenario seinen Anfang, dass aufgrund der unbekannten, aber eingeengten Lokalität, nämlich der Insel, und der überschaubaren Zahl an Personen das ideale Grundgerüst für einen spannenden Psychothriller besitzt. Die Geschichte wird in Form eines Tagebuchs erzählt, das von Rupert geschrieben wird. Hier liegt allerdings auch der erste wichtige Knackpunkt des Romans, denn häufig verfällt der junge Mann in unnötiges Geschwafel, was angesichts der Situation reichlich unnatürlich ist, wo man als Chronist doch darauf aus sein müsste sich kurz zu fassen. Das testosterongesteuerte Geschreibsel verliert sich nur allzu oft in den spätpubertären Betrachtungen der spärlich bekleideten Frauen und den sexuellen Fantasien, die Rupert fast mit allen Damen auf der Insel hegt. Es ist lediglich Laymons flüssigem, unterhaltsamen Schreibstil zu verdanken, dass man den Roman relativ zügig durchgelesen hat, denn viel hat der Autor auf den knapp 560 Seiten nicht zu erzählen. Der Protagonist Rupert entpuppt sich entgegen seiner eigenen Beteuerungen vom Gegenteil, schnell als oberflächlicher Zeitgenosse, der in den unmöglichsten Situationen im Angesicht halbnackter Frauen eine Erektion bekommt und dies minutiös in seinem Tagebuch festhalten muss, obwohl ein grausamer Mörder die Gruppe erbarmungslos dezimiert. Dennoch entbehrt die Geschichte nicht einer gewissen, mitreißenden Spannung. Die latente Bedrohung durch den unsichtbaren, wenngleich bekannten Täter, versetzt die Figuren und den Leser in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft. Bis zum letzten Drittel des Romans weiß der Autor trotz aller Anzüglichkeiten routiniert zu unterhalten und den Leser mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen. Bis dahin bleibt dem Leser auch verborgen, weshalb dieser Roman überhaupt unter dem Label „Heyne Hardcore“ vertrieben wird. Liest man jedoch das letzte Drittel, das unter dem Titel „Der Rest der Geschichte“ angekündigt wird, wird einem diese Entscheidung schnell klar. Denn es folgt eine fast unerträgliche Darstellung menschenverachtender Perversionen, die in Anbetracht der menschlichen Triebhaftigkeit sicherlich nicht aus der Luft gegriffen sind. Die Beschreibung solcher dürfte allerdings in einem Unterhaltungsroman keinen Platz finden, da keinerlei angemessener Umgang mit dem Thema angeboten wird. Im Gegenteil, der Autor umgeht eine differenzierte Sichtweise und Auseinandersetzung mit Themen wie Vergewaltigung, Folter und Missbrauch, in dem er die Opfer schnoddrig und mit Kraftausdrücken um sich werfend die Taten verharmlosen lässt. Am Ende wird auf eine grausame Art und Weise Gerechtigkeit verübt, was beim Leser jedoch kein Gefühl von Genugtuung aufkommen lassen dürfte. Laymon hat insgesamt betrachtet wirklich originelle Einfälle in der Geschichte untergebracht, die aber durch sinnfreie Kommentare seitens des notgeilen Chronisten und der Beschreibung von unnötigen Grausamkeiten nicht ausreichen, um den Roman empfehlenswert zu machen.

Die Gestaltung des Buches ist den Verantwortlichen gut gelungen. Der prägnante Titel prangt erhaben auf einem einfachen, wirkungsvollen Cover. Das Papier ist hochwertig, der Satzspiegel wie immer sehr augenfreundlich und die Übersetzung von Thomas Merck überaus gelungen.

Fazit:
Oberflächlicher, anspruchsloser Psychothriller, mit einigen guten Ideen und einem flüssigen Erzählstil. Etwas weniger Testosteron, mehr Authentizität bei der Charakterdarstellung und ein angemessener Umgang mit Grausamkeiten wie Vergewaltigung und Folter, und der Roman wäre ansatzweise empfehlenswert gewesen.


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