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Qatna - Historischer Roman aus der Zeit des Echnaton

autor

Courant, Maria

gesamtwertung: 5/5

verlag

Süddeutsche Verlaggesellschaft

jahr

2009

1 bewertung

isbn

3882944080

2147 x gelesen

genre

Historische Romane

kommentare (0)

Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 18.11.2009 von Michaela Wolf

Prinzessin Kijas Ahnung vom Untergang

Ein geheimer Gang, eine unberührte Gruft, der Königspalastes jedoch ist zerstört. Das Tübinger Archäologenteam um Prof. Pfälzner konnte nur staunen und endlich eine Lücke im Wissen um die Geschichte des Vorderen Orient schließen. In 73 Tontäfelchen mit Keilschrift graviert stand u.a. der Auftrag des Königs für 18.600 Bronzeschwerter. Briefe, vermutlich von dem hethitischen General Hannutti verfasst, enthielten eine Warnung an den König von Qatna, dass seine Stadt in Gefahr sei.

Der Tübinger Professor für Vorderasiatische Archäologe, Peter Pfälzner, fand bereits 2002 in syrischen Quatna diese Stücke aus dem 14. Jh. v.Chr. Und noch wenige Monate vor seiner Ausstellung in Stuttgart (September 09 bis März 10) geschah das Unverhoffte: die Forscher entdeckten unter dem Palast eine unbeschädigte Königsgruft. Die Archäologin und Althistorikerin Maria Courant konnte sich blitzschnell alles vorstellen: wie dort der Hofstadt von König Idanda lebte, wie seine Tochter Prinzessin Kija selbstbewusst ihre Zukunft gestaltete, wie sich Liebe entwickelte und Verrat sich einschlich. Qatna war berühmt für Purpurherstelllung, die Hethiter kurbelten bereits am Ende der Bronzezeit eine Eisenproduktion an. Prachtvoller Schmuck, Regale, in diesem Fall Schüsseln, voller Aufzeichnungen über die Staatsangelegenheiten... da schlägt das Herz einer belesenen Frau höher. Maria Courant formte einen Romanplot in ihrer Vorstellung wie die Qatner die Skulpturen in ihren Werkstätten. König Idanda von Qatna und seine Familie sollte im Mittelpunkt stehen – verknüpft mit den Ereignissen um 1350 vor Chr., also vor den Auseinandersetzungen zwischen den Hethitern und Ägypten. Das überlieferte historische Personal musste um einige Figuren ergänzt werden, die Geschichte füllte sich mit Liebe, Hass, Intrige, Mord. Und alles war „echt“, stand seit 3500 Jahren in Ton geritzt, brauchte nur nachgearbeitet zu werden. Die Hauptperson, Prinzessin Kija von Qatna, war eine spätere, geheimnisvolle Gemahlin Echnatons. Ihr Dasein konnte Maria Courant nun mit Leben füllen.

Maria Courant hat die Sternstunden der Archäologie, die Entdeckung der Königsgruft von Qatna/Syrien, für Laien begreifbar gemacht und zieht die Leser unaufhaltsam in das Geschehen. Eine Prinzessin reift heran, übernimmt die Aufgaben einer Priesterin, verliert sich in der Liebe zum Pharao Echnaton und ahnt – oder weiß sie es – dass der Untergang ihres Volkes kurz bevor steht.

Die Archäologen können nun die syrische Palastkulturen der Bronzezeit, aber auch die überregionalen Beziehungen der Mächte im östlichen Mittelmeerraum erfassen.

„Qatna“ ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem so wahrheitsgetreu und wissenschaftsgerecht wie überhaupt nur möglich die Geschichte eines kleines Volkes erzählt wird. Aktueller kann ein Roman kaum sein und dazu so spannend, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Bis in kleinste Detail hinein zeigen die Beschreibungen, was die Menschen der Bronzezeit aßen und wie sie sich kleideten, welche Zukunftsvisionen sie hatten, mit welchen Verbündeten und welchen Feinden sie rechneten, wie ihre Architektur, ihre religiösen Rituale, ihre Kommunikation funktionierten. Vor allem, wie sie Herz und Verstand zusammen brachten.

Ich bin sehr begeistert von dem Buch und kann es nur dringend als Lektüre empfehlen: Super Weihnachtsgeschenk.


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