Titel: Firmin - Ein Rattenleben
Autor: Savage, Sam
Verlag: Ullstein Hc
Jahr: 2008
ISBN: 355008742X
Genre: Belletristik


Gesamtwertung:

3 Bewertungen
556 mal gelesen
Firmin - Ein Rattenleben
Savage, Sam26.12.2008
rezensiert von: Daniela MöhrkeWertung: 1.5 Sterne

Die Bezeichnung "Leseratte" allein macht es nicht!

Nachdem ich das Buch "Firmin - Ein Rattenleben" von Sam Savage im neuen Ullstein-Katalog entdeckt und auch die Leseprobe gelesen hatte, war ich mir ganz sicher: Dieses Buch muss ich lesen.

Leider war ich aber von Seite zu Seite enttäuschter. Die Geschichte der Ratte Firmin, die die schwächste des Wurfes ist und aus der Not heraus beginnt Buchseiten zu essen, fängt noch vielversprechend an, zumal ich es als interessant empfand wirklich mal ein Buch aus Sicht einer echten Leseratte zu lesen. Denn Firmin isst die Seiten nicht nur, nein er beginnt auch sie mit Begeisterung zu lesen und ist schon bald um einiges intelligenter als alle anderen Ratten. Auch die Tatsache, dass er in einer Buchhandlung lebt, machte das Buch für mich reizvoll.

Aber sonst passiert im Buch nicht wirklich viel, Firmin beschreibt Kunden der Buchhandlung und den Besitzer, sowie einige Begebenheiten mit anderen Ratten/seiner Familie. Alles ist dabei sehr trocken und langweilig erzählt, ohne Humor oder besonderen Charme. Spannung kommt nichtmal ansatzweise auf. Wirklich schade, dass der Autor wohl der Meinung ist, es würde ausreichen einen neuartigen Hauptcharakter für sein Buch zu wählen, ohne selbst ein besonderes schreiberisches Talent zu besitzen. Schon mit dem Anfang macht er es sich schwer, wenn darauf hingewiesen wird, dass ein gutes Buch immer mit einem bedeutungsvollen/einprägsamen Satz beginnen sollte, denn dieses Buch selbst tut dies nicht.

Mit der Aufmachung, die wirklich sehr gelungen ist (schöne(r) Covergestaltung/Einband, Buchschnitt im Rough Cut) soll das Buch wohl einen bibliophilen Eindruck bekommen, was ja auch prinzipiell zum Thema passen würde. So sollen Liebhaber bibliophiler Bücher gelockt werden (und bei mir hat es ja auch geklappt), aber dies kann nicht über die Belanglosigkeit des Inhalts und den faden Schreibstil hinwegtäuschen. Firmin wird somit keinen bleibenden Platz in meinem Regal erhalten.

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1     Bewertung: 4 Sterne
Aus dem Leben einer wahren Leseratte

Dem Amerikaner Sam Savage ist mit seinem ersten Roman ein reizvolles Werk gelungen. Das schmale Büchlein mit dem ansprechenden Cover enthält eine ruhige Geschichte, die den Leser noch lange beschäftigt.

Firmin wird als dreizehnter, kleinster und schwächster seines Wurfs geboren, im Keller einer Buchhandlung in Boston. So muss er auf andere Nahrungsquellen ausweichen und wählt das naheliegendste: Bücher. Durch den Verzehr der Bücher lernt er auch irgendwie Lesen und entdeckt eine neue Welt, jenseits des Kellers und seiner Familie. Mit der Zeit wächst sein Wunsch, ein Mensch zu sein und dieser – in diesem Leben – unerfüllbare Wunsch macht ihn nicht gerade glücklich.

So melancholisch wie Firmin auf dem Titelbild aussieht, so erzählt er auch seine Lebensgeschichte. Firmin führt ein für eine Ratte sehr ungewöhnliches Leben. Dank seiner Fähigkeit zu Lesen reist er durch Zeit und Raum, lernt vieles kennen, das seinen Geschwistern und anderen Artgenossen fremd ist. Gleichzeitig entfernt ihn dieses Wissen auch immer mehr von ihnen und die zahlreichen Freundschaften zu seinen literarischen Vorbildern sind zwangsläufig nur einseitig.

Gespickt mit literarischen und teilweise auch cineastischen Anspielungen erzählt Firmin Episoden aus seinem Leben, lässt den Leser teilhaben an seinen philosophischen Überlegungen. Geistreich und mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor streut Firmin immer wieder ironische Überschriften für seine aktuelle Lebenssituation ein, wie z.B. „Alkoholismus als Hoffnungsschimmer: Geschichte einer Kindheit“ oder „ein normaler Fall von Bibliobulimie“.

Firmin merkt nicht, wie außergewöhnlich und erfüllt sein Leben eigentlich ist, weil sein größter Wunsch unerfüllbar ist: Er wäre so gerne ein Mensch und weiß doch, dass er äußerlich eine Ratte ist, „Ungeziefer“ wie er selbst sagt. Sowohl in seiner Welt als auch in der Welt der Menschen ist er immer ein Außenseiter, der versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen.

Besonders gut gefiel mir, dass die Erstauflage im sogenannten Rough Cut gestaltet war und das Buch so wirkte, als hätte Firmin persönlich es angenagt. In meiner 6. Auflage sind die Seiten leider glatt geschnitten und die zauberhaften Illustrationen der englischsprachigen Ausgabe fehlen auch.

Ein Buch, dass ich schon mehrmals weiterempfohlen habe und das meine Wunschliste hat wachsen lassen – dank Firmins vieler verborgener Leseempfehlungen.
geschrieben von: sassenach18.02.2009

2     Bewertung: 4 Sterne
Inhalt:
Firmin ist eine Ratte. Er wird im Keller eines Antiquariats als das schwächlichste des Rattenwurfs ins Leben geboren. Seine Mutter war eine selbstsüchtige, verfressene Rattendame, die sich wenig um die emotionalen Belange ihrer Rattenkinder sorgte. Die meisten aus dem Wurf taten es ihr gleich und wurden so zum Stereotyp des Rattendaseins. Firmin von Anfang an sensible, ängstlich und wenig wie seine Geschwister, entdeckt den Keller und anschließend das ganze Haus für sich. Während alle anderen "ausfliegen" und Mutter Ratte verstirbt, entdeckt er die Welt der Literatur für sich und verliebt sich in Norman, den Antiquar. Weit später lernt er noch einen Schriftsteller aus dem Haus kennen und am Rande geht es auch um den Kapitalismuß, der um sich greift und das Antiquariat bedroht.

Autor: Sam Savage lebt in den Staaten und hat in Philosphie promoviert. Er arbeitete in vielen Berufen und schrieb nun erstmals einen Roman.

Stil: Manchmal ist die Sprache etwas unbeholfen und flapsig. Doch passt es so gut zu dieser "Außenseiter"-Ratte, dass es mir mehr gewollt als zufällig erscheint. Ich mochte die Sprache, die Leichtigkeit, das Dahinplätschern der Geschichte sehr.

Meinung: Firmin ist nicht nur liebenswert. Er hat schräge Marotten und ist träge. Aber gerade das macht ihn so toll. Er ist, wie auch wir Menschen oft so sind. Ein Außenseiter in einem Rudel Gleichartiger. Firmin entzieht sich zunehmend der Realität und lebt in einer Scheinwelt, die er sich erträumt. Auch das ist wohl nicht weit hergeholt. Viele Menschen entziehen sich auf diese Weise der Realität, die sie sonst nicht dauerhaft "mit"leben könnten.



Firmin ist für mich ein Werk über die Einsamkeit, die Schwächen und die Einzigartigkeit von Menschen. Das dafür die Form einer Ratte gewählt wurde, finde ich einen brillanten Schachzug. Darüber mußte ich oft schmunzeln.
geschrieben von: Irrlicht10.04.2010


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