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Die Einsamkeit des Thomas Cave

autor

Harding, Georgina

gesamtwertung: 5/5

verlag

Bloomsbury

jahr

2007

1 bewertung

isbn

3827007259

2478 x gelesen

genre

Abenteuer

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Jetzt selbst kommentieren geschrieben am: 10.03.2008 von Miranda

Ein literarisches Kleinod beschert uns der Debütroman von Georgina Harding. Es geht um Abenteuer, um Walfang, das ewige Eis, den Gottesglauben, um menschliche Tragödien und psychologische Einsichten von seltener Klarheit.

Die Heartsease, ein Dreimaster, befindet sich weit im Norden zum Walfang. Der kurze arktische Sommer des Jahres 1616 neigt sich dem Ende zu, und die Heimreise ist beschlossene Sache.

Unter den Männern des Schiffes herrscht ein raues Klima. Zwei Seeleute schließen eine Wette ab, denen sich noch andere anschließen: es geht darum, ob man alleine in der eisigen Kälte mit ihren Stürmen, in der Dunkelheit und mit der aufwendigen Nahrungssuche den arktischen Winter überleben könne. Thomas Cave, ein ruhiger und gesetzter Mann, hat seine Überzeugung geäußert, dass er dieses Experiment wagen würde. Die Wette gilt!

Er berichtet in einem Logbuch von seinen Erlebnissen auf einer nicht verzeichneten Insel von Spitzbergen im Winter 1616-1617.

In einem ruhigen und der Stille der Landschaft Rechnung tragenden Erzählstil nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die von seltener poetischer Schönheit und Ausdruckskraft ist. Das Licht und die glänzende Eiswelt, die Berge und der langsam schwindende Mond, Sonne und Sterne sind in ungewohnter Klarheit zu sehen. Sie oszillieren das Licht, bevor die lange Winternacht anbricht. Cave richtet sich ein, sorgt für Vorräte, sammelt Holz aus gestrandeten Planken und schießt das Wild, so lange es noch zu erkennen ist. Bald schon gesellt sich zu dem ewigen Winter eine Totenstille, bei der man nur noch das eigene Ohrenrauschen hört. Über die Qualen der Einsamkeit und den Kampf ums Überleben in der Eiswüste mit ihren Naturgewalten, dem Eis und Schnee wird abenteuerlich berichtet. Zeit und Raum scheinen eins zu werden unter dem gläsernen Himmel mit dem Brausen von Stürmen, die ungeahnte Kräfte entfachen.

Thomas Cave ist ein Held. Sein Wille, seine Erfahrung und seine Weisheit bestimmen den Gehalt der Geschichte. Mit rationalem Verstand sucht er sich selber in seiner Ausnahmesituation zu beobachten und hält seine Betrachtungen in seinem Logbuch fest. In seinen Alpträumen und den einsamen Nächten umgaukeln ihn Figuren aus seiner Vergangenheit. Er hatte eine Frau und ein Kind, und er hatte in Dänemark ein Zuhause gefunden. Unaufdringlich und sparsam wird über seine Gedanken berichtet, die ihn heimsuchen. Alten Gemälden gleich kann man sich eine Frau vorstellen, die im Kindbett stirbt, während die Frauen und Mägde ihr zu helfen versuchen.

Die historische Recherche ist gründlich. Selbstverständlich und wie nebenbei gehören Gebete und Zwiegespräche mit Gott zum Leben dazu. Der Mythos des ewigen Eises und ein Männlichkeitswahn, der bis in unsere Tage reicht, findet in der Figur von Thomas Cave Gestalt. In harscher Kulturkritik wird gezeigt, wie sich die Waljäger und Robbenfänger einen Spaß daraus machen, eine Robbe bei lebendigem Leibe zu häuten und in diesem Zustand dem Meer zu überlassen. Eine Blutspur ziert das Erlebnis!

Ebenso klar wird inhaltlich Zivilisationskritik geübt, mit der die Urbanisierung der Natur als Ursache epochaler Veränderungen des Klimas und der Meeresressourcen aufs Korn genommen wird.

Die weise Abgeklärtheit des Thomas Cave bestärkt uns in dieser Anschauung. „Wir hätten niemals dorthin fahren dürfen“ ist sein Fazit.

Neben den angemessen kritischen Eindrücken ist die Geschichte über das ungewöhnliche Leben des Thomas Cave mit einem stoischen Gleichmaß ausgestattet. Als wäre man selber an diesem Ort der Stille und Entsagung, folgt man mit anhaltender Spannung dem Bericht. Die vielfach gepriesene Schönheit der Natur und die flüchtig angedeuteten Erinnerungen erzeugen einen Klang, dem man gerne folgt!


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