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Über das Leseverhalten von Männlein und Weiblein

Wer hätte das gedacht? Es scheint tatsächlich tiefgreifende Unterschiede im Leseverhalten von Männern und Frauen zu geben. In einem überaus lesenwerten Artikel in der NZZ vom vergangenen Samstag schreibt Hannelore Schlaffer über die Art und Weise, wie Frauen im Gegensatz zu Männern Literatur konsumieren, welche Art von Literatur konsumiert wird und wer welche Art von Literatur überhaupt produziert.

So legt bereits die Mutter, nicht der Vater, den Kindern das Leseverhalten mit in die Wiege. Jedoch lassen sich die Jungs liebend gern von Computerspielen und ähnlichen Verlockungen vom Lesen abhalten – die Mädchen hingegen scheinen trotz allem immer noch Zeit für ein gutes Buch zu finden. Jungs, so wird im Artikel gefolgert, erklären mit ihrer Unabhängig und Resistance zum Lesen ihre Männlichkeit. Es ist eines der Mittel, sich von der weiblichen Welt abzugrenzen. Folgerichtig zieht sich diese Abneigung zum Buch auch bis ins Mannesalter fort, wenn Frauen weiterhin gern alles verschlingen, was das Herz berührt, Männer hingegen lieber ihre wissenschaftliche Seite ansprechen lassen.

So sind bevorzugte Bücher der Frauen über Geschichten, mit denen man sich assoziieren kann. Die Geschichten sind erlebbar und spiegeln den Erfahrungshorizont der Leserinnen wider. Männer hingegen brauchen eine wissenschaftliche Abdeckung: wenn schon eine Story, dann mit einem politischen, historischen oder sozialkritischen Kontext.

Diese geschlechtliche Trennung lässt sich auch in der Schriftstellerei ausmachen. “Qualität ist männlich”, denn Männer nähern sich wissenschaftlich an ihr Thema heran – Emotionen haben da wenig Platz. Dies sind die Bücher, die Verlage gern aufs Podest stellen und die in den Feuilletons besprochen werden. Doch das sind nicht die Bücher, die allgemein konsumiert werden. Die Verlage versuchen, diese Schlucht mit neuen Textformen zu begegnen. Doch bislang, so die Autorin, gilt “die Devise: vereint leben, getrennt lesen.”

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